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Präsidentschaftswahl in Polen: Es wird eng für Duda

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Präsidentschaftswahl in Polen: Es wird eng für Duda
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Wenige Tage vor der Wahl in Polen wird es eng für Präsident Andrzej Duda: Umfragen sagen dem Amtsinhaber bei der Abstimmung am Sonntag rund 40 Prozent voraus, Herausforderer Rafal Trzaskowski könnte auf rund 30 Prozent kommen. Der Kandidat Szymon Holowina liegt mit acht weiteren Kandidaten um oder unter zehn Prozent. Es wird mit einer Stichwahl zwischen Duda und Trzaskowski gerechnet.

Duda-Wähler: Politik soll in Warschau gemacht werden

Der Zahnarzt Michal Sowa ist mit der Politik der nationalkonservativen Pis der vergangenen fünf Jahre zufrieden. Er will auch weiterhin einen Präsidenten, der gut mit der Regierung zusammenarbeitet. "Andrzej Duda ist die Garantie dafür", so Sowa. "Er gehört derselben Partei an wie die regierende Mehrheit. Ich möchte, dass polische Angelegenheiten in Warschau entschieden werden, nicht in Brüssel oder Berlin."

Trzaskowski steht als Gegenpol zu Duda für einen liberalen Kurs. Der Warschauer Bürgermeister wurde erst vor Kurzem von seiner Bürgerkoalition (KO) zum Kandidaten gemacht. Der 48 Jahre alte promovierte Politologe hat das Rennen aufgemischt, obwohl er erst nachträglich nominiert wurde. Dabei sah vor wenigen Wochen alles noch ganz anders aus. Ursprünglich war die Wahl für den 10. Mai geplant. Und Präsident Duda hatte beste Chancen, gleich im ersten Wahlgang zu gewinnen. Die Pis war von dieser Aussicht so beflügelt, dass sie die Wahl selbst dann noch übers Knie brechen wollte, als wegen der Corona-Pandemie das öffentliche Leben in Polen lahmgelegt war.

Doch dann verhedderte sich das Regierungslager in einem Streit um die Änderung des Wahlrechts. Im letzten Moment zog der PiS-Vorsitzende Jaroslaw Kaczynski die Notbremse: Die Wahl wurde kurzfristig verschoben. Die oppositionelle KO nutzte die Chance, um ihre blasse und unglücklich agierende Spitzenkandidatin Malgorzata Kidawa-Blonska zum Rückzug zu drängen. Zuletzt hatten ihre Umfragewerte bei zwei bis vier Prozent gelegen. Mit der Nominierung Trzaskowskis kam schlagartig die Trendwende.

Senkrechtstarter Trzaskowski: Kandidat der Gro´ßstadtelite?

Er gilt als einer der profilierten Köpfe innerhalb des liberalkonservativen Lagers. Er hat in Paris und Oxford studiert. Während Andrzej Duda schon mit Englisch hadert, beherrscht Trzaskowski fünf Fremdsprachen: Außer Englisch und Französisch spricht er noch Spanisch, Italienisch und Russisch. Im Jahre 2013 holte ihn der damalige Regierungschef Donald Tusk als Minister für Verwaltung und Digitalisierung in sein Kabinett. Später war er stellvertretender Außenminister. Im Oktober 2018 gewann Trzaskowski die Wahl zum Warschauer Oberbürgermeister im ersten Wahlgang mit einem Riesenvorsprung.

Trzaskowski habe alles, was ein Politiker brauche, der für ein hohes Staatsamt kandidiert, sagte der Politologe Antoni Dudek: "Gutes Aussehen, Intelligenz, Talent im Umgang mit Medien und die Fähigkeit, sich selbst für Heldentaten zu rühmen." Seine schwache Seite sei dagegen, dass er als Kandidat der Großstadt-Eliten wahrgenommen werde. Bei der Landbevölkerung könne er daher kaum punkten.

Trzaskowski wäre das dringend benötigte Gegengewicht zum Machtmonopol der Pis. Es brauche Kontrolle über die Parlamentsmehrheit und die Regierung, so der Uni-Dozent Piotr Markiewicz. "Ich denke, das wäre gut für Polens Entwicklung."

"Wir sollten uns nicht streiten und beleidigen"

Polen habe genug von dem seit 15 Jahren andauernden Streit zwischen Liberalen und Konservativen, so der Anwalt Pawel Sliz. Er will den unabhänigen Kandidaten Holownia wählen, um die Gräben zu überwinden. Sliz: "Ich will ein Polen, wo jeder von uns Platz findet, ein Wähler der Bürgerkoalition genauso wie ein PiS-Wähler. Wenn wir über Politik reden, sollten wir uns nicht streiten und beleidigen. Politik sollte nicht so ein Sumpf sein."

Eine Stichwahl könnte spannend werden, so euronews-Korrespondent Leszek Kablak; "Alles deutet darauf hin, dass Polen erst Mitte Juli wissen wird, wer der Präsident der kommenden fünf Jahre wird. Wie es aussieht, wird der größte Wahlsieger die Demokratie sein, es wird eine Rekordbeteiligung erwartet."