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Covid-19 wie eine Grippe behandeln: Was bedeuten die Pläne aus Spanien im Detail?

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Von Alexandra Leistner
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Grundschulen in Spanien haben Mitte Januar den Unterricht wieder begonnen - nach einer verlängerten Winterpause.
Grundschulen in Spanien haben Mitte Januar den Unterricht wieder begonnen - nach einer verlängerten Winterpause.   -   Copyright  Emilio Morenatti/AP

"Gripalisar la Covid", ist das die neue Strategie in der Corona-Politik? Spanien hat eine neue Debatte angestoßen, die auf einen anderen Umgang mit Covid-19 abzielt. Was im Deutschen mit "Grippalisierung" übersetzt wird, zielt auf ein verändertes Management mit der seit über zwei Jahren grassierenden Krankheit ab, der dem mit der herkömmlichen Grippe ähnelt.

Doch was bedeute das konkret? Kann man eine Pandemie durch eine neue Strategie zu einer Endemie machen oder muss sich die Krankheitslage erst verändern, damit man das tun kann?

Mitten in der sechsten Welle in Spanien und angesichts hoher Impfzahlen plant die spanische Regierung, eigenen Angaben nach, die Strategie im Management von Covid-19 zu verändern. Zwar gibt es derzeit neue Rekorde bei den Infektionszahlen, doch die Verläufe sind milder und auch die Sterblichkeit in der aktuellen Omikron-Welle sei niedrig, erklärte der spanische Regierungschef Pedro Sanchez zuletzt erleichtert.

Der Ministerpräsident bestätigte Berichte wonach die linke Koalition aus Sanchez' PSOE und der linken Unidas Podemos seit mehreren Wochen an der Ausarbeitung einer alternativen Strategie in der Covid-Politik arbeitet.

Allerdings Sanchez hat die Pläne im Detail noch nicht konkret erklärt. So ist etwa offen, welche Veränderungen es genau geben soll und wann diese kommen könnten. Die Zeitung El Pais erwartet, dass mit dem Strategiewechsel bis zum Ende der sechsten Welle gewartet wird.

Normalisieren und Überwachen - Zukunftsmusik?

Wie die Nachrichtenagentur EFE berichtete, würde sich mit der Grippalisierung von Covid zum einen ändern, wie die Fallzahlen zustande kommen. Covid-Fälle müssten dann nicht mehr einzeln dokumentiert und gemeldet werden, sondern ausgewählte Ärzt:innen und Kliniken würden einzelne Fälle melden und die Gesamtzahl der Infektionen für das Land würden dann hochgerechnet - so wie es bei anderen Krankheiten bereits der Fall ist.

Sanchez will das Konzept auch auf EU-Ebene diskutieren: "Es handelt sich um eine Debatte, die wir bereits auf EU-Ebene anzustoßen versuchen; die Gesundheitsministerin (Carolina Darias) hat sie bei verschiedenen europäischen Gesundheitsministern angesprochen", sagte Sánchez in einem Interview am Montag mit den spanischen Radiosender Cadena SER.

Darauf angesprochen sagte der deutsche Kanzler Olaf Scholz am Montag in Madrid, die Pandemie werde nicht in einem Land alleine beendet. Spanien habe eine hohe Impfquote, das sei "sehr vorbildlich", so Scholz. Es sei jetzt aber auch vorbildlich. In Deutschland konzentriere man sich derzeit auf die Drittimpfung und auf Abstandsregelungen.

Das "kluge Manövrieren" durch die Krise vereine Deutschland und Spanien.

Wie entwickelt sich die Krankheit?

In Spanien wurden einige Protokoll bereits gelockert: So müssen sich Personen ohne Symptome ab sofort nicht mehr auf das Coronavirus testen lassen, die Quarantäneregelungen wurden gelockert. Doch die Pandemie ist auch in Spanien trotz einer Impfrate von 80,6 Prozent längst nicht vorbei. Wegen der hohen Anzahl an Neuinfektionen rechnet man auch in dem Land auf der iberischen Halbinsel mit bald überfüllten Krankenhäusern und Problemen für die kritische Infrastruktur.

Natürlich muss bei dem Plan der spanischen Regierung auch die Entwicklung des Virus eine Rolle spielen. Sollte eine neue Variante auftauchen, die das Infektionsgeschehen erneut auf den Kopf stellt, dürfte Madrid an seinen Plänen noch einmal justieren. Sanchez sagte am Montag, es ginge darum, einen Plan für nach der Pandemie parat zu haben.

Bis dahin liegt die Entscheidung über den Strategie-Wechsel aber bei den Verantwortlichen des spanischen Zentrums für die Koordinierung von Warnungen und gesundheitlichen Notfällen (CCAES) sowie dem zuständigen Parlamentsausschuss.