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"Verbrechen am Fluss": Belgrader Abwässer landen ungefiltert in der Donau

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Fischer auf der Donau in Belgrad
Fischer auf der Donau in Belgrad   -   Copyright  Darko Vojinovic/AP
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Schmutzwasser direkt in die Donau

Ein LKW mit Abwasser auf dem Weg zur Donau. Vor den Toren der serbischen Hauptstadt Belgrad wird die Ladung ungefiltert in den Fluss gekippt. Das Prozedere ist alles andere als geheim. So macht man das beim EU-Beitrittskandidaten Serbien ganz offiziell.

Die Leidtragenden sind neben dem Fluss und den Pflanzen und Tiere, die in dem Wasser leben, auch die Fischer, die hier ihren Lebensunterhalt verdienen.

Wir haben unsere ganzen Flüsse umgebracht, und jetzt bringen wir auch den hier um.
Mladen Jovic
Donaufischer

Mladen Jovic ist einer von ihnen. Er sagt: "Wir haben unsere ganzen Flüsse umgebracht, und jetzt bringen wir auch den hier um. Die Donau ist ein starker und mächtiger Fluss, der einiges an Verschmutzung aushält, aber jetzt ist es zu viel. Früher gab es hier ein Ufer und das Wasser floss richtig. Davon ist nichts übrig. Jetzt ist die Donau noch drei Meter tief, früher waren es 20 Meter."

Rund ein Drittel der 1,6-Millionen-Einwohner-Stadt Belgrad hat keine Kanalisation. Die Fäkalien landen in Klärgruben, die dann von LKW abgesaugt werden. Pro Jahr landen so rund 190 Millionen Kubikmeter Abwasser in der Donau.

"Kritische Belastung" mit Kolibakterien

2019 stellte eine Gruppe österreichischer Wissenschaftler eine "kritische" Belastung mit Kolibakterien im serbischen Abschnitt der Donau fest.

Der Chemiker Bozo Dalmacija erklärte gegenüber der AFP hingegen, alles in allem gelinge es dem Fluss, sich selbst zu reinigen. Die meiste Zeit des Jahres über liege die Belastung mit Bakterien unter der Grenze von 500 Mikrogramm pro Milliliter.

Belgrads Vizebürgermeister Goran Vesic nennt diese Art der Abwasser-Entsorgung indes ein Verbrechen am Fluss. Er will ein richtiges System zur Abwasseraufbereitung einrichten. Eine der größten Hürden für den EU-Beitritt, den das Land 2025 vollziehen könnte, ist die schlechte Umweltbilanz.