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Kulturschätze, die verloren gehen, wenn wir die Klimakrise nicht angehen

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Von Juan Carlos De Santos Pascual
Stonehenge
Stonehenge   -   Copyright  ALISTAIR GRANT/1997

Viele Kulturschätze der Welt sind bedroht. "Das Erbe der Menschheit zu schützen bedeutet, die Menschheit selbst zu schützen, die Geschichte, die Kunst, die Schönheit", hatte Italiens Kulturminister Dario Franceschini erst kürzlich auf dem G20-Kulturministertreffen erklärt.

Allein Italien sind "mehr als zehn Welterbestätten durch den Anstieg des Meeresspiegels gefährdet", und die Gefahr von Überschwemmungen bedroht 15-20 Prozent der Kulturgüter des Landes, das die zweithöchste Dichte von Unesco-Stätten aufweist.

Anbei eine Auswahl von der Liste gefährdeter Welterbestätten, die verschwinden werden, wenn die Menschheit die Klimakrise nicht in den Griff bekommt.

Welche Schätze sind durch die Klimakrise gefährdet?

Die Unesco-Liste des gefährdeten Welterbes umfasst 52 Stätten, allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Im folgenden einige der Stätten, für die der Klimawandel besonders gefährlich werden könnte.

Venedig, Italien

Venedig ist ein deutliches Beispiel dafür, wie der Klimawandel einen der Juwelen der Menschheit zerstören kann. Die italienische Stadt wird durch den steigenden Meeresspiegel bedroht. Massentourismus und Kreuzfahrtschiffe haben ihr Übriges dazu beigetragen, dass die Lagune immer weiter ausgehöhlt wurde.

Die immer häufiger auftretenden Überschwemmungen verstärken die Erosion der Gebäude. Ein Mammut-Projekt, bei dem eine riesige Barriere, das MOSE-System, errichtet wurde, versucht, die Stadt zu retten, bevor sie unter Wasser steht. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf mehr als 6 Milliarden Euro.

Doch da der Meeresspiegel aufgrund schmelzender Gletscher weiter ansteigt, gehen die Prognosen davon aus, dass die Stadt bis zum Jahr 2100 versinken wird. Seit 1950 mehr als 100.000 Venezianer die Stadt verlassen.

Anteo Marinoni/LaPresse
Plaza San Marcos steht nach heftigen Regenfällen unter Wasser, 08.12.2020Anteo Marinoni/LaPresse

Osterinsel, Chile

Die kolossalen Steinfiguren sind eine der größten Open-Air-Attraktionen der Welt, doch ihr Erbe ist bedroht. Das Meer ist der Hauptfeind der Statuen, die dort zu finden sind. Die Wellen schlagen so stark gegen die Insel, dass man meinen könnte, es richtete sich gegen sie

Die "Moais", die allseits verehrte Ahnen darstellen, sind in Gefahr. Sie sind eines der unglaublichsten kulturellen Zeugnisse der Welt, und es scheint, dass der Klimawandel hier unaufhaltsam ist. Die Strukturen brechen immer wieder zusammen.

Die Figuren stammen alle aus der Zeit zwischen 1250 und 1500 n. Chr. Es wird erwartet, dass sie zunehmend beschädigt werden. Vier der für den Tourismus wichtigsten Orte - Tongariki, Hanga Roa, Tahai und Anakena - wurden kürzlich als die am stärksten von Wellenschäden bedrohten Orte ermittelt.

Mit einer Wohnbevölkerung von etwa 5.000 Menschen hängt die lokale Wirtschaft vom Tourismus ab, und etwa 60.000 Touristen besuchen die Insel jedes Jahr.

Karen Schwartz/AP
Steinstatuen in Rano Raraku, sogenannte "Moais", 08/2012Karen Schwartz/AP

Stonehenge, Großbritannien

Nach Angaben der Unesco könnte Stonehenge auf zunehmende Wetterextreme wie Stürme und Überschwemmungen empfindlich reagieren. Der Stonehenge-Komplex gehört zu den bemerkenswertesten steinzeitlichen Überresten der Welt. Er ist der architektonisch anspruchsvollste Steinkreis der Welt. Die Stätten sind 5.000 Jahre alt und die am besten erhaltene neolithische Siedlung in Nordeuropa.

