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AstraZeneca: EMA sieht kein erhöhtes Risiko von Thrombosen

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Von Euronews mit AP, AFP, ORF
Raum für Impfungen in Österreich - Symbolbild
Raum für Impfungen in Österreich - Symbolbild   -   Copyright  HELMUT FOHRINGER/AFP
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Die Europäische Arzneimittelagentur EMA bleibt bei ihrer Einschätzung und sieht kein erhöhtes Risiko für schwere Thrombosen, die durch den Impfstoff Vaxzevria von AstraZeneca ausgelöst würden.

Die Agentur bekräftigt, dass der in Zusammenarbeit mit der Universität Oxford entwickelte Impfstoff in zwei Dosen verabreicht werden sollte, wobei zwischen der ersten und der zweiten Injektion ein Abstand von 4-12 Wochen liegen sollte. "Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass das Aufschieben der zweiten Dosis einen Einfluss auf das Risiko von TTS (Thrombosen) hat", so die EMA.

Die Europäische Arzneimittelagentur erklärte außerdem, dass sie derzeit keine endgültige Empfehlung für die Kombination verschiedener Coronavirus-Impfstoffe mit AstraZeneca geben könne. Damit utnerstützt die EMA weiterhin nicht die in mehreren EU-Ländern ausgegebene Empfehlung nach einer ersten Dosis von AstraZeneca einen mRNA-Impfstoff zu verwenden.

Die Zahle der Nebenwirkungen in Frankreich

In Frankreich haben die Gesundheitsbehörden die amtlich verzeichneten Nebenwirkungen des Impfstoffs von AstraZeneca aufgelistet. Bei 7 779 000 Impfungen mit Vaxzevria gab es 24 852 Nebenwirkungen, 23 % davon mit schwerem Verlauf. Das meldet die ANMS in ihrem neuen Bericht. Insgesamt sind in Frankreich 207 Personen nach einer Impfung mit AstraZeneca verstorben.

Bei der überwiegenden Mehrheit der Nebenwirkungen handelt es sich aber um grippeähnliche Syndrome, oft recht intensiv: hohes Fieber, Schmerzen, Kopfschmerzen. Die Gesundheitsbehörde rät, Paracetamol in der niedrigsten Dosis und für die kürzest mögliche Zeit zu verwenden.

Der Bericht über atypische thromboembolische Ereignisse mit dem Impfstoff Vaxzevria war Gegenstand erster Schlussfolgerungen auf europäischer Ebene. Die Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels und die Packungsbeilage wurden aktualisiert, um "sehr seltene" unerwünschte Ereignisse wie das thrombotische thrombozytopenische Syndrom und Gerinnungsstörungen aufzunehmen. Diese Syndrome erfordern eine sofortige fachärztliche Behandlung.

Zudem verzeichnen die französischen Gesundheitsbehörden die drei ersten Fälle von Thrombosen nach einer Impfung mit dem Vektor-Vakzin von Janssen oder Johnson und Johnson.

(Zu den Studien finden Sie hier weiter unten ausführliche Informationen)

Der Impfstoff von Astrazeneca-Oxford wurde am 29. Januar 2021 von der Europäischen Arzneimittelagentur zugelassen und wird seit dem 6. Februar in Frankreich verabreicht.

Dänemark hält Verzicht auf AstraZeneca für Erfolgsrezept

In Dänemark sind von den über Zwölfjährigen mehr als 80 Prozent der 5,8 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner komplett gegen Covid-19 geimpft. So begründen die Gesundheitsbehörden das Ende der Einschränkungen im Land. Und zum Erfolgsrezept zählt laut der dänischen Epidemiologin Lone Simonsen der frühzeitige Verzicht auf das Vakzin von AstraZeneca. Schon im April 2021 hatte Dänemark die Impfungen mit AstraZeneca komplett gestoppt - nach den ersten Berichten von schwerwiegenden Nebenwirkungen.

Die Medizinerin Simonsen meint, diese Entscheidung habe für Vertrauen in der Bevölkerung gesorgt und Impfgegnern die Argumente genommen.

ArtBasel erkennt AstraZeneca-Impfungen nicht an

Am 24. September findet die internationale Kunstmesse ArtBasel in der Schweiz statt, aber wer mit AstraZeneca geimpft ist, muss draußen bleiben oder braucht einen zusätzlichen Test. Der Impfstoff von AstraZeneca wird nämlich in der Schweiz nicht verimpft und auch nicht anerkannt. Laut Basler Zeitung "rätselt die Kunstwelt über die eigentümlichen Schweizer Bestimmungen".

Auf der Internetseite der Art Basel heißt es, die Besucherinnen und Besucher sollten bitte beachen, dass die Schweiz nicht alle Vakzine anerkennt.

Vor allem Kunstexpert:innen und -liebhaber:innen aus Großbritannien, wo viele Menschen mit AstraZeneca geimpft sind, sind von der Regelung betroffen.

AstraZeneca gegen Delta weniger wirksam

Eine neue Studie des britischen Office of National Statistics (ONS) und dem Department for Health and Social Care (DHSC) zeigt, dass die Impfstoffe von AstraZeneca und BioNTech-Pfizer auch gegen die Delta-Variante einen guten Schutz gegen Neuinfektionen mit dem Coronavirus bieten. Allerdings nimmt die Wirksamkeit im Vergleich zu Alpha ab.

Zwei Dosen eines der beiden Impfstoffe geben laut Studie immer noch mindestens das gleiche Maß an Schutz wie eine vorherige natürliche Infektion mit COVID-19; Personen, die geimpft wurden, nachdem sie bereits mit COVID-19 infiziert waren, hatten einen höheren Schutz als geimpfte Personen, die zuvor nicht mit COVID-19 infiziert waren.

Professor Sarah Walker, Professorin für Medizinische Statistik und Epidemiologie an der Universität Oxford und akademische Leiterin der COVID-19-Infektionsstudie, sagt: "Wir wissen noch nicht, inwieweit Menschen, die sich nach einer Impfung mit COVID-19 anstecken, das Virus übertragen können - es kann sein, dass sie über kürzere Zeiträume hohe Viruskonzentrationen aufweisen. Aber die Tatsache, dass sie hohe Virusmengen haben können, deutet darauf hin, dass Menschen, die noch nicht geimpft sind, möglicherweise nicht so gut vor der Delta-Variante geschützt sind, wie wir gehofft hatten. Das bedeutet, dass sich unbedingt so viele Menschen wie möglich impfen lassen sollten - sowohl in Großbritannien als auch weltweit.

Zwei Dosen des Impfstoffs von BioNTech haben eine höhere anfängliche Wirksamkeit gegen COVID-19-Infektionen, die jedoch im Vergleich zu zwei Dosen von AstraZeneca schneller abnimmt.

