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Verschwörungstheorie zu Coronavirus und 5G - Was steckt dahinter?

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Verschwörungstheorie zu Coronavirus und 5G - Was steckt dahinter?
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In Großbritannien, in Irland, in den Niederlanden und auf Zypern sind zahlreiche 5G-Mobilfunkanlagen angegriffen worden. Verschwörungstheoretiker behaupten - vor allem in sozialen Medien wie Facebook sowie TikTok und auf YouTube - 5G stecke hinter der Verbreitung des Coronavirus.

Der Chef von Vodafone in Großbritannien sprach von einer "gefährlichen Lüge". Laut Financial Times unterstützt Piers Corbyn, der Bruder des ehemaligen Labour-Chefs, die Angriffe gegen 5G-Masten. Der 73-jährige Klimawandel-Leugner behauptet entgegen der wissenschaftlichen Erkenntnis, die Frequenzen könnten in die Lungen der Menschen eindringen und dort "gefährliche Partikel" hinterlassen.

Lockdown verstärkt Verschwörungstheorien

Hanna Linderstal, vom schwedischen Datenunternehmen Earhart Business Protection Agency, erklärt in der FT, dass Verschwörungstheorien sich in Zeiten des Lockdown und der Ausgangssperren noch stärker verbreiten. Die Expertin meint, die Menschen seien in Krisenzeiten auf der Suche nach möglichst einfachen Erklärungen.

Die Verschwörungstheorie ist offenbar schon im Januar aufgetaucht - mithilfe von Videos von toten Vögeln und toten Fischen. Zudem wurde der Zusammenhang von Coronavirus und G5 in einem inzwischen gelöschten, aber zuvor massenhaft verbreiteten TikTok-Video hergestellt. Darin beschimpfte eine Frau einen Bauarbeiter in London mit den Worten, 5G wolle "alle töten".

Es gibt keinen geographischen oder sonstigen Zusammenhang zwischen der Verbreitung von 5G und dem Ausbruch des Virus.
Johannes Bahrke
Sprecher der EU-Kommission

Johannes Bahrke, Sprecher der EU-Kommission, erklärte zum vermeintlichen Zusammenhang zwischen dem Coronavirus und 5G: "Ja, wir haben diese Desinformation über 5G gesehen, wir haben gesehen, dass einige Quellen in sozialen Medien 5G-Netzwerke mit dem Ausbruch des Coronavirus in Verbindung gebracht haben. Diese Geschichten wurden als Desinformation identifiziert, und Plattformen - YouTube zum Beispiel oder Facebook - haben bereits einige dieser problematischen Inhalte gelöscht. Es gibt keinen geographischen oder sonstigen Zusammenhang zwischen der Verbreitung von 5G und dem Ausbruch des Virus".

Zuvor hatte schon die WHO darüber aufgeklärt, dass Viren und auch Covid-19 nicht über 5G-Mobilfunk verbreitet werden können.

5G: Skepsis und Hoffnung in Deutschland

In Deutschland beobachten die Mobilfunkbetreiber während der Coronavirus-Epidemie die Situation. Im Gespräch mit dem Handelsblatt sagte ein Vodafone-Sprecher: "Es gibt keinerlei wissenschaftliche Hinweise oder Belege für diese Behauptungen. 5G ist ebenso wie seine Vorgänger-Technologien eine sichere Sache."

Allerdings zitiert das Handelsblatt auch eine Bitkom-Umfrage, wonach sich 48 Prozent der Deutschen gegen einen Bau von weiteren Mobilfunkmasten ausgesprochen hat. 43 Prozent der Befragten erklärten sogar, sie dagegen protestieren, wenn in ihrer Nähe ein Funkmast errichtet werden sollte. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt Bitkom-Chef Berg zur Skepsis de Deutschen: "Die Sorgen nehmen wir ernst. Mir ist klar, dass die Menschen Angst vor Dingen haben, die sie nicht verstehen und die sie in diesem Fall auch nicht sehen oder anfassen können. Verstärkend kommt hinzu, dass man von „Strahlung“ spricht – ein Begriff, bei dem jeder zunächst einmal nukleare Strahlung oder Röntgenstrahlung assoziiert, und da gehen dann die roten Lampen an. So entstehen diffuse Ängste, und sie gehen so weit, dass Menschen Krankheitssymptome in der Nähe neuer Funkmasten angeben, die noch gar nicht in Betrieb sind."

Bei einer Befragung unter Vertretern der deutschen Wirtschaft setzen aber mehr als die Hälfte und vor allem größere Unternehmen auf 5G-Technologie und versprechen sich von ihr einen Anschub.

Was ist anders bei 5G?

Bei 5G ist die Download-Geschwindigkeit zwischen 100 und 1.000 Mal schneller als bei der aktuell in Städten verfügbaren 4G. Die Reichweite von 5G ist allerdings kürzer als bei den Vorgängernormen. Das bedeutet, dass es mehr Mobilfunkmasten benötigt.

Die derzeit verfügbaren Studien zum Gesundheitsrisiko durch 5G-Mobilfunk geben laut einer Untersuchung der Stiftung Warentest "kaum Anlass zur Sorge".

Arzt im Aargau verbreitete die Verschwörungstheorie

Auch ein Arzt aus dem Aargau in der Schweiz behauptet auf seinem Blog, die neue Mobilfunknorm stecke hinter dem Coronavirus, er fordert die sofortige Abschaltung von 5G. Zudem meint der Kardiologe, die Covid-19-Patienten müssten vor 5G in Beatmungsgeräten geschützt werden - dabei haben diese Geräte mit 5G nichts zu tun. Zuvor hatte der Mediziner aus Baden auch erklärt, es gäbe gar keine Gefahr, denn das Coronavirus verursache nur eine normale Grippe.

Laut Aargauer Zeitung hatte der 58-Jährige zudem mehrere Personen und Behörden bedroht. Deshalb nahm die Polizei den Arzt am Osterwochenende in Wettingen fest. Er wurde in die Psychiatrie eingewiesen. Von dort verbreitet er seine Verschwörungstheorien aber weiter.