Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Klimaneutrales Hähnchenfleisch? Rewe erntet den "Goldenen Windbeutel"

Access to the comments Kommentare
Von Cornelia Trefflich
Kundin vor einem Kühlregal mit Geflügelfleisch
Kundin vor einem Kühlregal mit Geflügelfleisch   -   Copyright  TOLGA AKMEN/AFP or licensors

Die Supermarktkette "Rewe" erhält in diesem Jahr den "Goldenen Windbeutel" für sein als "klimaneutral" angepriesenes Hähnchenbrustfilet.

Mit dem "Goldenen Windbeutel" zeichnet die Verbraucherschutzorganisation "Foodwatch" die unverschämteste Werbelüge des Jahres aus. Interessierte Verraucher:innen konnten online darüber abstimmen. In diesem Jahr wählten 28% der 63.000 Teilnehmer:innen Rewes klimaneutrales Hähnchenbrustfilet aus.

"Klimaneutrales" Geflügelfleisch?

Im Dezember 2020 bewarb der Konzern sein "Klimaneutral hergestelltes Geflügelfleisch" der Eigenmarke Wilhelm Brandenburg, das in mehr 520 Rewe-Märkten in ganz Deutschland angeboten wird. Rewe erklärte zudem, der erste Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland zu sein, der klimaneutrales Frischgeflügelfleisch in seinem Sortiment habe.

"Foodwatch" nominierte die Werbung für den "Goldenen Windbeutel" und begründete die Auswahl damit, dass die Herstellung des Fleisches nicht gerade emissionsfrei sei. Außerdem würde der anfallende CO2-Ausstoß nicht adäquat ausgeglichen.

Das zweifelhafte Geschäft mit den CO2-Kompensationsprojekten

Rewe verteidigt sein "klimaneutrales" Fleisch: die anfallenden Emissionen würden über ein CO2-Kompensationsprojekt in Peru reduziert. Nachforschungen der Organisation "Foodwatch" ergaben allerdings, dass das angegebene Projekt zum Waldschutz in Peru (Tambopata) die Bedingungen nur unzureichend erfüllt.

Auf diese Weise rechne Rewe seine Fleischproduktion mit zweifelhaften CO2-Zertifikaten "klimafreundlich" und täusche damit umweltbewusste Verbraucher:innen, so "Foodwatch", die die Kette daraufhin mit einer Abmahnung wegen "irreführender Werbung" bedacht hatte.

Bereits Mitte November hatte Foodwatch fünf Kandidaten für den diesjährigen "Goldenen Windbeutel". Dazu zählten unter anderem "Klimaneutral zertifiziertes" Volvic-Wasser in Plastik-Einwegfalschen, "biologisch abbaubare" Mövenpick-Kaffeekapseln, Katjes "Wunderland+Vitamine" Fruchtgummis, deren Zuckergehalt bei 60% liegt, der Proteinriegel "Clean Protein Bar", dessen Verpackung als "plastikfrei, biologisch-abbaubar und umweltfreundlich" beworben wird.

2020 hatte der "Grünländer Käse" von Hochland den Negativpreis gewonnen. Hochland hatte ihn mit "Milch von Freilaufkühen" angepriesen, Nachforschungen ergaben allerdings, dass die Kühe aus Stallhaltung stammten. Die Tiere konnten sich nach Angaben der Herstellers dort bewegen. Eine Weide haben sie jedoch nicht gesehen.

2019 bekamt die Tomaten-Sauce für Kinder von Zwergenwiese den "Goldenen Windbeutel". Foodwatch hatte herausgestellt, dass sie mehr als doppelt soviel Zucker enthält wie die Sauce für Erwachsene. Der Hersteller hatte sein Produkt damit verteidigt, dass kein "Kristallzucker" zugesetzt worden sei.

Seit 2009 vergibt die Verbraucherschutzorganisation "Foodwatch" den Negativpreis.