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Hotspot Bergamo: Angehörige von Corona-Opfern stellen 50 Strafanzeigen

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Militär-Lkw in Ferrara (Archiv)
Militär-Lkw in Ferrara (Archiv)   -   Copyright  Massimo Paolone/LaPresse
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Vor einem Gerichtsgebäude in der norditalienischen Stadt Bergamo haben sich Angehörige von Coronavirus-Opfern versammelt, nachdem sie 50 Strafanzeigen gegen Unbekannt gestellt hatten.

Die Provinz Bergamo in der Lombardei war das Epizentrum der Coronakrise in Italien. Die Opfer-Initiative wirft den Behörden vor, wegen Fahrlässigkeit und Unvermögen für viele Todesfälle verantwortlich zu sein.

Rund 55.000 Menschen haben sich über Facebook der Gruppe "Noi Denunceremo" ("Wir werden anklagen") angeschlossen, die von Anwälten unterstützt wird.

Die 50 Anzeigen beziehen sich auf unterschiedliche Vorwürfe. So seien einige als Corona-Hotspots bekannte Orte nicht rechtzeitig isoliert worden.

Eine Frage der Zuständigkeit?

Die Regionalregierung weist die Vorwürfe zurück und verweist auf die Regierung in Rom, die über Abriegelungen hätte entscheiden müssen.

Andere Angehörige machten Versäumnisse von Kliniken bei der Behandlung und Information von Patienten geltend. Die Angehörige machten deutlich, es gehe ihnen nicht um Rache, sondern um Gerechtigkeit.

Eine Verwandte eines verstorbenen Corona-Patienten, die anonym bleiben wollte, forderte Aufklärung über die Verantwortlichkeiten von Entscheidungsträgern während der Krise. Damit meine sie ausdrücklich nicht das medizinische Personal, das sich in dieser schrecklichen Lage ebenfalls in einer Opferrolle befunden habe.

Regierungschef Conte muss sich erklären

Die Staatsanwaltschaft Bergamo kündigte an, Ministerpräsident Giuseppe Conte zum Umgang der Regierung m,it der Pandemie offfiziell anzuhören. Die Anhörung soll in Rom stattfinden. Auch der italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza und Innenministerin Luciana Lamorgese sollen einvernommen werden.

Mehrere Staatsanwaltschaften in der Region Lombardei ermitteln in einigen Fällen bereits wegen Missmanagements, unter anderem gegen Altenheime.