Die Impfstoffwirksamkeit von AstraZeneca ist in der Delta dominierten Periode auf 67 % abge­fall­en gegenüber 79 % in der Alpha dominierten Periode. Sie ist damit tendenziell niedriger als die Schutzwirkung einer natürlichen Infektion, die Koen Pouwels von der Universität Oxford mit 72 % angibt.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Wirksamkeit der beiden Impfstoffe von AstraZeneca und BioNTech nach vier bis fünf Monaten ähnlich ist - die Forscher meinen jedoch, dass die langfristigen Auswirkungen noch untersucht werden müssen.

Streit um Auffrisch-Impfungen

Nordrhein-Westfalen startet die sogenannten Auffrischungsimpfungen für bestimmte Gruppen, die vor mehr als 6 Monaten geimpft wurden. Zunächst können sich die über 80-Jährigen an ihre Hausärztin oder ihren Hausarzt wenden.

Auch in anderen Bundesländern wie Bayern, Hessen, Bremen, Berlin und Brandenburg sind die Planungen für die Auffrischungsimpfungen angelaufen.

Wer vollständig mit AstraZeneca oder Johnson & Johnson, also mit einem Vektorimpfstoff geimpft wurde, soll nun in NRW demnächst eine Auffrischung mit einem mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer oder Moderna bekommen. Laut dem nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium starten die Auffrischungsimpfungen für Menschen, die mit AstraZeneca geimpft wurden, im Oktober.

Da die Impfzentren inzwischen abgeschafft werden, sollen sich die Betroffenen ebenfalls mit den Hausärztinnen und Hausärzten absprechen. Für Personen, die eine sogenannte Kreuzimpfung - also erst AstraZeneca und dann einen mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer oder Moderna erhalten haben, ist bisher keine Auffrischung geplant.

Die WHO hat sich allerdings gegen diese Aufrischungsimpfungen ausgesprochen, solange es in den ärmeren Ländern viel zu wenige Impfstoffe gibt.

Herdenimmunität wegen Delta-Variante nicht erreichbar

Sir Andrew Pollard ist einer der Entwickler des Impfstoffs von AstraZeneca. Er hat vor Abgeordneten des britischen Parlaments seine Einschätzung der Coronalage gegeben. Der Professor für pädiatrische Infektionen und Immunität an der Universität Oxford erklärte, dass das Erreichen der sogenannten Herdenimmunität wegen der Delta-Variante "nicht möglich" sei.

"Beim Coronavirus wissen wir sehr genau, dass diese aktuelle Variante, die Delta-Variante, auch Menschen infizieren kann, die geimpft sind, und das bedeutet, dass jeder, der noch nicht geimpft ist, irgendwann auf das Virus trifft", sagte Pollard laut Science Alert.

Er meinte, es sei unwahrscheinlich, dass die Herdenimmunität jemals erreicht werde, da die nächste Variante "vielleicht sogar noch besser in geimpften Populationen übertragen werden kann".

Das Konzept der Herdenimmunität besteht darin, dass eine große Mehrheit der Bevölkerung eine Immunität erlangt - entweder durch eine Impfung oder eine frühere Infektion -, die wiederum einen indirekten Schutz vor einer Infektionskrankheit für die Ungeimpften und diejenigen, die noch nie infiziert waren, bietet. Da sich auch Geimpfte mit der Delta-Variante infizieren können, erscheint die Herdenimmunität unerreichbar.

Zu den Auffrischungsimpfungen hat Pollard eine kritische Meinung: "Der Zeitpunkt, an dem wir die Impfung verstärken müssten, wäre dann, wenn wir Beweise dafür hätten, dass es unter den Geimpften zu einem Anstieg der Krankenhauseinweisungen kommt - oder in der nächsten Phase, nämlich dem Sterben von Menschen. Und das ist im Moment nicht der Fall".

Daten aus einer kürzlich vom Imperial College London durchgeführten React-Studie, die als Preprint erschienen ist, deuten darauf hin, dass vollständig geimpfte Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren ein um 49 % geringeres Risiko haben, sich zu infizieren, als ungeimpfte Personen. Die Ergebnisse zeigen, dass vollständig geimpfte Personen offenbar nur etwa halb so häufig positiv getestet werden, wenn sie mit einer Person in Kontakt kommen, die Covid hat (3,84 %, gegenüber 7,23 %).

Studie zur Wirksamkeit der Kreuzimpfungen

Eine Kreuzimpfung, bei der zunächst AstraZeneca und dann als zweite Dosis der Impfstoff von BioNTech/Pfizer verabreicht wird, erhöht die Zahl der neutralisierenden Antikörper im Vergleich zu zwei AstraZeneca-Dosen um das Sechsfache. Das besagt eine Studie aus Südkorea., die die Agentur Reuters zitiert.

An der Studie nahmen 499 medizinische Fachkräfte teil - 100 erhielten gemischte Dosen, 200 bekamen zwei Dosen BioNTech/Pfizer und die übrigen zwei Dosen AstraZeneca.

Alle wiesen neutralisierende Antikörper auf, die das Virus daran hindern, in Zellen einzudringen und sich zu vermehren. Das Ergebnis der Kreuzimpfung zeigte ähnliche Mengen an neutralisierenden Antikörpern wie in der Gruppe, die zwei BioNTech/Pfizer-Impfungen erhielt.

Wie wirksam ist der Impfstoff von AstraZeneca gegen die Delta-Variante des Coronavirus, die jetzt fast überall in Europa mehr als 80 Prozent der Neuinfektionen ausmacht?

Eine neue Studie der britischen Gesundheitsbehörden, die The New England Journal of Medicine veröffentlicht hat, vergleicht die Wirksamkeit der Vakzine von AstraZeneca und BioNTech/Pfizer in Bezug auf die Alpha- und die Delta-Variante des Coronavirus.

Die Wirksamkeit nach einer Impfstoffdosis war sowohl bei BioNTech/Pfizer als auch bei AstraZeneca bei Personen mit der Delta-Variante deutlich geringer als bei der Alpha-Variante (die zuvor als britische Variante bezeichnet wurde). AstraZeneca schützt nur zu 30 Prozent, BioNTech/Pfizer zu 35 Prozent nach einer Impfstoff-Dosis.

Nach der zweiten Dosis liegt der Schutz durch AstraZeneca gegen die Delta-Variante bei 67 Prozent, nach der zweiten Dosis BioNTech/Pfizer bei 88 Prozent.

Die Ergebnisse beider Impfstoffe gegen die Alpha-Variante waren deutlich besser.

