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Satellitenfotos: Covid-19 wohl schon ab August 2019 in Wuhan - laut Harvard-Studie

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Satellitenbilder von den Parkplätzen der Krankenhäuser in Wuhan und Suchmaschinenabfragen aus der chinesischen Stadt deuten darauf hin, dass der Ausbruch von COVID-19 viel früher begann, als bisher angenommen. Das haben jetzt Untersuchungen der Harvard Medical School ergeben.

Die Forscher haben mehr als 110 Satellitenbilder von sechs Krankenhäusern in Wuhan aus der Zeit von Januar 2018 bis April 2020 analysiert sowie tägliche Daten für symptombezogene Suchanfragen wie "Husten" und "Durchfall" auf der chinesischen Suchmaschine Baidu aus Wuhan von April 2017 bis Mai 2020 ausgewertet..

Sie stellten fest, dass "dem dokumentierten Beginn der SARS-CoV2-Pandemie im Dezember 2019 eine Zunahme des Krankenhausverkehrs und der Daten zur Symptomsuche in Wuhan vorausging".

Sie stellten zum Beispiel fest, dass ein "steiler Anstieg" der Krankenhausbelegung, gemessen anhand des Stellvertreterwertes für das Parkplatzvolumen, erstmals im August 2019 beobachtet wurde, der mit einem Höhepunkt im Dezember 2019 seinen Höhepunkt erreichte."

Im August war auch "ein einzigartiger Anstieg bei der Suche nach Durchfallerkrankungen zu verzeichnen, der weder in früheren Zeiten von Grippe zu beobachten war noch sich in den Daten der Hustensuche widerspiegelte".

Abfragen des Symptoms "Husten" zeigen saisonale Schwankungen, die mit den jährlichen Grippeperioden zusammenfallen, aber "Durchfall" gilt laut Harvard-Wissenschaftlern als ein COVID-19-spezifischeres Symptom. Dies deutet auf einen Zusammenhang mit der aktuellen Epidemie, betonten die Forscher.

Die noch nicht durch eine "peer review" von anderen Forschern begutachtete Studie räumt Einschränkungen ein, wie z.B. die Tatsache, dass viele der empfangenen Satellitenbilder nicht nutzbar waren, weil Wolken, Gebäudeschatten oder andere Sichtprobleme es unmöglich machten, die Anzahl der Autos auf den Parkplätzen jederzeit genau zu zählen.

Die Daten der Suchmaschinen seien auch "anfällig für Schwankungen im Zusammenhang mit Ereignissen, die uns möglicherweise nicht bekannt sind" und hängen von der Internetverbreitung ab, die in China "sehr unterschiedlich sein kann", so die Forscher.

Sie argumentierten jedoch, dass "wir zwar nicht bestätigen können, ob die erhöhte Anzahl in einem direktem Zusammenhang mit dem neuen Coronavirus stand, aber unsere Beweise sowie andere neuere Arbeiten zeigen, dass das Auftauchen vor der Identifizierung auf dem Huanan-Seafood-Markt geschah".

"Diese Befunde bestätigen auch die Hypothese, dass das Virus auf natürliche Weise in Südchina auftauchte und möglicherweise bereits zur Zeit des Wuhan-Clusters zirkulierte" und "deuten auch auf die verpassten frühen Signale von COVID-19 in den gegenwärtigen Überwachungssystemen für Atemwegserreger hin", fügten sie hinzu.

China wurde von US-Präsident Donald Trump heftig kritisiert, der dem Land vorwarf, die internationalen Gesundheitsbehörden nicht rechtzeitig über das neuartige Coronavirus informiert zu haben. Er hat auch damit gedroht, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die US-Finanzierung zu entziehen, mit dem Argument, diese habe eine zu große Nähe zur Regierung in Peking, um unparteiisch zu sein.

Die Mitgliedsländer der WHO stimmten im vergangenen Monat dafür, dass die Organisation eine unabhängige Untersuchung der internationalen Reaktion auf den Ausbruch durchführt. So könnte der Umgang der Behörden in China erneut ins Blickfeld geraten.

Mehr als 406.000 Menschen weltweit sind in Zusammenhang mit dem tödlichen Virus gestorben, mehr als 7 Millionen haben sich mit dem Coronavirus infiziert, laut Karte der Johns Hopkins Universität.

China hat - Stand 10. Juni 2020 - 4.638 Todesfälle und 84.195 bestätigte Coronavirus-Ansteckungen gemeldet.