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Neue Gewalt droht in Nordirland

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Neue Gewalt droht in Nordirland
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Nordirland ist ein geteiltes Land, zumindest in den Herzen. Die einen schlagen für Irland, die anderen für das, was manche Nordiren, die Loyalisten, das britische Mutterland nennen.

Wenn auch ein knappes halbes Jahrhundert her, unvergessen sind die blutigen Auseinandersetzungen, bei denen Iren als auch britische Soldaten starben.

Jedes Jahr gedenken londontreue Nordiren ihrer Toten, bereiten sich loyalistische Bands auf ihre traditionellen Sommermärsche vor. In den letzten Jahren liefen sie relativ unproblematisch ab, aber nun ist die Stimmung nach dem vollzogenen Brexit sehr angespannt.

Die Stimmung ist am Siedepunkt. Wäre da nicht Covid, es gäbe definitiv Gewalt in noch größeren Ausmaß in den Straßen, mehr als in den vergangenen Wochen. Ganz Nordirland hat fünf Jahrzehnte lang unter dem Terrorismus gelitten. Gewalt funktioniert, und eben auch die Androhung von Gewalt. Mit diesem Argument, mit der Möglichkeit von Gewaltausbrüchen haben die EU und Dublin das Nordirlandprotokoll durchgesetzt. Sie haben im Grunde eine Grenze innerhalb Großbritanniens gezogen, die uns Nordiren vom Rest des Vereinigten Königreichs trennt.
Gary Leneghan
Shankill Protestant Boys Band

Zuletzt kam es in Shankill, einer Hochburg der britentreuen Nordiren, zu gewalttätigen Ausschreitungen. Sie protestierten gegen die Grenze in der Irischen See - eine Folge der Sonderregelung für Irland nach dem Brexit. Zorn entlädt sich schnell auf der Strasse. Mit den Impfungen wird es in den nächsten sechs Monaten wieder Normalität geben. Gary warnt, er sei sich sicher, "Wenn sich politisch bis dahin nichts getan hat, werden die Leute auf die Straße gehen , da bin ich mir sicher. Es wird ausufern und vielleicht unkontrollierbar werden, und das will niemand."

Dieser Teil Belfasts ist eine der sozial schwächsten Gegenden Nordirlands. Hier wird die britische Flagge hoch gehalten, hier haben sie das Gefühl, die irischen Nationalisten seien bei den Brexit-Verhandlungen gehört worden, sie aber nicht. Eine Menge Wut hat sich angestaut.

Ich denke, es gab eine Menge Unzufriedenheit darüber, wie der politische Prozess gelaufen ist. Die Aussicht, dass wir wirtschaftlich mit der Republik Irland vereint sind kommt bei den Leuten nicht gut an. Und diese Unionistenführer, was machen die eigentlich? Sprechen sie wirklich für uns? Wenn die Leute einem nicht zuhören, braucht man eben andere Mittel, um Aufmerksamkeit zu bekommen.
Glenn Millar
Sozialarbeiter in Shankill

euronews - Korrepondent Tadhg Enright ordnet ein:

"Nordirlands londontreue Loyalisten haben kein Monopol auf Armut oder Benachteiligung. Aber sie haben nicht ganz unrecht, wenn sie von mangelnder Teilhabe in der Politik sprechen. Die irischen Republikaner können sich auf ihre größte Partei, die Sinn Fein verlassen, die hier an der Regierung ist. Die britischen Loyalisten haben keinen Platz am Tisch."

Die ärmeren Gemeinden fühlen sich von der Politik nicht vertreten, auch nicht von ihrer DUP. Denn sie hat es nicht geschafft, das Zusatzprotokoll zu Nordirland in den Brexitverträgen zu verhindern, und das hassen sie, weil es ihr Nordirland ein Stückchen mehr von der britischen Insel trennt.

Die Frustration in Shankill wächst und wächst.