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"Nicht zielgerichtet, nicht effektiv": es hagelt Kritik am Beherbergungsverbot

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Maskenpflicht auf dem Viktualienmarkt in München, 24.9.2020
Maskenpflicht auf dem Viktualienmarkt in München, 24.9.2020   -   Copyright  Matthias Schrader/AP
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Nach Berlin, Frankfurt am Main, Bremen und Köln klappt nun auch München wegen steigender Corona-Infektionszahlen die Bordsteine hoch: so gilt ab Mittwoch (27.Oktober) ein Alkoholausschank-Verbot in der Nacht (nach 22 Uhr), eine Maskenpflicht in der Fußgängerzone und eine Einschränkung von Kontakten. Treffen dürfen sich demnach nur noch Angehörige zweier Haushalte - oder maximal fünf Personen, auch im Restaurant. Die höchstzulässige Zahl auf Privatfeiern wird auf 25 begrenzt. In München hatte es in den vergangenen sieben Tagen 50,6 neue Corona-Fälle auf 100.000 Einwohner gegeben.

Auch in Bayern gilt das umstrittene Beherbungsverbot. Reisende aus innerdeutschen Corona-Hospots dürfen seit vergangenem Donnerstag nicht mehr in Hotels des Freistaates übernachten, es sei denn sie können einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Die Kritik am sogenannten Beherbergungsverbot wird unterdessen immer lauter. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat bereits angekündigt, dass er das Thema an diesem Mittwoch bei der Ministerpräsidentenkonferenz mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Sprache bringen wird.

Gegenüber dem Tagesspiegel erklärte er: "Das ist weder zielführend, noch erklärbar und schafft vor allem eins: Verwirrung und Unverständnis". Genauso wie die Beherbungsverbote für Berliner in Brandenburg. Dazu erklärte Müller in der Fernseh-Sendung "Berlin direkt": "Wir haben Hunderttausende Pendler jeden Tag, die begegnen sich im Einzelhandel, im Nahverkehr, auf der Arbeit - und dann darf ein Berliner aber zwei Tage nicht im Spreewald übernachten, das macht alles keinen Sinn."

Ähnlich äußerte sich auch Leipzigs Oberbürgermeister und Präsident des Deutschen Städtetages, Burkhard Jung. Gegenüber der Funke-Mediengruppe erklärte er, dass es keine Hinweise darauf gebe, dass Hotels oder der öffentliche Nahverkehr Corona-Hotspots seien.

Der Chef des Kanzleramtes Helge Braun hingegen verteidigte das Beherbungsverbot. Oberste Priorität sei das "Weiterlaufen der Wirtschafft" und das "Offenhalten der Schulen". Um Infektionsketten zu durchbrechen müsse man beim Feiern und Reisen etwas strenger sein, in der ARD sprach er von einer "echten Notfallmaßnahme".

SPD-Gesundheitspoltiker Karl Lauterbach hat sich ebenfalls gegen das Beherbungsverbot ausgesprochen. Die Maßnahme wirke wie eine "Gängelei der Menschen", zudem riskiere man, die Unterstützung in der Bevölkerung zu verlieren.

Auch Mediziner sind vom Beherbungsverbot nicht uneingeschränkt überzeugt. Virologe Jonas Schmidt-Chanasit erklärte gegenüber der Tagesschau, dass die Durch- und Umsetzung der derzeitigen Restriktionen zum Beispiel beim Feiern für sinnvoller halte. Das Beherbergungsverbot bezeichnete er als "nicht zielgerichtet, nicht effektiv und letztendlich realitätsfremd." Kontrollen der Kontaktlisten und "ob sich alle an die Regeln halten" seien aus seiner Sicht zielführender.

Das sieht auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder so. Er plädierte für härtere Strafen und ein einheitliches Bußgeld im Falle von Verstößen gegen die Corona-Maßnahmen. So will er 250 Euro Bußgeld für Maskenverweigerer einführen, bei "Wiederholungstätern" sogar 500 Euro.