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Atomkraft: Frankreich will seine Altmeiler 50 Jahre laufen lassen

Von Euronews mit dpa, AFP
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In Frankreich sollen die ältesten AKWs 10 Jahre länger als bisher laufen.
In Frankreich sollen die ältesten AKWs 10 Jahre länger als bisher laufen.   -   Copyright  Jean-Francois Badias/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved
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Während Deutschland aus der Atomenergie aussteigt, hat Frankreichs Atomaufsicht den Weg für eine Laufzeitverlängerung seiner ältesten AKW von 40 auf 50 Jahre frei gemacht. Nachbarn wie der Schweizer Kanton Genf klagen gegen die Altmeiler.

Die französische Atomaufsicht Autorité de sûreté nucléaire (ASN) gab die künftige Verlängerung der Betriebslaufzeit in einer Stellungnahme am Donnerstag bekannt. Zur Bedingung machte die Behörde eine Reihe von Reparaturen, um Nuklearunfälle bei den 32 ältesten Reaktoren zu verhindern. Die mehrheitlich staatliche Betreibergesellschaft Electricité de France (EDF) solle Verbesserungen bei der Sicherheit durchzuführen. Die französische Regierung hatte sich bereits im April 2020 für die Laufzeitverlängerung ausgesprochen.

Reparaturen an 32 Meilern, um Nuklearunfälle zu verhindern

Bei den betroffenen Reaktoren handelt es sich um die sogenannte 900-MW-Baureihe der französischen Atomkraftwerke, die hauptsächlich in den 1980er in Betrieb genommen worden sind. Sie haben teilweise bereits eine Betriebslaufzeit von 40 Jahren erreicht. Nach Angaben von Greenpeace hätten 13 der Altreaktoren das Höchstalter von 40 Jahren bereits überschritten.

Frankreich ist von der Atomkraft so abhängig wie kaum ein anderes Land weltweit: Rund 70 bis 75 Prozent seines Stroms kommen aus Kernkraft. Das Land will diesen Anteil bis 2035 auf 50 Prozent reduzieren, um mehr Platz für erneuerbare Energien zu schaffen.

Greenpeace fordert die Abschaltung von Meilern vor ihrem 40. Laufjahr

Alle zehn Jahre ist in Frankreich eine Sicherheitsüberprüfung der Meiler vorgeschrieben, um ihren weiteren Betrieb zu bewerten. EDF und die französische Atomaufsicht sind der Ansicht, dass bei entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen und Reparaturen ein Weiterbetrieb dieser Reaktoren in den zehn Jahren nach ihrer vierten Überprüfung möglich ist. Die Besonderheiten der einzelnen Anlagen würden dabei berücksichtigt.

Die Verlängerung betrifft unter anderen das Atomkraftwerk Bugey östlich von Lyon, das seit Ende der Siebzigerjahre in Betrieb ist. Betroffen sind auch die Reaktoren in Dampierre südlich von Paris und Tricastin nördlich von Avignon, die seit Anfang der Achtzigerjahre Strom produzieren. Die Umweltorganisation Greenpeace fordert, dass die Reaktoren vor ihrem 40. Laufjahr abgeschaltet werden.

Genf klagt gegen Weiterbetrieb des Meilers Bugey bei Lyon

Der Kanton und die Stadt Genf haben Berufung gegen ein Urteil des Pariser Gerichtshofs eingelegt, wonach keine Untersuchung gegen das Kernkraftwerk Bugey bei Lyon eingeleitet wird. Genf hatte im Januar 2019 eine Beschwerde über das Kraftwerk eingereicht.

Der Kanton und die Stadt Genf wehren sich bereits seit 2016 gegen den Betrieb das Kernkraftwerks Bugey und ein Lager für radioaktive Abfälle am Standort des Meilers im französischen Departement Ain. Damals hatte Genf angesichts des Risikos, das vom Kernkraftwerk Bugey ausgeht, eine Klage eingereicht. Insbesondere wegen vorsätzlicher Gefährdung des Lebens anderer und Wasserverschmutzung. Das AKW ist rund 70 Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt.

Im Juli 2017 hatte die Staatsanwaltschaft in Paris entscheiden, das Verfahren einzustellen. Für die französische Justiz waren die Fakten nicht ausreichend. 2018 reichten die Genfer Behörden erneut eine Klage ein. 2019 wurde in Paris eine Beschwerde mit einem Antrag auf Einleitung einer Untersuchung durch einen Untersuchungsrichter eingereicht.

Die vier Reaktoren des AKW Bugey sind zwischen 1978 und 1979 in Betrieb gegangen. Sie sind wegen ihrer Lage in einem von Erdbeben gefährdeten Gebiet und in der Nachbarschaft von gefährlichen Industriebetrieben in der Schweiz und in Frankreich umstritten.

Das elsässische Atomkraftwerk Fessenheim, in unmittelbarer Nähe zur deutschen Grenze galt jahrzehntelang als Sicherheitsrisiko. Im Sommer 2020 war es endgültig vom Netz gegangen.