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Tour de France 2020: Was passiert bei Corona-Fällen?

Start der Tour de France in Nizza
Start der Tour de France in Nizza   -   Copyright  Christophe Ena/AP Photo
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Die 107. Tour de France - sie steht ganz im Zeichen von Corona. Gleich der Auftakt am Samstag in Südfrankreich bereitet dem Tour-Tross große Sorgen: Die Region an der Côte d'Azur ist seit Donnerstag wegen der stark ansteigenden Infektionszahlen zur "Roten Zone" erklärt worden. Start und Ziel der ersten beiden Etappe ist Nizza.

Zumindest für diese ersten beiden Tage wurden die Maßnahmen verschärft. Statt der maximal 5000 Zuschauer im Start- und Zielbereich sollen nur noch einige Dutzend Personen erlaubt sein. Ein Tour-Start "fast hinter verschlossenen Türen", so bezeichnete es Bernard Gonzalez, der Präfekt der Alpes-Maritimes-Region.

Zur Vorstellung aller Teams am Place Masséna in Nizza kamen nur weniger als die erlaubten 1000 Zuschauer.

Bei den meisten Rennen, bei denen wir an den Start gehen, vor allem bei den World Tour-Rennen, muss man zwei Coronatests durchführen, sechs und drei Tage vor dem Start. Also mindestens zwei Tests pro Woche.
Es wird das Maximum für die Sicherheit aller getan. Bei der Vorstellung der Tour hat man das Gefühl, dass es nicht so ist wie sonst. Es ist etwas Besonderes, die Umstände sind anders, damit müssen wir klarkommen.
Oliver Naesen
Team AG2R La Mondiale

Erste Corona-Fälle

Für die 176 Fahrer ist es eine Reise ins Ungewisse: Ob die Tour tatsächlich nach 3484 Kilometern die Hauptstadt Paris, für die es laut Robert-Koch-Institut auch eine Reisewarnung gibt, erreichen wird, ist mehr als fraglich. Die Infektionszahlen im Land steigen seit Tagen rapide an.

Das Reglement sieht vor, dass bei mindestens zwei positiven Corona-Tests von Fahrern einer Mannschaft, innerhalb von sieben Tagen, der gesamte Rennstall ausgeschlossen wird. Damit zählt nicht mehr das direkte Umfeld wie Physiotherapeuten, Busfahrer oder Team-Offizielle dazu, wie die französische Sportzeitung "L'Equipe" berichtete. Der Veranstalter hat offenbar eingesehen, dass sonst womöglich nur noch eine kleine Gruppe von Fahrern hätte das Rennen zu Ende fahren können.

Am Donnerstag gab es beim belgischen Rennstall Lotto-Soudal zwei "nicht-negative" Fälle. Die zwei Betreuer wurden wie ihre zwei Zimmerkollegen nach Hause geschickt. Es bleibt zu befürchten, dass es nicht die letzten Fälle sind.

Wer schlüpft ins Gelbe Trikot?

Die Topfavoriten auf den Toursieg sind Ineos-Kapitän und Vorjahressieger Egan Bernal aus Kolumbien und Vuelta-Champion Primoz Roglic. Der Titelverteidiger hat bereits die Favoritenrolle dem Ex-Skispringer aus Slowenien zugeschoben. "Er war bei den letzten Rennen der Stärkste. Er ist geflogen", sagt Bernal und verweist auch auf dessen starkes Jumbo-Visma-Team, dem auch der deutsche Zeitfahrspezialist Tony Martin angehört. "Wir sind uns der Sache nicht zu sicher. Aber man kann auch nicht tiefstapeln und sagen: 'Ineos ist der Topfavorit.' Die Rolle haben wir uns in den letzten Wochen ganz klar erfahren", sagt Martin.

Ob Deutschlands Tourhoffnung Emanuel Buchmann vorne mit eingreifen kann, wird sich erst noch zeigen. Der Kletterspezialist geht nach dem Sturz bei der Dauphiné-Rundfahrt nicht optimal vorbereitet auf die große Schleife.

Frankreich wartet seit 1985 auf Toursieg

Die Franzosen hoffen auf Thibaut Pinot. Für ihn wäre im vergangenen Jahr der Tour-Sieg schon drin gewesen, hätte ihn nicht ein Muskelfaserriss im Oberschenkel zur Aufgabe gezwungen. Klappt es diesmal mit dem ersten französischen Sieg seit Bernard Hinault vor 35 Jahren?

Die Strecke kommt den Bergspezialisten entgegen. Schon am zweiten Tag geht es ins Hochgebirge. Danach warten noch vier Bergankünfte auf die Fahrer. Die Entscheidung dürfte am vorletzten Tag beim Bergzeitfahren in La Planche des Belles Filles fallen - wenn es die Tour bis dahin schafft.