In Großbritannien werden - anders als in Deutschland - die Impfstoffe nicht gemischt, es werden keine sogenannten Kreuzimpfungen angeboten.

Zuvor war eine von den britischen Gesundheitsbehörden veröffentlichten Studie zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Danach schützen zwei Dosen der Impfstoffe von BioNTech/Pfizer oder AstraZeneca/Oxford mehr als 90% vor Krankenhausaufenthalten, nachdem sich Menschen mit der Delta-Variante des Coronavirus angesteckt haben.

Die Studie von Public Health England (PHE) vom Juni 2021 zeigte einen Schutz vor Krankenhausaufenthalten von 96 % nach zwei Dosen des Impfstoffs von BioNTech/Pfizer und 92 % für Oxford/AstraZeneca. Diese Zahlen beziehen sich aber nur auf Geimpfte, die vollständig - also mit zwei Dosen - geimpft waren.

Immer wieder verweisen Expertinnen und Experten auf die Wichtigkeit, sich zwei Mal impfen zu lassen.

Das Risiko von Blutgerinnseln in Verbindung mit einer niedrigen Thrombozytenzahl ist nach einer zweiten Impfdosis von AstraZeneca nicht höher als allgemein in der Bevölkerung. Dies geht aus einer Studie hervor, die in der britischen medizinischen Wochenzeitschrift The Lancet veröffentlicht wurde. Allerdings wurde diese Studie vom schwedisch-britischen Pharmaunternehmen AstraZeneca finanziert.

Analysisert wurden alle Fälle von Thrombose (Blutgerinnsel) und Thrombozytopenie (niedrige Thrombozytenzahl im Blut) in den 14 Tagen nach Verabreichung der ersten oder zweiten Dosis des Impfstoffs Vaxzevria, die bis zum 30. April in der internationalen Datenbank erfasst wurden.

In ihrer Aktualisierung vom 27. Juni verzeichnet die EMA 479 Verdachtsfälle von schlimmen Thrombosen in Europa (EU und Großbritannien), darunter 100 Todesfälle, bei insgesamt über 51 Millionen verabreichten Dosen von AstraZeneca.

Studie aus Schweden zu AstraZeneca & Moderna

In einer neuen Studie aus Schweden, die im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde, hat ein Team der Universität Umeå Immunreaktionen und Nebenwirkungen bei Personen, die zwei Dosen von Astra Zeneca oder eine Dosis von Astra Zeneca und dann eine Dosis des mRNA-Impfstoffs von Moderna erhalten hatten verglichen.

Es handelt sich um eine begrenzte Studie mit 88 Personen, aber es zeigte sich, "dass der mRNA-Impfstoff von Moderna die Antikörperreaktion nach der ersten Dosis von Astra Zeneca sehr gut verstärkt", sagt Mattias Forsell, Professor für Immunologie an der Universität Umeå.

Die Studie zeigt auch, dass diejenigen, die den Impfstoff von Moderna als zweite Dosis erhalten haben, signifikant höhere Werte an SARS-CoV-2-spezifischen Antikörpern aufweisen als diejenigen, die zwei Dosen des Vakzins von AstraZeneca erhalten haben.

Zudem weist die Studie nach, dass die nach der Kreuzimpfung gebildeten Antikörper auch die Beta-Variante ( oder die südafrikanischen Mutante) des Coronavirus neutralisieren können.

Die Studienteilnehmer:innen waren Mitarbeiter des Gesundheitswesens im Alter zwischen 23 und 62 Jahren und erhielten die Impfstoffdosen im Abstand von 9-12 Wochen.

Das Deutsche Ärzteblatt erklärt: "Wie Forsell berichtet, waren die Antikörper-Titer nach der 2. Vaxzevria-Dosis um das 5-fache gestiegen (was bestätigt, das die Auffrischung effektiv ist). Unter den Teilnehmern, die auf Spikevax gewechselt hatten, stiegen die Antikörper-Titer dagegen um das 115-fache (gegen S-Protein) beziehungsweise 125-fache (gegen die Rezeptorbindungsstelle).

Bei einer weiteren Untersuchung 30 Tage später hatten sich die Titer nicht verändert. Die Boosterung scheint in beiden Gruppen eine nachhaltige Wirkung erzielt zu haben."

Allerdings gab es bei der heterologen Impfung mehr Nebenwirklungen: Fieber, Kopfschmerzen und Schüttelfrost traten bei den Probandinnen und Probanden signifikant häufiger auf.

"Impfstoff politisch zerredet"

Nach der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko), in Deutschland AstraZeneca nicht mehr für Zweitimpfungen zu nutzen, waren viele Hausärztinnen und Hausärzte, aber auch Medizinerinnen und Mediziner in Impfzentren verärgert.

Oliver Funken, der Chef des Hausärzteverbandes in Nordrhein-Westfalen, sagte der Rheinischen Post: "Astrazeneca wird zunehmend der Ladenhüter unter den Impfstoffen. Er ist politisch einfach zerredet worden. Die aktuelle Stiko-Empfehlung unterstützt dies noch. Viele Patienten wollen den Wechsel auf Biontech." In NRW seien die Ärztinnen und Ärzte nun gezwungen, auf AstraZeneca zu verzichten, obwohl dies ein guter Impfstoff sei.

"Wir machen uns als Impfärzte völlig unglaubwürdig", erklärt Stefan Steinmetz, Koordinator des Impfzentrums in Essen, der vor allem älteren Menschen noch in der vergangenen Woche zu einer doppelten Impfung mit AstraZeneca geraten hatte.

"Ich werde wegen der Stiko nicht 1000 Dosen Astra auf den Müll werfen", sagt Dr. Christian Kröner im Gespräch mit der WELT. Er will seine Patientinnen und Patienten weiter mit AstraZeneca impfen - auch als Zweitdosis.

Der Landesvorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbandes, Markus Beier, erklärte sogar, die Stiko habe mit ihrem "unabgestimmten Vorstoß Chaos in den Hausarztpraxen" in Bayern ausgelöst. Die geänderte Empfehlung sei weder mit dem Gesundheitsministerium noch mit dem Innenministerium in Berlin abgesprochen worden, meinte Beier gegenüber Nordbayern.de.

"Mit dieser erneuten Kehrtwende wird das Vertrauen der Patienten in die Impfkampagne unnötigerweise erschüttert, neue Impfhürden im praktischen Impfmanagement werden aufgebaut", sagte Dominik A. Ewald , der Landesverbandsvorsitzende des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Bayern, - im Münchner Merkur.