In den meisten Teilen des Vereinigten Königreichs werden die Sommer heißer und trockener und die Winter viel wärmer und feuchter. Es gibt mehr Niederschläge, und der Meeresspiegel steigt an der britischen Küste.

Die größte Sorge für Stonehenge ist die Zunahme der Niederschlagsmengen, die Zunahme extremer Niederschlagsereignisse und die Gefahr häufiger Überschwemmungen. Sturzfluten können Schäden durch absinkende Gullys verursachen. Dreißig Kilometer entfernt traten kürzlich extreme Regenfälle den Fluss Kennet über die Ufer und verursachten Überschwemmungen in Avebury und Silbury Hill.

Tim Ireland/AP
StonehengeTim Ireland/AP

Chan Chan, Peru

Chan Chan ist die alte Hauptstadt des Chimu-Königreichs in Peru und hat eine Ausbreitung von 14 Quadratkilometern. Sie war die größte Lehmziegelstadt im präkolumbianischen Amerika. Bis zu ihrem Niedergang im 15. Jahrhundert lebten hier 40.000 Menschen. Seit sie 1986 zum Weltkulturerbe erklärt wurde, besuchen jedes Jahr mehr als 100.000 Tourist:innen die Stätte.

Aufgrund ihrer Fragilität sind die Ruinen von Chan Chan sehr anfällig für extreme Wetterphänomene, die mit vermehrtem Regenfällen, die die Lehmarchitektur zerstören, und dem Anstieg des Grundwasserspiegels in dem Gebiet zusammenhängen.

Im Februar 2010 hatten sintflutartige Regenfälle die peruanische Küste unterspült und mehrere fünfhundert Jahre alte Reliefs in Mitleidenschaft gezogen. Darüber hinaus leidet die gesamte Infrastruktur unter Problemen im Zusammenhang mit untauglichen Entwicklungsprojekten und Plünderungen. Probleme bereiten auch illegale Ansiedlungen.

Peru hat versucht, das Problem zu lösen, indem es schützende Dachabdeckungen anbrachte und dafür sorgte, dass die alten Abflusssysteme nicht durch Schutt verstopft wurden. Außerdem wurden in dem gesamten Gebiet Wetterbeobachtungsstationen eingerichtet.

Martin Mejia/AP
Chan Chan in PeruMartin Mejia/AP

Bagerhat, Bangladesch

Mit einer Fläche von mehr als 50 Quadratkilometern und 360 Gebäuden wurde die Stadt 1985 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Sie ist eine der wichtigsten Kultstätten in Bangladesch und beherbergt im Inneren Moscheen, Brücken, Straßen, Mausoleen. Der steigende Wasserspiegel hat jedoch dazu geführt, dass der Salzgehalt des Bodens zugenommen hat.

Der Mangel an sauberem Trinkwasser betrifft auch gefährdete Gemeinden auf den Inseln und in den Küstengebieten von Bangladesch. Durch einen Prozess der Ausblühung werden Salze an die Oberfläche poröser Materialien verdrängt und es bildet sich eine Schicht. Generell scheinen die Ausblühungen in Bagerhat zugenommen zu haben, aber die genaue Ausprägung dieser Dynamik ist nicht gut dokumentiert.

Bangladesch hat versucht, die Auswirkungen durch kosteneffiziente Maßnahmen abzumildern, indem es einen nationalen Anpassungsplan, die Einrichtung von Treuhandfonds für den Klimawandel und die Umsetzung innovativer gemeindebasierter Anpassungsstrategien umgesetzt hat.

Das Land untersucht noch immer die Ursachen für den Verfall der Denkmäler, um besser zu verstehen, wie der Klimawandel zur Erosion beiträgt.

