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Einreise aus USA verboten: Sind Amerikaner in der EU nicht mehr 'welcome'?

Mit Freunden in Übersee ein Bierchen trinken: Das muss wohl noch eine Weile warten...
Mit Freunden in Übersee ein Bierchen trinken: Das muss wohl noch eine Weile warten...   -   Copyright  AP Photo/Francisco Seco
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"Man fühlt sich schon irgendwie gefangen", sagte Pauline Manos, eine US-Amerikanerin, die seit über 30 Jahren in Belgien lebt, gegenüber Euronews.

Wie Millionen von US-Bürgern, die in Europa leben, hoffte sie, während der Coronavirus-Pandemie nach Hause fliegen zu können, um ihre Eltern im Alter von 89 und 78 Jahren zu besuchen. Sie leben in Los Angeles, seit Weihnachten hat sie sie nicht mehr gesehen.

Als die Europäische Union die USA unter Berufung aufgrund der epidemiologischen Lage von ihrer Liste der "sicheren Länder" strichen, musste sie ihre Reise absagen.

Am Dienstag veröffentlichte die EU eine Liste von 15 Nicht-EU-Ländern, denen die Einreise wieder erlaubt ist - für Geschäfts- oder Urlaubsreisen. Die USA, Russland, Brasilien und die Türkei, Länder, in denen die Eindämmung des Coronavirus schlechter als im EU-Durchschnitt eingeschätzt wird, müssen somit einige Wochen auf die Genehmigung warten müssen.

"Plötzlich kann ich die Generation meiner Großeltern verstehen, die von Griechenland in die USA emigrierten und ihre Eltern nie wieder sahen... damals brauchten Briefe etwa drei Monate", sagte Manos, ein Freiwilliger für den Verein American Club of Brussels.

Zwar könnte sie die USA aus dringenden Gründen besuchen, doch Manos ist um ihre Gesundheit besorgt: Die USA sind mit mehr als 2,6 Millionen Coronavirus-Fällen das am schlimmsten betroffene Land der Welt.

"Die Dinge in den Staaten werden immer schlimmer", sagte sie. Unter anderem befürchtet sie, dort ohne medizinische Versorgung festsitzen.

Viele Fragen seien offen: "Wird man Reiseprobleme haben und 15 Stunden lang im Flugzeug sitzen? Muss man über drei oder vier Flughäfen fliegen, weil die Flüge begrenzt sind? Und wie sieht die Quarantäne aus?"

Langfristige Auswirkungen

Familientrennungen sind meist nur vorübergehend, doch die künftigen transatlantischen Beziehungen könnten sich durch das Einreiseverbot langfristig verändern.

"Amerikaner, die einen Umzug nach Europa oder an andere Orte in Übersee erwägen, ziehen dies möglicherweise nicht durch, weil sie befürchten, dass unterbrochene Reisen und erzwungene Trennungen zu einer inakzeptablen 'neuen Normalität' werden", sagte William Jordan, Präsident der in Paris ansässigen Association of Americans Resident Overseas (AARO), gegenüber Euronews.

"Einige Amerikaner, die in Europa leben, könnten in ähnlicher Weise beschließen, wieder in die USA umzuziehen", fügte er hinzu.

COVID-19 und der Arbeitsmarkt

Als Marketingberaterin haben die Reisebeschränkungen auch Manos Arbeit beeinträchtigt.

"Ich arbeite außerhalb der USA, aber natürlich gehen viele meiner Geschäftskontakte und beruflichen Aktivitäten langsam ein", sagte sie.

Während die Weltwirtschaft nach Angaben des Internationalen Währungsfonds mit dem größten Einbruch seit 90 Jahren rechnet, haben die Unternehmen den vollen Schlag zu spüren bekommen.

Zwar haben viele Online-Lösungen eingeführt, um Geschäftsreisen zu ersetzen, doch langfristig Auswirkungen lassen sich oft nicht verhindern.

"Die transatlantische Rekrutierung kam aufgrund logistischer Probleme (z.B. Umzugseffekte), der abschreckenden Wirkung, die sich aus der Tatsache ergibt, dass es nicht leicht ist, sich für persönliche Reisen zu bewegen (z.B. um Verwandte zu besuchen), zum Stillstand zudem werden Arbeitsvisa nicht mehr so leicht ausgestellt", sagte Jordan.

"Die jüngste Erklärung des US-Präsidenten, mit der viele Kategorien von Arbeitsvisa ausgesetzt wurden, ist ein gutes Beispiel dafür, was zu erwarten ist", fügte er hinzu.

Elaine Thompson/AP
Ein Paar hält Hände an der Grenze zwischen USA und Kanada: Auch viele transatlantischen Beziehungen werden mit der Pandemie auf die Probe gestellt.Elaine Thompson/AP

'Amerikaner nicht willkommen'?

Die Reise- und Tourismusbranche ist von der Pandemie mit am stärksten betroffen. Fluggesellschaften haben nach Angaben des Internationalen Luftverkehrsverbandes (IATA) das schlimmste Jahr ihrer Geschichte erlebt.

"Ich denke, in Wirklichkeit handelt es sich um eine minimale Nachfrage auf kurze Sicht", sagte Tom Jenkins, CEO der European Tourism Association (ETOA), gegenüber Euronews.

Das Verbot könne transatlantische Reisen nachhaltig beeinträchtigen.

"Was besorgniserregend ist, ist die Botschaft, die damit verbreitet wird, dass Amerikaner im Moment nicht willkommen sind, was mit einer sechswöchigen Urlaubszeit bis zur Hochsaison zusammenfällt", warnte er.

Die Hochsaison für Reisen aus den USA beginne am 1. September, um den Tag der Arbeit herum.

Es liegen noch viele Buchungen von Amerikanern vor, die ihre Pläne vor März gemacht haben und einen Urlaub in der Hochsaison nach Europa gebucht haben, sagte Jenkins.

"Diese [Buchungen] sind immer noch da, wenn die Reisebeschränkungen nicht innerhalb von zwei Wochen aufgehoben werden, wird es in der Hochsaison viele Stornierungen geben, was sehr verheerend wäre."