Studie der Charité zu AstraZeneca & BioNTech

Wer unter 60 Jahre alt ist und als Erstimpfung gegen Covid-19 Vaxzevria von AstraZeneca bekommen hat, erhält schon seit Mai 2021 - wegen der Gefahr von sehr seltenen schweren Thrombosen - als Zweitimpfung in vielen EU-Staaten ein mRNA-Vakzin. Eine in THE LANCET veröffentlichte Studie war zu dem Ergebnis gekommen, dass die milden Nebenwirkungen bei den sogenannten Kreuzimpfungen häufiger seien.

Der Arzt für Infektionskrankheiten und Beatmungsmedizin Leif Erik Sander von der Charité in Berlin hat zusammen mit seinem Team eine neue Studie zu Impfungen mit AstraZeneca veröffentlicht. Darin werden die sogenannte Kreuzimpfungen - erst AstraZeneca und dann BioNTech/Pfizer - mit doppelten BioNTech-Impfungen verglichen. Als Probanden fungierten mehr als 300 Beschäftigte im Gesundheitsbereich, die schon früh gegen Covid-19 geimpft worden waren und im Mai 2021 die Zweitimpfung erhalten hatten.

Bei den nicht schlimmen Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit und Fieber litten die Impflinge in beiden Gruppen etwa gleich. Insgesamt haben die Teilnehmenden die Impfungen laut Studie von Leif Erik Sander gut vertragen.

Was die Wirksamkeit der beiden Impfungen betrifft, schnitten die Impflinge mit der Kombination AstraZeneca/BionTech besser ab als die, die nur mit BioNTech geimpft worden waren.

Allerdings werden medizinische Studien mit weniger als 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern danach weiter auf ihre Aussagekraft überprüft.

Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek schreibt auf Twitter zu der Untersuchung der Charité von wichtigen Daten und einer sehr guten Immunantwort.

In Deutschland hatten sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern darauf geeinigt, dass mit einer ersten AstraZeneca-Dosis geimpfte Menschen unter 60 Jahren als Zweitimpfung einen mRNA-Imfpstoff bekommen sollen. Das Umsteigen auf die Vakzine von BioNTech/Pfizer oder Moderna für das sogenannten Boosten hatte die Ständige Impfkommission (Stiko) Anfang April nach der Diskussion zu Fällen von Hirnvenenthrombosen empfohlen.

In Frankreich hatten die Gesundheitsbehörden ebenfalls angekündigt, dass die 533.000 Menschen unter 55 Jahren, die eine Erstimpfung mit AstraZeneca gegen Covid-19 bekommen haben, eine Zweitimpfung mit einem anderen Vakzin - von BioNTech-Pfizer oder Moderna - erhalten sollen.

Die Weltgesundheitsorganisation teilt diese Empfehlung nicht - wie die WHO-Sprecherin Margaret Harris im April in Genf mitteilte. Die bisherigen Daten reichten für eine Empfehlung sogenannter Kreuzimpfungen nicht aus.

Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran, der selbst Arzt ist, sagte: "Es gibt Zeiten, in denen wir der WHO folgen und dafür kritisiert werden, und es gibt Zeiten, in denen wir ihr nicht ganz folgen und dafür kritisiert werden, dass wir ihr nicht ganz folgen."

Erstimpfung mit AstraZenca - Zweitimpfung mit BioNTech auch laut spanischer Studio hochwirksam

Eine Studie aus Spanien bestätigt die Wirksamkeit der Kombination: Erstimpfung mit AstraZeneca - gefolgt von einer Zweitimpfung mit BioNTech. Die Grundlagen sind auf der Internetseite von EpidemiXsStudies veröffentlcht worden.

Die spanischen Forscher:innen des Gesundheitsinstituts Carlos III in Madrid hatten als Proband:innen 600 Personen, die vor mindestens 8 Wochen eine Dosis des Impfstoffs Vaxzevria von AstraZeneca erhalten hatten und die weniger als 60 Jahre alt sind.

Die Studie ergab, dass die Impfstoff-Kombinaton hochwirksam ist - und dass nicht mehr Nebenwirkungen beobachtet wurden als bei Erst- und Zweitimpfung mit demselben Impfstoff.

In einer Mitteilung schreiben die Wissenschaftler:innen: "Die ersten Ergebnisse deuten darauf hin, dass dieses heterologe Impfschema hoch immunogen ist und keine Probleme mit der Reaktogenität nach der Impfung aufweist, die sich von denen unterscheiden, die bereits bei der homologen Verwendung dieser gleichen Impfstoffe berichtet wurden; das heißt, die Reaktion des Immunsystems ist nach der zweiten Dosis des Comirnaty-Impfstoffs (von BioNTech) stark verstärkt, während die beobachteten unerwünschten Nebenwirkungen im erwarteten Bereich liegen, mild oder moderat sind und sich meist auf die ersten 2-3 Tage nach Erhalt des Impfstoffs beschränken. In keinem Fall wurde in dieser klinischen Studie eine Krankenhauseinweisung als Folge der Anwendung dieses Impfschemas berichtet."

Nach Impfung verstorbene Jugendliche Camilla litt an Autoimmunkrankheit

Der Tod der 18 Jahre alten Camilla in der Nähe von Genua nach einer Impfung mit AstraZeneca hat viele In Italien geschockt. Laut Medienberichten wollen sich jetzt viele junge Frauen nicht mehr impfen lassen. Erste Untersuchungen des Todes der Jugendlichen, die am 9. Juni wenige Tage nach der Impfung verstorben ist, ergeben, dass Camilla an einer Autoimmunkrankheit litt. Zudem bekam sie zuvor eine Hormonbehandlung.

Das 18-jährige Mädchen hatte eine Thrombozytopenie, die zu einem chronischen Thrombozytenmangel führt. Einen solchen Blutplättchenmangel hatten Forscher als seltene schlimme Nebenwirkung des AstraZeneca-Vakzins beschrieben (siehe weiter unten).

Neun Tage nach der Impfung war Camilla erstmals wegen starker Kopfschmerzen und Lichtempfindlichkeit ins Krankenhaus von Lavagna gekommen, sie wurde aber wieder nach Hause geschickt. Als die Jugendliche zwei Tage später erneut ins Krankenhaus kam, wurde sie notoperiert, doch sie verstarb an einer Hirnblutung.

Was Prof. Greinacher von der Uni Greifswald zu den Thrombosen sagt

Professor Dr. Andreas Greinacher, Leiter der Abteilung Transfusionsmedizin am Institut für Immunologie und Transfusionsmedizin in Greifswald, ist DER Experte für die durch AstraZeneca ausgelösten Thrombosen oder Blutgerinnsel in Deutschland. Der Hämatologe forscht seit Jahren an den Thrombosen, die als Nebenwirkung durch Heparin ausgelöst werden. Heparin ist ein Medikament, das eigentlich die Blutgerinnung hemmen soll und deshalb gegen Thrombosen eingesetzt wird.

