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IEA-Bericht: Corona-Krise ist Chance "die Zukunft der Energie neu zu gestalten"

Kohlekraftwerk neben einem Windrad in Gelsenkirchen, Deutschland
Kohlekraftwerk neben einem Windrad in Gelsenkirchen, Deutschland   -   Copyright  Martin MEissner/AP
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Die Corona-Pandemie könnte dafür sorgen, "die Zukunft der Energie neu zu gestalten", hat die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem jährlichen Prognosebericht.

Schon jetzt habe die Pandemie mehr Unruhe in im Energiesektor verursacht als jedes andere Ereignis in der jüngeren Geschichte, fügte sie hinzu.

Regierungen müssen entscheidende Weichen stellen

Die in Paris ansässige Agentur entwarf verschiedene Szenarien für den weltweiten Energiebedarf in den kommenden Jahrzehnten und erklärte auch, dass Regierungen und Investoren entscheidende Weichen bezüglich der Energie stellen müssen, um dem Klimawandel zu begegnen.

Die Corona-Krise sei ein "gewaltiger Schock für das System". Die Agentur geht davon aus, dass die Kohlenstoff-Emissionen bis Ende 2020 um 7 Prozent und die weltweite Energienachfrage im gesamten Jahr 2020 um schätzungsweise 5 Prozent zurückgehen werden.

Diesen Trend bestätigt auch das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) am Mittwoch. Im ersten Halbjahr 2020 seien insgesamt 1,6 Milliarden Tonnen weniger CO2 in die Atmosphäre gepustet worden als im Vorjahreszeitraum - insgesamt spricht das PIK schon jetzt von 8,8 Prozent. Der Emissions-Rückgang korreliert dabei mit den Lockdowns in den einzelnen Ländern, schreibt Hauptautor Zhu Liu von der Tsinghua-Universität Peking un Fachblatt "Nature Communications".

"Trotz eines Rekordrückgangs der globalen Emissionen in diesem Jahr ist die Welt weit davon entfernt, genug zu tun, um sie entscheidend zu senken. Der wirtschaftliche Abschwung hat die Emissionen vorübergehend gedrückt, aber ein niedriges Wirtschaftswachstum ist keine Niedrig-Emissions-Strategie - es ist eine Strategie, die nur dazu dienen würde, die weltweit am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen weiter verarmen zu lassen", erklärte Dr. Fatih Birol, der Direktor der IEA.

"Nur schnellere strukturelle Veränderungen in der Art und Weise, wie wir Energie produzieren und verbrauchen, können den Emissionstrend brechen", fügt er hinzu

Um das ehrgeizige Ziel bis 2050 die CO2-Emissionen auf Null herabzuschrauben zu erreichen, müsste es "in den nächsten zehn Jahren eine Reihe einschneidender, zusätzlicher Maßnahmen geben", so die IEA in ihrem Bericht. Bliebe man bei der bestehenden Infrastruktur, wüden viele Klimaziele verfehlt.

Nichtsdestotrotz habe die COVID-19-Pandemie bereits zu einigen Veränderungen geführt, wobei die erneuerbaren Energien die einzige Energiequelle sein dürfte, die 2020 weiter gewachsen ist.

Solar-Energie wird zum "neuen König der Elektrizität"

In den nächsten zehn Jahren wird die Solarenergie zum "neuen König der Elektrizität" aussteigen, berichtet die IEA. Solarprojekte gehören derzeit zu den kostengünstigsten Energieprojekten.

In einem möglichen Szenario für Energieprojekte - das davon ausgeht, dass die Corona-Krise 2021 unter Kontrolle gebracht wird und die Wirtschaft auf Vorkrisen-Niveau steigt - könnten erneuerbare Energien bis 2030 immer noch 80 Prozent des weltweiten Strombedarfs decken, selbst bei steigendem Bedarf.

"Die Wasserkraft bleibt die größte erneuerbare Stromquelle, aber die Solarenergie ist der wichtigste Wachstumsmotor, da sie nach 2022 jedes Jahr neue Rekordzahlen beim Stromvertrieb erreicht, gefolgt von der Onshore- und Offshore-Windenergie", prognostiziert der IEA-Bericht.

Eine Gefahr bei der Umstellung auf erneuerbare Energie stellten jedoch veraltete Stromnetze dar. Sie die Versorgung beeinträchtigen könnte.

The phasing out of coal, rise in renewable energy, and natural gas competition will contribute to the retirement of 13% of 2019's coal-fired capacity by 2025, the IEA says.

Demand for oil, in the meantime, will likely not see a rapid decline even as demand for it "flattens out in the 2030s."

Kohlenachfrage wird einbrechen, aber kein "schneller Einbruch" beim Öl

Die Corona-Krise fungiert auch als Katalysator für den Niedergang der Kohle. Die Energieagentur erklärte, dass die Kohlenachfrage wahrscheinlich nicht wieder auf das Vorkrisen-Niveau zurückgehen wird. Sie schätzt, dass sie bis 2040 weniger als 20 Prozent des globalen Energiemixes ausmachen wird.

Das Auslaufen der Kohleverstromung, die Zunahme erneuerbarer Energien und die Konkurrenz durch Erdgas werden laut IEA dazu beitragen, dass bis 2025 13 Prozent der kohlebetriebenen Kraftwerkskapazitäten des Jahres 2019 stillgelegt werden, so die IEA.

Dagegen werde die Nachfrage nach Öl wahrscheinlich nicht so rasch sinken, selbst wenn die Nachfrage nach dem Rohstoff "in den 2030er Jahren abflacht".

"Verhaltensänderungen als Folge der Pandemie gehen in zwei verschiedene Richtungen. Je länger die Unterbrechung andauert, desto stärker werden einige Veränderungen, die sich auf den Ölverbrauch auswirken, wie beispielsweis das Arbeiten im Homeoffice oder die Vermeidung von Flugreisen", so der IEA-Bericht.

Allerdings wirken sich nicht alle Veränderungen im Verbraucherverhalten nachteilig auf den Öl-Verbrauch aus.

Das bedeutet, dass zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden müssten, um den Rohstoff schrittweise auslaufen zu lassen. Die Prognose für Erdgas ist besser als für andere fossile Brennstoffe, wobei die Nachfrage in Süd- und Ostasien bis 2040 um 30 Prozent steigen wird.

"Die Ära des globalen Wachstums der Ölnachfrage wird im nächsten Jahrzehnt zu Ende gehen", sagte Dr. Birol in einer Erklärung.

"Aber ohne große Veränderungen in der Politik der Regierungen gibt es keine Anzeichen für einen raschen Rückgang. Ausgehend von den heutigen politischen Rahmenbedingungen würde ein globaler wirtschaftlicher Aufschwung die Öl-Nachfrage bald wieder auf das Niveau vor der Krise zurückbringen."