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Gedenken: 5 Jahre Anschlag am Breitscheid-Platz - "Staat steht in Ihrer Schuld"

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Von su  mit dpa
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Gedenken: 5 Jahre Anschlag am Breitscheid-Platz - "Staat steht in Ihrer Schuld"
Copyright  TOBIAS SCHWARZ/AFP or licensors

Fünf Jahre nach dem islamistischen Terroranschlag auf dem Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche haben Politiker und Angehörige von Opfern an die Schreckenstat erinnert, die 13 Menschen das Leben kostete. Dutzende wurden verletzt.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier räumte am Sonntagabend bei einer Andacht in der Kirche Fehler des Staates ein.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier:

"Wir müssen uns eingestehen: Der Staat hat sein Versprechen auf Schutz, auf Sicherheit und Freiheit nicht einhalten können. Er steht in Ihrer Schuld, in der Schuld der Opfer, der Verletzten und Ihrer Angehörigen. Er steht in der Pflicht, die Fehler, Versäumnisse und Probleme auszuräumen, die dazu beigetragen haben, dass dieser Anschlag nicht verhindert werden konnte."

Der Anschlag habe die Hinterbliebenen in Schmerz und Trauer gestürzt, so Steinmeier weiter, «der Riss des 19. Dezember 2016 teilt Ihr Leben in ein Davor und ein Danach». Der
Anschlag «galt unserer Art zu leben: in Frieden, Freiheit und
Demokratie». Diese dürfe man sich nicht nehmen lassen.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte zuvor erklärt: «Der Staat muss wehrhaft sein und seine Bürgerinnen und Bürger schützen.» Beide erinnerten an den tiefen Schmerz der Angehörigen.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller sagte in der Kirche: «Auch wenn wir wachsam bleiben müssen, werden wir unser Leben nicht von Angst und Hass bestimmen lassen.» Die Terroristen «haben keinen Sieg davon getragen».

Eine Frau, die ihren Vater bei dem Anschlag verlor, sprach in einer kurzen Rede am Mahnmal von einem «ewigen Schmerz». Für die Opfer gebe es ein Recht auf Aufklärung. «Seien wir alle wach und wachsam.»

13 GLOCKENSCHLÄGE

Nach der Andacht versammelten sich etwa 200 Menschen zum Gedenken an dem Mahnmal an den Stufen hinter der Kirche. Die Beleuchtung am Weihnachtsmarkt wurde ausgeschaltet, es wurde
still. Die Namen der Opfer wurden vorgelesen. Kurz nach 20.02 Uhr, dem Zeitpunkt des Anschlags, läutete eine Kirchenglocke 13 Mal. 

Am 19. Dezember 2016 war ein islamistischer Terrorist (Anis Amri) in einem gewaltsam entführten Lastwagen in den Weihnachtsmarkt gefahren. Der Attentäter floh nach Italien, wo er von der Polizei erschossen wurde. Sein Gefahrenpotential wurde von den europäischen Behörden trotz zahlreicher Hinweise nicht erkannt - unter anderem, weil es ihm gelang, 14 unterschiedliche Identitäten zu benutzen.

su mit dpa