Gesundheitsminister Jens Spahn hatte zuvor angekündigt, dass die eigentlich nach 12 Wochen vorgesehene Zweitimpfung mit dem Vakzin von AstraZeneca vorgezogen werden könnte. Dem WDR sagte er am 6. Mai: "Die Zweitimpfung haben jetzt viele lieber früher, auch mit Blick auf den Sommer – das geht mit Astrazeneca auch innerhalb der Zulassung."

Die Wirksamkeit der Zweitimpfung - des sogenannten Boostens - beträgt nach vier bis acht Wochen laut der europäischen Arzneimittelbehörde EMA 50,4 Prozent. Bei zwölf und mehr Wochen liegt sie bei 72,1 Prozent bis 82,4 Prozent.

Andreas Greinacher warnt im Gespräch mit ZEIT ONLINE davor, die zweite Impfung mit AstraZeneca früher zu verabreichen. Dadurch könne das Risiko seltener schwerer Thrombosen erhöht werden. "Ich kann jedem nur empfehlen, drei Monate bei der AstraZeneca-Impfung zu warten.", sagt der Experte der Uni Greifswald. "Bei allen Antikörperreaktionen gegen PF4 (Plättchenfaktor 4), die wir bislang untersucht haben, war es immer so, dass die Antikörper bei den allermeisten Menschen nach drei Monaten verschwunden sind". Sollten sich nach der ersten Impfung unbemerkt Autoantikörper gebildet haben, dann wären diese nach 12 Wochen wieder aus dem Blutkreislauf verschwunden. "Wahrscheinlich wird die Uhr damit wieder auf null gestellt", meint Greinacher.

Greinacher erklärt die Thrombosen nach einer Impfung mit AstraZeneca durch Eiweißverbindungen auf den Blutplättchen in Verbindung mit einer extremen Immunreaktion, bei der Autoantikörper entstehen. Er geht davon aus, dass Antikörper an Blutplättchen andocken und sie so aktivieren. Die Blutplättchen können dann verklumpen, so dass Gerinnsel entstehen, und die Zahl der Plättchen insgesamt wird dadurch reduziert.

"Die im Impfstoff gefundenen Eiweiße sorgen für eine kurzfristige Immunreaktion. Sie werden kurz nach der Impfung vom Immunsystem erkannt. Das bewirkt ein Warnsignal, das die Autoimmunreaktion gegen PF4 (Plättchenfaktor 4) anstößt. Auch wenn die Proteine aus dem Impfstoff schon längst abgebaut sind, führen die dann nach einer Woche gebildeten stark reagierenden Autoantikörper bei den wenigen Menschen, bei denen diese Nebenwirkungen auftreten, zu den seltenen Thrombosen. Der Impfstoff ist also der Anstoß, der den Stein ins Rollen bringt." sagt der Experte in der Parmazeutischen Zeitung. Die Autoantikörper richten sich gegen das eigene Immunsystem und lösen laut Greinacher die Blutgerinnsel aus. Als Ursache für diese Nebenwirkung werden die Vektoren vermutet - also die Erkältungsviren, über die der Impfstoff bei Vektorimpfstoffen wie AstraZeneca und Johnson & Johnson sowie dem russischen Sputnik V, in die Zellen transportiert wird.

Greinacher nennt die Nebenwirklung "vaccine-induced thrombotic thrombocytopenia" (VITT), also durch den Impfstoff ausgelöste Thrombosen mit Blutplättchenmangel.

Die sehr seltene schlimme Nebenwirkung des Impfstoffs von AstraZeneca wird auf Deutsch auch TTS – Thrombose mit Thrombozytopenie Syndrom – genannt. Das Ärzteblatt erklärt, dass die Wissenschaft von einer Inzidenz von 2,2 pro 100.000 bei Frauen unter 60 Jahren und 2,0 pro 100.000 bei Männern unter 60 Jahren ausgeht.

Die Gefährdung durch die Nebenwirkung ist also vor allem bei älteren Patientinnen und Patienten extrem gering im Vergleich zu dem Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken.

Wer ist von Nebenwirkungen betroffen?

Greinacher meint, der inzwischen widerlegte Ansatz, dass vor allem Frauen von den schweren Thrombosen betroffen sein sollen, gehe darauf zurück, dass am Anfang vor allem im Gesundheitswesen Beschäftigte geimpft wurden. Und in dieser Gruppe sind Frauen die Mehrheit.

Der Greifswalder Mediziner bestätigt zudem, dass in Großbritannien und in Kanada, wo auch viele ältere Menschen mit Vaxzevria von AstraZeneca geimpft wurden, auch in den höheren Altersstufen VITT aufgetreten sei. Das besagt auch eine Studie von Neurolog:innen aus Deutschland.

Professor Greinacher geht davon aus, dass das Risiko schwerer Komplikationen bei der zweiten Impfung geringer ist - aber nicht gleich Null: "Eine gut überstandene erste Impfung schließt Komplikationen bei der zweiten Impfung nicht sicher aus."

André Karch, stellvertretender Direktor des Instituts für Epidemiologie und Sozialmedizin am Universitätsklinikum Münster, kritisierte die Aufhebung der Priorisierung von Risikogruppen für die beiden Vektorimpfstoffe von AstraZeneca sowie Johnson & Johnson in Deutschland. Der Epidemiologe hält es für dringend notwendig, zuerst all die Menschen zu impfen, denen ein schwerer Verlauf von Covid-19 droht.

Wie wenn man den schlafenden Drachen ärgert

Professor Greinacher erklärte bei einer Pressekonferenz des Science Media Center: "Durch diese Impfung wird ein evolutionär ziemlich altes Immunsystem zum Arbeiten angeregt. Ich habe schon manchmal das Vergleichsbild genommen, es ist so, als wenn Sie sich einen Drachen in irgendeiner Höhle vorstellen, den man möglichst tunlichst ruhen lässt. Und durch die Impfung wird dieser geärgert und beginnt dann langsam aufzuwachen und nach einer Woche irgendwo ärgerlich zu werden. Und dann ist es völlig egal, was ihn aufgeweckt hat. Der Impfstoff ist zu dem Zeitpunkt bestimmt nicht mehr im Blut zirkulierend, sondern dann läuft eine Immunreaktion quasi auf Autopilot, die dann diese starken Gerinnungsaktivierungen durchführt. Wir wissen mittlerweile auch, dass Patienten, die diese Immunreaktion zeigen, auch weitere andere starke Antikörper-Reaktionen zeigen, so dass eine insgesamt überschießende Immunreaktion bei diesen Menschen auftritt. Warum das jetzt bei einem von 40.000 oder 50.000 Menschen nach der Impfung auftritt und bei den anderen 49.999 nicht, das ist im Moment noch unklar."

