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Corona-Krise bremst HIV-Bekämpfung

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Von Julika Herzog  mit dpa
Corona-Krise bremst HIV-Bekämpfung
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Die Corona-Krise hat dramatische Auswirkungen auf die Eindämmung des HI-Virus. Zum Welt-Aids-Tag warnen Gesundheitsexperten, dass deutlich weniger Menschen auf das Aids-Virus HIV getestet worden seien. Außerdem habe sich die Versorgung der Erkrankten durch die Pandemie verschlechtert.

Die Bekämpfung von HIV sei zwar schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie weltweit zu langsam fortgeschritten. Doch aufgrund von Covid-19 habe die HIV-Eindämmung einen weiteren Rückschlag erlitten, sagte die Geschäftsführerin der Deutschen Aidshilfe Silke Klumb vor dem Welt-Aids-Tag am 1. Dezember.

In der Demokratischen Republik Kongo zum Beispiel wurden Ressourcen umverteilt und HIV-positive Menschen wie Jean Louis und seine Frau Odette klagen über mangelnde Versorgung.

"Früher haben wir Essensrationen bekommen, die gibt es jetzt nicht mehr, das ist vorbei. Die medizinische Versorgung, die Finanzierung im HIV-Bereich, all das gibt es nicht mehr", berichtet Jean-Louis Kopema.

Ein vor kurzem veröffentlichter Bericht des UN-Programms UNAIDS und anderer Hilfsorganisationen besagt, dass es im vergangenen Jahr weltweit einen mehr als zehnprozentigen Rückgang von HIV-Tests und HIV-Präventionsmaßnahmen gegeben habe. Als Folge hätten viele mit HIV-infizierte Menschen ihre Behandlung sehr spät begonnen.

"In Bezug auf die Versorgung sind wir stark von Außen abhängig, die Medikamente kommen aus dem Ausland. Wir müssen immer nach Medikamenten fragen, damit wir keine Versorgungsunterbrechung haben. Und was die Finanzierung angeht: mit dem Aufkommen von COVID-19 und Ebola sind die Gelder weggebrochen", erzählt Munsana Gashinge, Regionalkoordinator des nationalen HIV/AIDS-Programms.

Das hat auch Folgen für andere Krankheiten, wie gerade die neue Coronavirus-Variante Omikron nahelegt. Experten halten es für möglich, dass sich Omikron bei einem HIV-Infizierten entwickelt hat. Bei schlecht therapierten HIV-Patienten ist das Immunsystem sehr geschwächt, und in Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann sich ein Virus wie das Coronavirus über viele Wochen vermehren. 

Die unfaire Corona-Impfstoffverteilung führt dazu, dass Menschen im südlichen Afrika, wo die Mehrheit der HIV-Infizierten lebt, bislang mangels Impfstoff kaum gegen das Coronavirus geimpft werden konnten. Zwei Drittel aller Menschen mit HIV leben in Afrika südlich der Sahara - dort hatten bis Mitte des Jahres erst drei Prozent der Bevölkerung mindestens eine Impfdosis erhalten.

Seit der Entdeckung des HI-Virus 1984 sind weltweit mehr als 35 Millionen Menschen wegen einer Infektion damit gestorben. Die Vereinten Nationen haben das Ziel, Aids bis 2030 zu beenden. Allerdings wurden alle für 2020 gesetzten Zwischenziele verpasst. Wenn Behandlungsprogramme auf dem Niveau von 2019 beibehalten werden, sterben bis 2030 zusätzlich 7,7 Millionen Menschen durch eine HIV-Infektion.