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Kuriose Filmempfehlung: Wie Präsident Selenskyj die Geiseln in der Ukraine befreite

Selenskj sprach mit dem Geiselnehmer in Luzk per Telefon - der Mann hatte einen Passagierbus unter seine Kontrolle gebracht.
Selenskj sprach mit dem Geiselnehmer in Luzk per Telefon - der Mann hatte einen Passagierbus unter seine Kontrolle gebracht.   -   Copyright  AP Photo
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Der ukrainische Präsident verteidigt, dass er der ungewöhnlichen Bedingung eines bewaffneten Mannes für die Befreiung der Geiseln aus dem gekidnappten Bus nachgekommen ist.

Wolodymyr Seleskyj hatte zuvor auf Facebook ein Video veröffentlicht, in dem er den Dokumentarfilm "Earthlings" über die Ausbeutung von Tieren empfiehlt.

Die Aufnahme des Videos war eine der Forderungen des Mannes, der am Dienstag 13 Passagieren eines Linienbusses in der westukrainischen Stadt Luzk als Geiseln genommen hatte.

Seleskyj hat das Video inzwischen entfernt. In einer Erklärung beschrieb er seine Verhandlungen mit dem Mann, der später die 13 Personen freiließ, die er den größten Teil des Tages gegen ihren Willen festgehalten hatte.

"Wir haben ein Ergebnis: Alle sind am Leben", sagte er, nachdem ihn einige dafür kritisiert hatten, dass er die seltsame Bitte erfüllt hatte.

Der Präsident erklärte, dass er und der Geiselnehmer, ein Mann, der von der Polizei als Maxime Kriwotsch identifiziert wurde, vereinbart hatten, dass er "drei Personen freilassen werde, und dann würde ich das Video aufnehmen".

Drei der Geiseln - ein Kind, eine schwangere Frau und eine ältere Frau - wurden eine halbe Stunde früher als der Rest der Gruppe freigelassen.

Nachdem das Video von Wolodymyr Seleskyj veröffentlicht worden war, ließ der Geiselnehmer die übrigen Geiseln frei und wurde verhaftet.

"Er ist der Forderung nachgekommen?", wunderte sich ein Twitter-Nutzer später. "Ich liebe die Arbeit von Herrn Phoenix (Anm. d. Red. der Schauspieler Joaquin Phoenix ist Sprecher in dem Film Earthlings) und mich interessiert die Dokumentation, aber dieser Forderung nachzukommen, motiviert andere, es ihm gleichzutun".

Es wurde kritisiert, dass sich der Präsident den Forderungen des Bewaffneten gebeugt habe, wobei in einigen Fällen auf eine Episode der Netflix-Serie "Black Mirror" Bezug genommen wird, in der der britische Premierminister eine Bedingung erfüllt, die von einem Mann gestellt wurde, der ein Mitglied der königlichen Familie als Geisel hält.

Ein anderer ukrainischer Facebook-Nutzer sagte, der Präsident habe für das Video einen Oscar verdient, fügte aber hinzu: "Es ist schade, dass solche Videos nicht einen Militärarzt aus der Grauzone (im Osten der Ukraine), einen Tanker aus dem Schwarzen Meer, den Wechselkurs der Griwna (ukrainische Währung) aus dem Abgrund ziehen, die Überschwemmungen in den Karpaten und die Brände in der Region Luhansk nicht stoppen ...".

Погодьтеся! Це ГЕНІАЛЬНО!!!! Це Оскар!!! Як шкода, що такими відосіками не витягти військового медика з сірої зони,...

Publiée par Журавель Юрій Zhuravel Yuriy sur Mardi 21 juillet 2020

Der stellvertretende Minister im ukrainischen Innenministerium, Anton Heraschtschenko, lobte das Vorgehen des Präsidenten.

"Der Präsident hat alles richtig gemacht. Das Wertvollste, was wir haben, ist das Leben der Menschen. Andere Aktionen hätten zu einer unkontrollierten terroristischen Aggression führen können", sagte er bei einem Auftritt im ukrainischen Fernsehen.

Nach Angaben des ukrainischen Sicherheitsdiensts (SBU) wurden bei dem Zwischenfall, bei dem Kriwotsch mit der Zündung einer Bombe drohte, keine Geiseln verletzt.

Ihm drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis wegen Terrorismus und Geiselnahme.