Mitte März hatte in Norwegen Professor Pål André Holme von der Uniklinik Oslo eine ähnliche Theorie wie die Kollegen von der Uniklinik Greifswald aufgestellt. Er hatte drei Beschäftigte des Gesundheitswesens, die nach der Impfung an Blutgerinnseln litten, behandelt. Holme sagte, dass die Blutgerinnsel durch eine starke Immunantwort produzierte Antikörper, die an die Blutplättchen andocken, ausgelöst werden könnten. Doch laut norwegischen Medien - wie VG - unterstrich Holme, dass dies bisher nur eine Hypothese sei. In Norwegen wird AstraZeneca inzwischen nicht mehr verimpft.

"Unsere Theorie ist, dass es sich hierbei um eine heftige Immunreaktion handelt, die sehr wahrscheinlich auf die Impfung folgt. Zusammen mit der Sektion für fortgeschrittene Thrombozytenimmunologie am Universitätskrankenhaus von Nordnorwegen (UNN) haben wir spezifische Antikörper gegen Thrombozyten nachgewiesen, die ein Bild ergeben können, das wir auch aus anderen Bereichen der Medizin kennen, dort aber von Medikamenten ausgelöst", erklärte der Chefarzt in Oslo.

Vergleichbare Probleme gibt es als Nebenwirkung von Heparin. Dieses Medikament verhindert die Blutgerinnung und soll eigentlich vor Blutgerinnseln schützen.

Auch Hirnarterien von Thrombosen betroffen

Britische Forscher:innen gehen davon aus, das Vaxzevria - der Impfstoff von AstraZeneca - nicht nur in sehr seltenen Fällen Thrombosen von Hirn- und Bauchvenen, sondern auch Thrombosen der Hirnarterien, die das Blut ins Gehirn transportieren, auslösen kann. Laut der Studie, die im Journal of Neurology Neurosurgery & Psychiatry veröffentlicht wurde, haben drei jüngere Impflinge einen Schlaganfall erlitten. Einer davon endete tödlich. Es werden zwei Fälle von Patientinnen beschrieben, die nach der Impfung unter starken Kopfschmerzen sowie einseitigen Lähmungserscheinungen litten.

In Großbritannien sind mehr als 33 Millionen Dosen von AstraZeneca verimpft worden, dabei wurden 309 Fälle schwerer Thrombosen verzeichnet.

Weitere Hypothese zur Erklärung des Auslösers der Thrombosen

Ein Forscherteam um Rolf Marschalek von der Goethe-Universität Frankfurt hat im Preprint eine Studie zur Ursache von Nebenwirkungen der Vektor-Impfstoffe wie AstraZeneca und Johnson & Johnson veröffentlicht. Vektor-Impfstoffe nutzen - anders als mRNA-Vakzine - Viren von Erkältungskrankheiten, um den Impfstoff in die Zellen zu transportieren.

Laut der auf Research Square erschienenen Studie kann es bei Vektor-Impfstoffen im Zellkern zu seltenen Aufspaltungen der DNA des Spike-Proteins kommen. Diese führten zu mutierten Proteinversionen, die in extrem seltenen Fällen Thrombosen auslösen. In einem Interview mit der Financial Times sagt Marschalek, dass dieses Problem durch eine veränderte Zusammensetzung des Impfstoffs behoben werden könnte.

Dieser Ansatz wird unter Expert:innen kontrovers diskutiert. Aber laut Medienberichten arbeiten sowohl AstraZeneca als auch Johnson & Johnson bereits mit dem Team um Professor Marschalek zusammen.

Studie aus Schottland zu seltenen Blutungen

Eine Studie aus Schottland, die in der Fachzeitschrift NATURE ver¨¨offentlicht wurde, vermutet einen Zusammenhang zwischen der Impfung mit Vaxzevria von AstraZeneca und seltenen Blutungen. Die Wissenschaftler:innen unterstreichen aber, dass die aufgetretene Krankheit behandelbar sei und dass der Nutzen der Impfung gegen Covid-19 das Risiko bei weitem übertreffe.

Das Forscherteam um Aziz Sheikh von der University of Edinburgh geht von einem leicht erhöhten Risiko der Autoimmunkrankheit ITP aus. ITP steht für idiopathische thrombozytopenische Purpura, dabei werden vermehrt Blutplättchen abgebaut. Eines der Symptome von ITP sind kleine punktförmige Blutungen.

Die Studie der Universität Ediburgh hatte Blutungs- und vaskuläre Ereignisse nach Covid-19-Impfungen bei 2,53 Millionen Menschen in Schottland analysiert.

Die Risiken sind laut Studie vergleichbar mit denjenigen anderer Vakzine wie den Impfstoffen gegen Hepatitis B, Masern, Mumps, Röteln und Grippe..

In den 27 Tage nach der Impfung mit Vaxzevria etwas mehr Fälle von ITP aufgetreten nämlich in der Häufigkeit von 1,13 Fällen pro 100.000 Erstimpfungen.

Seltene Nebenwirkungen von AstraZeneca können früh erkannt offenbar behandelt werden

Bei einer 62-jährigen Frau aus Österreich bildete sich an Tag 8 nach der Impfung mit AstraZeneca nach einem leichten Biss auf die Lippe ein riesiger blauer Fleck - und sie litt unter Zahnfleischbuten. Wie das Ärzteblatt berichtet, wurde im Wiener Allgemei­nen Krankenhaus die seltene Nebenwirkung des Impfstoffs gleich entdeckt. Und es gibt Mittel gegen die sogenannte impfstoffinduzierte immune thrombotische Thrombozytopenie (VITT). Der Patientin konnte mit intravenös verabreichten Immunglobulinen (IVIG) und einem Steroid geholfen werden.

Die entsprechende Studie österreichischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die im "Journal of Thrombosis and Haemostasis" veröffentlicht wurde, geht davon aus, dass die sehr seltenen schlimmen Nebenwirkungen des Impfstoffs von AstraZeneca - wenn sie rechtzeitig entdeckt und behandelt werden - verhindert werden können.

Die Störung wird - so vermuten die Expert:innen - durch die Bildung von Autoantikörpern gegen den Plättchenfaktor 4 (PF4) - in Verbindung mit einem noch nicht bekannten Anion - ausgelöst. Dies führt zu einem Zerfall der Blutplättchen oder Thrombozyten. Die Patient:innen leiden dann gleichzeitig unter Thrombosen und einer erhöhten Blutungsneigung.

