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Schlemmen ohne Maske: Polizei untersucht Vorwürfe geheimer Dinnerpartys in Paris

Dinner
Dinner   -   Copyright  Jay Wennigton / Unsplash
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In Frankreich hat die Polizei eine Untersuchung wegen mutmaßlicher "geheimer" Pariser Dinner in High-End-Etablissements eingeleitet, an denen wohlhabende Gäste und möglicherweise Minister teilgenommen haben sollen.

Über die Existenz solch vornehmer Abendessen war zuerst vom privaten Fernsehsender M6 Info in Frankreich berichtet worden. Mit einer versteckten Kamera mischte sich das Team unter die betuchten Gäste, die den Abend mit Kaviar und Champagner ausklingen ließen. Der Sender berichtete, dass die Adresse für derartige Events nur exklusiven Kreisen bekannt war.

Die ließen sich den Gaumenschmaus ordentlich was kosten: die Preise für verschiedene Menüs lagen zwischen 160 und 490 Euro, wie M6 Info berichtet.

"Sobald Sie durch die Tür sind, gibt es kein Covid mehr", heißt es im von M6 Info veröffentlichten Video. Weder Kellner noch Gäste halten sich an die derzeit vorgeschriebenen Corona-Regeln, und auch die Begrüßung untereinander erfolgt wie in Frankreich üblich - mit Küsschen auf die Wange.

Das Video machte die Runde nachdem Frankreichs Präsident Emmanuel Macron den dritten Lockdown für das gesamte Land angekündigt hat, nachdem Frankreichs Krankenhäuser und Intensivstationen am Anschlag sind. Restaurants und Cafés sind ohnehin seit Oktober Corona-bedingt geschlossen.

Nach dem Bekanntwerden des Videos hat die Pariser Staatsanwaltschaft nun eine Untersuchung wegen der "Gefährdung des Lebens Anderer" und wegen "Schwarzarbeit" eingeleitet. Es soll nun überprüft werden, "ob Abendessen und Partys unter Missachtung der Gesundheitsvorschriften organisiert wurden und zu ermitteln, wer die möglichen Organisatoren und Teilnehmer waren", zitiert der Guardian den Pariser Staatsanwalt Rémy Heitz.

Eine vom Sender M6 Info interviewte Quelle, deren Identität nicht bekannt ist - und deren Stimme verzerrt ausgestrahlt wurde, bestätigte gegenüber dem Sender, dass derartige Dinnerpartys stattgefunden hätten. Auch seien Minister der französischen Regierung unter den anwesenden Gästen gewesen.

Später wurde die Person als Pierre-Jean Chalençon entlarvt, ein früherer Fernsehmoderator und Betreiber des Palais Vivienne in Paris, einem luxuriösen Veranstaltungsort.

In einer Erklärung, die Chalençons Anwalt der Nachrichtenagentur AFP zukommen ließ, gab Chalençon implizit zu, dass er die Quelle war, allerdings distanzierte er sich von der Aussage, dass Minister den Luxus-Dinners beigewohnt hätten. Es habe sich bei dieser Aussage um einen Scherz gehandelt.

Die auf Twitter geteilte Reportage löste einen regelrechten "Shitstorm" aus. Unter dem Hashtag #OnVeutLesNoms (Wir wollen die Namen) spekulierten Internet-Nutzer, wer möglicherweise an den Abendessen teilgenommen hat.

Reaktionen gab es auch aus Regierungskreisen. Frankreichs stellvertretende Innenministerin Marlène Schiappa erklärte im Fernsehen, wenn Minister oder Abgeordnete an geheimen Abendessen teilgenommen hätten, sollten sie "wie jeder andere Bürger bestraft werden".

Bruno Le Maire, französischer Wirtschaftsminister sagte unter anderem: "Wenn Minister gegen die Regeln verstoßen haben, müssen sie bestraft werden, wie jeder andere auch." Er fügte hinzu: "Wenn dieser Gastronom so gut informiert ist, soll er Namen nennen."

"Es gibt nicht zwei Arten von Bürgern - diejenigen, die das Recht haben, zu feiern und diejenigen, die es nicht tun", kommentierte Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin. Jede:r, der an einem derartigen Abendessen teilgenommen habe, solle strafrechtlich verfolgt werden.

Neben einem Bußgeld dafür, gegen die Maskenpflicht verstoßen zu haben, könnten die Teilnehmer:innen auch mit einer Geldstrafe gegen Verstöße der nächtlichen Ausgangssperre zwischen 19 und 6 Uhr belangt werden. Im Verhältnis zu den Menü-Preisen der Dinner dürfte diese allerdings eher geringfügig erscheinen.

Weitere Quellen • Guardian