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Zwischen Grazien und Schandflecken: Warum Liverpool Unesco-Titel verlor

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Von Tadhg Enright mit Euronews
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Zwischen Tradition und Moderne. Ein Spagat, der in Liverpool nicht überall gelungen ist
Zwischen Tradition und Moderne. Ein Spagat, der in Liverpool nicht überall gelungen ist   -   Copyright  Euronews
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Die Unesco hat Liverpool die Auszeichnung als Welterbe aberkannt, was in der englischen Stadt auf Unverständnis gestoßen ist. Anlass für die Zurückstufung sind zahlreiche Bauprojekte, die das Stadtbild verändert haben.

Der Euronews-Korrespondent für Großbritannien, Tadhg Enright, hat sich in der Geburtsstadt der Beatles umgesehen und versucht, die Konsequenzen der Aberkennung einzuordnen: "Die englische Stadt Liverpool bereitet sich darauf vor, nach der Pandemie wieder Touristen willkommen zu heißen - begleitet allerdings vom Verlust eines begehrten Titels: Die Stadt wurde von der Liste der von der Unesco kuratierten Weltkulturerbestätten gestrichen. Die Kulturorganisation der Vereinten Nationen erklärte, dass der Bau neuer, moderner Gebäude den architektonischen Wert der viktorianischen Gebäude, für die Liverpool den Status erhielt, beeinträchtigt hat."

Die als "Die Drei Grazien" ("The Three Graces") bekannten Gebäude mit Blick auf den Fluss Mersey sind die bekanntesten Ikonen Liverpools.

In der jüngeren Geschichte sind nebenan drei hochmoderne Gebäude entstanden, die von Kritikern als die drei Schandflecke bezeichnet werden. Dieses Aufeinandertreffen von Alt und Neu ist einer der Gründe, warum die Unesco Liverpool den Status aberkannt hat. Die Entscheidung wurde ausführlich begründet:

Claire McColgan ist Kulturdirektorin im Stadtrat von Liverpool: "Liverpool ist eine internationale Marke; das war schon immer so, ob es nun um Fußball, Musik oder Kultur geht, es singt ein Lied in der ganzen Welt. 48 Prozent unserer Wirtschaft hängen am Tourismus. Das wird nicht aufhören. Wir haben gerade ein Kreuzfahrtschiff im Hafen. Liverpool ist eine Weltkulturerbestadt; schauen Sie sich an, wo wir gerade stehen. Tausende, Millionen von Menschen sind von diesen Docks aus in die ganze Welt gereist. Aber Liverpool muss auch wachsen."

UNESCO warnte bereits 2012

Der letzte Strohhalm lag weiter flussaufwärts. Dort wird eine Brachfläche gerade in ein neues, modernes Stadtviertel umgewandelt, in dem unter anderem ein neues Fußballstadion entstehen soll. Im Jahr 2012 warnte die Unesco, es würde die Integrität der Welterbestätte untergraben.

Henrietta Billings ist die Direktorin von "SAVE BRITAIN'S HERITAGE": "Es gibt echte Bedenken hinsichtlich der Verwaltung des Weltkulturerbes und der Bewirtschaftung der Stätte. Man muss auch sagen, dass es eine Menge guter Entwicklungen gegeben hat und dass dieses Gebiet eine Erneuerung braucht, es braucht Investitionen. Entscheidend ist jedoch, dass die neue Entwicklung das Bestehende respektiert und darauf aufbaut, anstatt es völlig zu überdecken."

Rückschlag nach 20 Jahren Aufschwung

Liverpool hat eine Renaissance erlebt. In den 80er Jahren waren die wirtschaftlichen Probleme so groß, dass die Regierung einen kontrollierten Niedergang der Stadt in Erwägung zog, sich dann aber doch für Investitionen entschied. Und jetzt gehe der Aufschwung weiter, meint der Lokalhistoriker Michael Parkinson: "In den vergangenen 20 Jahren haben wir diese Stadt tatsächlich neu gestaltet. Wir haben es mit dem Stadtzentrum geschafft, jetzt müssen wir es mit dem Norden Liverpools tun. Der ärmste Teil von Liverpool, der ärmste Teil Großbritanniens, der ärmste Teil Europas."

Die Attraktionen, die die Menschen nach Liverpool ziehen, sind immer noch da. Niemand kann die Tatsache auslöschen, dass die Beatles von hier stammen und ihren musikalischen Triumphzug durch die Welt starteten.

Tadhg Enright kommentierte abschließend: "Aber jetzt, wo die Unesco ihre Drohung von vor fast 10 Jahren wahrgemacht hat, sind Naturschützer besorgt, dass die Geschichte der Stadt weiter untergraben werden könnte, da sie nun keinen Status mehr zu verlieren hat."