Unter internationalen Experten gibt es die Vermutung, dass die sehr seltenen Blutgerinnsel, die nach Impfungen mit AstraZeneca in Europa und in den USA mit Johnson & Johnson aufgetreten sind, durch die Vektoren verursacht wurden. Die Vakzine von AstraZeneca und Johnson & Johnson sind - wie Sputnik V - Vektoren-Impfstoffe. Dabei werden die DNA-Informationen zur Produktion der Antikörper gegen das Coronavirus über sogenannte Vektorviren (meist Erkältungsviren) in den Körper eingeschleust.

Genau diese Vektoren könnten - wenn sie beeinträchtigt sind - die Probleme in Form von Blutgerinnseln verursachen.

Risiko laut Studie auch für über 60-Jährige

Eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) von Anfang Mai 2021, die im Preprint veröffentlicht wurde - also noch nicht von wissenschaftlichen Kolleg:innen geprüft ist - zeigt allerdings, dass auch bei über 60-jährigen Frauen nach einer Impfung mit AstraZeneca ein sehr geringes Risiko einer Hirnvenenthrombose besteht.

Der Anteil von Sinusvenenthrombosen war nach einer AstraZeneca-Impfung mehr als neunmal höher als nach einer Impfung mit einem mRNA-Impfstoff von BioNTech oder Moderna. Und die Rate war bei Frauen im Vergleich zu der von Männern mehr als dreimal so hoch.

Laut SPIEGEL ONLINE wollen die Autoren der Studie aber keineswegs Angst vor AstraZeneca verbreiten. "Wir stellen damit nicht die Impfung infrage, auch nicht das AstraZeneca-Vakzin, denken aber, dass alle Personen, vor allem Frauen, vor der Impfung über dieses Risiko aufgeklärt werden sollten, gerade auch im Hinblick darauf, auf welche Symptome sie im Nachgang zu achten haben", sagt DGN-Präsident Christian Gerloff. "Außerdem sollte sehr zeitnah eine neue Risiko-Nutzen-Bewertung durch die zuständigen Behörden erfolgen."

Laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gab es in Deutschland bis zum 15. April 2021 insgesamt 59 Fälle von Hirnvenenthrombosen - davon 45 Frauen und 14 Män­ner - bei mehr als 4 Millionen mit dem Vakzin von AstraZeneca Geimpften.

Auf Deutsch werden die seltenen Komplikationen auch Vakzin-induzierte thrombotische Thrombozytopenie oder VITT, die nach Impfungen mit Astrazeneca oder Johnson & Johnson auftreten können.

Zu den seltenen Thrombosen gehörten venöse Thrombosen an den großen Hirnvenen (Sinusvenenthrombosen), an Bauchvenen (Splanchnikusvenen) sowie arterielle Thrombosen. Das Paul-Ehrlich Institut berichtet, die meisten der bisher aufgetretenen Fälle betrafen Personen unter 60 Jahren innerhalb von zwei Wochen nach Erhalt der ersten Dosis.

Einige vergleichen das Risiko zur Veranschaulichung mit einem Lotto-Gewinn.

Fragen zum Tod eines Studenten in Nantes nach Impfung mit AstraZeneca

Am 18. März 2021 ist der 24-jährige Anthony tot in seiner Wohnung in Nantes aufgefunden worden. Seine Familie hatte Alarm geschlagen, weil er sich nicht meldete. 10 Tage zuvor war der Medizinstudent mit dem Vakzin von AstraZeneca gegen Covid-19 geimpft worden. Medizinstudenten im 6. Ausbildungsjahr wie Anthony arbeiten im Krankenhaus, deshalb sind viele von ihnen als Gesundheitspersonal inzwischen geimpft.

Am 1. Mai hat der Anwalt von Anthonys Familie über den Obduktionsbericht informiert, wie Ouest France meldet. "Der Bericht deutet darauf hin, dass die Todesursache eine abdominale Thrombose (...) in der Milz durch gerade erst gebildete Gerinnsel ist", sagte der Anwalt Etienne Boittin. Bei Anthony sei "jede Infektion, jeder Virus, Krebs oder Tumor, die eine Thrombose erzeugen können", ausgeschlossen worden. Die Obduktion hat den Impfstoff als Auslöser der Thrombose nicht nachgewiesen. Die Ermittlungen dauern an.

Anwalt Boittin erklärte, dass er etwa 15 Familien vertrete, deren Angehörige nach einer Impfung mit AstraZeneca in Frankreich verstorben sind. Die allermeisten seien jünger als 60 Jahre alt.

Seit dem 19. März wird AstraZeneca in Frankreich nur noch für über 55-Jährige empfohlen. Bis Ende April waren 3,2 Millionen Menschen im Land mit AstraZeneca geimpft worden. Insgesamt sind in Frankreich bis zum 1. Mai 104.675 Menschen an Covid-19 verstorben.

Geimpfte in Deutschland können per App und im Internet Nebenwirkungen angeben

Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat zusammen mit dem Paul-Ehrlich-Institut eine Internet-Seite eingerichtet, auf der Nebenwirkungen von Impfungen gegen Covid-19 gemeldet werden können.

Die Nebenwirkungen können auch über die App "SafeVac" weitergegeben werden.

Da die Geimpften bei den Informationen über Nebenwirkungen in ihrem Impfpass verzeichnete Nummern angeben sollen, bitten die Behörden darum, diese Daten nicht öffentlich zu machen. Es besteht die Gefahr, dass Daten gekapert und von Impfgegner:innen für falsche Angaben genutzt werden.

Der Tod der Krankenschwester in Zwettl wurde inzwischen genau untersucht

Zehn Tage nach einer Impfung mit dem Vakzin gegen das Coronavirus von AstraZeneca war eine Krankenschwester aus Zwettl in Niederösterreich am 28. Februar 2021 an einem Blutgerinnsel verstorben. Zudem hatte eine 35-Jährige nach ihrer Impfung eine Lungenembolie bekommen. Ihr ging es laut Informationen aus dem Krankenhaus Zwettl nach einigen Tagen wieder besser.

Zunächst gingen die österreichischen Gesundheitsbehörden und die europäische Arzneimittelagentur EMA davon aus, dass es keinen Zusammenhang zwischen den Erkrankungen und dem Impfstoff gebe. Doch inzwischen arbeiten Forscher:innen aus verschiedenen Ländern zusammen, um herauszufinden, was genau hinter den Komplikationen steckt.

Österreich setzt nicht mehr auf Impfungen mit AstraZeneca. Als Begründung nannte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) die Lieferschwierigkeiten des schwedisch-britischen Pharmakonzerns. Für die zweite Dosis der Menschen, die eine erste Dosis Vaxzevria bekommen haben, seien genug Dosen vorrätig.

