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Studie: Deutsche sitzen immer mehr und können schlechter mit Stress umgehen

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Von euronews mit dpa
Gesundheitsrisiko Sitzen: Die Deutschen verbringen immer Zeit auf ihrem Hinterteil
Gesundheitsrisiko Sitzen: Die Deutschen verbringen immer Zeit auf ihrem Hinterteil   -   Copyright  Pixabay
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Die Deutschen haben 2021 einen neuen Rekord aufgestellt, einen traurigen, sie leben immer ungesünder. Laut einer Befragung der Deutschen Krankenversicherungs AG und der Deutschen Sporthochschule Köln verbringen die Menschen in der Bundesrepublik immer mehr Zeit im Sitzen und können Stress immer schlechter abbauen. Die Hochschule hat im Auftrag des Versicherers die Daten von rund 2800 repräsentativ befragten Menschen ab 18 Jahren ausgewertet.

Demnach sitzen die Deutschen durchschnittlich 8,5 Stunden pro Tag, das ist eine Stunde mehr als noch 2018. Besonders besorgniserregend sei, dass junge Erwachsene sich noch weniger bewegten als der Durchschnitt: Sie sitzen rund 10,5 Stunden pro Tag. Zudem hätten nur noch 40 Prozent der Befragten angegeben, dass sie mit Stress gut umgehen können beziehungsweise, dass sie wirksame Strategien hätten, um Stress abzubauen.

Pandemie hinterlässt Spuren

Pandemiebedingtes Homeoffice und mangelnde soziale Kontakte durch die Lockdowns haben ihre Spuren hinterlassen, heißt es in dem Bericht. Nur noch jede:r neunte Bürger:in - ein Tiefstand seit 2010 - führe einen "rundum gesunden" Lebensstil mit Blick auf Ernährung, körperliche Aktivität, Rauchen, Alkoholkonsum und Stresslevel, heißt es weiter in dem Bericht. "Frauen sind im Vergleich zu Männern belasteter", erläutert Studienleiter Ingo Froböse unter Hinweis auf Arbeitsbelastung mit Kinderbetreuung und Homeschooling.

Nach den Ergebnissen der Befragung sind rund 70 Prozent der Bürger und Bürgerinnen gemäß den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO mehr als 300 Minuten pro Woche körperlich aktiv. Bei der Arbeit, in der Freizeit oder beim "Transport" - also auf dem Weg von einem Ort zum anderen. Das klingt zwar zunächst gut, 2010 waren es aber noch 83 Prozent.

11 Prozent "macht nix"

Und 11 Prozent stuft die Befragung als "Minimalisten" ein, die gerade mal 150 bis 300 Minuten pro Woche körperlich in Bewegung sind. Fast jeder fünfte Deutsche - 19 Prozent - unterschreitet sogar 150 Minuten körperliche Aktivität. Diese inaktive Gruppe mache ihm große Sorgen, unterstrich Froböse. "Die machen nix." Mit körperlicher Aktivität sind physische - moderate wie intensive - Tätigkeiten im Job oder im Alltag gemeint, die stimulierend wirken. Es geht also keineswegs nur um reinen Sport.

Deutsche schätzen ihren Lebensstil als zu gesund ein

Auffällig stark klaffen die erhobenen Werte mit der Selbsteinschätzung der Befragten auseinander: Aktuell stufen unverändert 61 Prozent ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut ein. Nach Einschätzung von Muth ist diese krasse Diskrepanz auch ein Beleg dafür, dass viele Menschen kein ausreichendes Bewusstsein für einen gesunden Lebensstil haben.

Unter den "rundum gesund" Lebenden schneiden Frauen mit einem Anteil von 14 Prozent besser ab als Männer mit 9 Prozent. Bei den Bundesländern hat Sachsen (18 Prozent) die Nase vorn, gefolgt von Hamburg, Brandenburg und Rheinland-Pfalz/Saarland. Im Mittelfeld liegen Bayern, Niedersachsen/Bremen, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern. Die Analyse ergibt, dass die Bürger und Bürgerinnen in Nordrhein-Westfalen (7 Prozent) am wenigsten auf einen gesunden Lebensstil achten.

Erstmals habe man auch auf die Metropolen geschaut, schilderte Muth: Top sei Hamburg mit 17 Prozent. Das Schlusslicht beim gesunden Lebensstil bilde Köln mit nur 4 Prozent.

Spazier-Trend nimmt ab

Bei der Ernährung ist weiterhin die knappe Hälfte gesund unterwegs, wobei als Richtschnur die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung gelten. Frauen kommen auf bessere Werte als Männer - so essen sie beispielsweise zu drei Vierteln täglich Obst und Gemüse. Alkohol konsumieren 82 Prozent verantwortungsvoll - also gar nicht oder nur gelegentlich mal ein Glas Wein oder Bier. Fast jeder Fünfte trinkt demnach zu viel. Zur Zigarette greift nahezu unverändert knapp ein Viertel der Befragten.

Positiv in der Corona-Zeit: Fast jeder Zweite gibt an, in der Pandemie mehr Spazieren zu gehen. Froböse zufolge nimmt der Trend aber schon wieder ab. Die Politik habe Sport in der Corona-Krise "in die Ecke gerückt" und mit Blick auf Infektionsrisiken als "gefährlich" dargestellt. Das sei falsch gewesen und werde Spuren hinterlassen.