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Muezzinruf in Köln sorgt für Kritik

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Von Andrea Büring
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Ditib-Moschee in Köln Ehrenfeld (25.1.2019)
Ditib-Moschee in Köln Ehrenfeld (25.1.2019)   -   Copyright  OLIVER BERG/AFP
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In Köln dürfen Moscheengemeinden von nun an zum Freitagsgebet rufen. Das Modellprojekt ist zunächst auf zwei Jahre begrenzt und betrifft 35 muslimische Gemeinden. Allerdings gibt es Auflagen: Der Muezzinruf darf nicht länger als fünf Minuten ausgestrahlt werden und eine bestimmte Lautstärke nicht übersteigen.

Murat Şahinarslan, Direktor des MoscheeForum Köln, sagte:

So laut wie die Kirchenglocken wird es natürlich nicht sein, aber symbolisch denke ich schon, dass es ein weiterer Schritt ist.

Rund 5,5 Millionen Moslems leben in Deutschland, in Köln sind es 120.000, also zwölf 12 Prozent der städtischen Bevölkerung.

Streitpunkt Ditib-Moschee

Die neue Ditib-Moschee in Köln, die größte Deutschlands, hatte in der Domstadt für große Kontroversen gesorgt. Das Gotteshaus hat eine 35 Meter hohe Kuppel und zwei Minarette, die 55 hoch sind. Im Inneren gibt es Platz für 1.200 Gläubige.

Die Architekten kamen nicht zur Einweihung - die eigentlich schon für 2012 geplant war - aus Protest gegen den Einfluss des türkischen Staates. Auch die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker nahm nicht teil. Sie und auch der Bezirksbürgermeister von Köln-Ehrenfeld wollten bei der Einweihung der Ditib-Moschee reden, aber das durften sie nicht.

Die Ditib ist die größte Islam-Dachorganisation in Deutschland. Sie untersteht der Religionsbehörde Diyanet in Ankara, die alle Imame in die rund 900 Moscheegemeinden entsendet und bezahlt. Wegen ihrer großen Nähe zum türkischen Präsidenten ist der Bundesverband mit Sitz in Köln in die Kritik geraten. Die Ditib - Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion - war lange wichtiger Ansprechpartner der deutschen Politik auch in Fragen der Integration. Das hat sich aber in den vergangenen Jahren deutlich geändert.

Das sorgte in der Vergangenheit für Anfeindungen.

Reker: "Toleranz leben"

Aller Kritik zum Trotz pocht die Oberbürgermeisterin auf das weltoffene Image der Karnevalshochburg.

Die Kölschen singen von Toleranz, die lieben die Toleranz und jetzt werden sie sie auch leben.
Henriette Reker
Oberbürgermeisterin von Köln

Ganz unumstritten ist der Modellversuch jedoch nicht. Das Pilotprojekt sorgt für heftige Diskussionen in den sozialen Medien. Der Hashtag #Muezzinruf trendet auf Twitter.

Einer Umfrage zufolge ist eine Mehrheit der Deutschen (61 Prozent) gegen eine generelle Erlaubnis des islamischen Gebetsrufes. Dennoch bilden Muslime nach dem Christentum die zweitgrößte religiöse Gruppe des Landes.