Für 2022 und 2023 seien zu 90 Prozent mRNA-Impfstoffe von BioNTech und Moderna bestellt worden, erklärte Mückstein in einem Interview. Die Entscheidung habe nichts damit zu tun, dass AstraZeneca etwa weniger wirksam wäre.

Vor fast drei Monaten hatte der Tod einer Krankenschwester im österreichischen Zwettl nach einer Impfung mit AstraZeneca für Aufsehen gesorgt.

Diese Symptome sind Warnsignale

Im ORF sagte Sabine Eichinger von der MedUni Wien am 19. März, dass sie AstraZeneca weiterhin für sicher hält. Doch Eichinger meint, dass starke Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schmerzen in den Beinen nach einer Impfung mit AstraZeneca als Alarmsignale gelten. "Wenn die typischen Beschwerden nach der Impfung wie Kopfschmerzen, Gliederschmerzen oder vielleicht auch Fieber nicht weggehen, wenn sich diese Beschwerden ändern oder wenn die Beschwerden weggehen und andere dann wieder kommen nach einem Zeitraum von vier bis fünf Tagen, dann müsste man hellhörig werden und gegebenenfalls ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen."

Sabine Eichinger, Expertin für Blutgerinnsel an der MedUni Wien, erklärt auch das Paradox, dass Thrombozyten, auch bekannt als Blutplättchen, Blutgerinnseln auslösen können. Niedrige Werte von Thrombozyten führen normalerweise zu Blutungen, nicht zu Gerinnung. "Man würde denken, dass niedrige Thrombozyten und Thrombosen eigentlich Gegensätze sind."

AstraZeneca in der Schweiz nach wie vor nicht zugelassen

Schon Anfang Oktober 2020 hatte der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca bei Swissmedic eine Zulassung des Impfstoffs gegen Covid-19 beantragt. Doch anders als für die Vakzine von BioNTech/Pfizer und Moderna, die seit Januar in der Schweiz verimpft werden, wurde die Zulassung bis Mitte April nicht erteilt.

Der Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen EKIF, Christoph Berger, erklärte gegenüber Nau.ch, dass die Impfkampagne in der Schweiz mit BioNTech/Pfizer und Moderna gut vorankomme. "Falls die Zulassung erst in Monaten erfolgt, brauchen wir den Impfstoff immer weniger", sagte Berger.

Empfehlung der EMA bleibt bestehen

Die europäische Arzneimittelagentur EMA bleibt bei ihrer Empfehlung, dass sich die Menschen ohne Einschränkung mit AstraZeneca impfen lassen sollten. Die EMA-Chefin, die Irin Emer Cooke, erklärte an diesem Mittwoch in Amsterdam, die Nutzen des Impfstoffs von AstraZeneca überschreiten die Nebenwirkungen des Vakzins bei weitem. "Die Corona-Pandemie fordert unverändert täglich Tausende Menschenleben in der EU, deshalb brauchen wir alle Impfstoffe, die wir zur Verfügung haben", erklärte Cooke.

Niederlande setzen AstraZeneca aus

Kurz vor Ostern haben die Niederlande entschieden, den Impfstoff von AstraZeneca nicht mehr bei unter 60-Jährigen einzusetzen und ab dem 7. April vorläufig ganz zu stoppen. Im Land wurden bei 400.000 Menschen, die mit dem Vakzin geimpft wurden, fünf Fälle der seltenen Hirnvenenthrombosen - darunter ein Todesfall - gemeldet. Offenbar waren alle Frauen im Alter zwischen 25 und 65 Jahren, bei denen sich 7 bis 10 Tage nach der Impfung die schlimmen Blutgerinnsel bildeten.

Der Anteil an Fällen entspricht in etwa der Rate in anderen europäischen Staaten.

Horst Seehofer wollte kein AstraZeneca

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn hatte sich auf einer Pressekonferenz in Berlin dazu geäußert, dass er seinen älteren Kabinettskolleg:innen dazu geraten hat, sich mit AstraZeneca impfen zu lassen. Er selbst werde das auch tun, wenn er an der Reihe sei.

Der 71-jährige Innenminister war am Gründonnerstag der Aufmacher der digitalen BILD: "Horst Seehofer will sich NICHT mit AstraZeneca impfen lassen", hieß es. Er wolle den Impfstoff an sich nicht bewerten, sagte Seehofer gegenüber BILD, aber er erklärte: "Ich lasse mich nicht bevormunden."

Auch Horst Seehofer habe die Wahl, sich impfen zu lassen oder nicht, sagte Jens Spahn später.

Am 10. Mai 2021 wurde bekannt, dass sich Horst Seehofer - trotz einer Erstimpfung mit BioNTech - mit dem Coronavirus infiziert hat. Er wurde dann mindestens vier Wochen lang positiv getestet, wie Seehofer in einem Interview Ende Juni erklärte.

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Internetseite der BILD am 1. April 2021Screenshot

Mario Draghi und seine Frau mit AstraZeneca geimpft

Italiens Regierungschef Mario Draghi (73) und seine Frau Maria Serenella Cappello sind in Rom mit AstraZeneca geimpft worden. Das hat der Presseberater des Ministerpräsidenten mitgeteilt.

Schon Mitte März war Staatsprasident Sergio Mattarella (79) mit dem Vakzin des US-Herstellers Moderna gegen Covid-19 geimpft worden. Einige in Italien gingen dann davon aus, dass dies der beste Impfstoff sei. Da wollte Mario Draghi offenbar ein Zeichen setzen. Zusammen mit seiner Frau wartete er am Bahnhof Roma Termini darauf, dass er geimpft wurde.

Was sind Sinusvenenthrombosen?

Die Sinusvenen transportieren sauerstoffarmes Blut aus dem Kopf zum Herz. Durch die Sinusvenenthrombose verstopfen Blutgerinnsel die Sammelvenen des Gehirns - und können eventuell einen Schlaganfall verursachen. Bei dieser sehr seltenen Thromboseform gibt es einen Mangel an Blutplättchen sowie Blutungen.

Das Paul-Ehrlich-Institut rät, dass mit AZD1222 oder Vaxzevria von AstraZeneca Geimpfte, die starke und andauernde Kopfschmerzen haben oder punktförmige Hautblutungen, sofort zu einer Ärztin oder einem Arzt gehen sollen.

Thrombosen kommen ansonsten besonders bei bettlägerigen Menschen, frisch Operierten oder auch Reisenden vor, die lange Zeit, ohne sich zu bewegen, sitzen. Rauchen, Übergewicht, Gefäßverkalkung, die Pille zur Verhütung und Diabetes gelten als weitere Risikofaktoren.