Antike Ksurs von Ouadane, Mauretanien

Die mittelalterlichen Karawanenstädte in der mauretanischen Wüste waren mehr als sieben Jahrhunderte lang wichtige wirtschaftliche und kulturelle Zentren. Die Ksurs in Mauretanien, einst Zentren der nordafrikanischen nomadischen und islamischen Kultur, sind heute die Ausbreitung der Sahara gefährdet. Die Straßen und Höfe von Chinguetti, das für seine alten Bibliotheken mit islamischen Büchern und Manuskripten bekannt ist, werden mit Sand gefüllt, da die Dünen auf die Stadt zurollen.

Extreme Hitze und heftige Regenfälle bedrohen die Bodenarchitektur und verschärfen die Probleme der Bodenerosion. Die Wüstenbildung in der afrikanischen Sahelzone verschärft das Problem, und die Ursachen sind komplex, einschließlich Problemen der Landnutzung wie Überweidung und Entwaldung.

Anhaltende Dürren und zunehmende Niederschlagsextreme verschärfen die Ressourcenkonflikte.

SCHALK VAN ZUYDAM/AP
Ein verlassenes Haus in der Wüstenstadt Chinguetti, MauretanienSCHALK VAN ZUYDAM/AP

Freiheitsstatue auf Liberty Island, USA

Sie steht auf Liberty Island am Eingang des New Yorker Hafens und hat Millionen von Einwanderern und Tourist:innen aus der ganzen Welt begrüßt.

Die Welterbestätte ist durch einige der Auswirkungen des Klimawandels, insbesondere durch den Anstieg des Meeresspiegels, stärkere Stürme und Sturmfluten, erheblich gefährdet. Im Oktober 2012 überschwemmte der Hurrikan Sandy 75 Prozent von Liberty Island, und obwohl die Statue und ihr Sockel nicht beschädigt oder überflutet wurden, kam es zu umfangreichen Schäden an Einrichtungen und Infrastruktur.

Hurrikan Sandy sorgte dafür, dass Liberty Island für neun Monate quasi außer Gefecht blieben. Der Sturm beschädigte oder zerstörte einen Großteil der Infrastruktur der Insel, darunter Strom-, Wasser-, Abwasser-, Sicherheits- und Telefonsysteme.

Eine 2015 vom US National Park Service durchgeführte Analyse der Anfälligkeit seiner Küstengrundstücke kam zu dem Schluss, dass 100 Prozent des Monuments durch den Anstieg des Meeresspiegels "stark gefährdet" sind, da die Insel sehr niedrig liegt und anfällig für Stürme ist.

Seth Wenig/AP
Die Freiheitsstatue auf Liberty IslandSeth Wenig/AP

Cartagena de Indias, Kolumbien

Die kolumbianische Hafenstadt ist seit jeher ein wichtiges Handelszentrum in der Region und hat in den letzten Jahren immer mehr Tourist:innen empfangen. Der rapide Anstieg des Meeresspiegels und die Überflutung der Küsten bedrohen jedoch ihre Entwicklung.

Aufgrund ihrer Lage in Küstennähe ist sie eine der karibischen Küstenstädte, die am stärksten vom Anstieg des Meeresspiegels betroffen sind. Zwischen 1993 und 2010 ist der Meeresspiegel um 2,5 Millimeter pro Jahr gestiegen, was dem globalen Trend entspricht. In Cartagena war der Anstieg jedoch mehr als doppelt so hoch wie im karibischen Durchschnitt, was auf Faktoren wie Bodensenkungen zurückzuführen ist, die wahrscheinlich durch die umfangreiche Urbanisierung verursacht wurden. Dies hat dazu geführt, dass der durchschnittliche Wasserstand im gleichen Zeitraum um 5,3 Millimeter pro Jahr gestiegen ist, wie die Unesco in ihrem Bericht von 2014 festhielt.

Darüber hinaus verstärken die Intensität der Stürme und unzureichende städtische Entwässerungs- und Regenwassersysteme die Risiken des Klimawandels.

Fernando Vergara/AP
Küstenstadt Cartagena de Indias, KolumbienFernando Vergara/AP

Klimamodelle deuten darauf hin, dass ein Temperaturanstieg von 2°C bis 2040 zu einem weiteren Anstieg des Meeresspiegels von bis zu 60 Zentimetern führen würde. 25 % der Wohngrundstücke der Stadt wären bei Hochwasser von Überschwemmungen betroffen.