Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Twitter verteidigt sich mit "Giftpille" gegen Musks Übernahmepläne

Access to the comments Kommentare
Von su  mit dpa, AP
euronews_icons_loading
©
©   -   Copyright  Patrick Pleul/(c) dpa-Zentralbild POOL

Der Kurznachrichtendienst Twitter versucht, die Übernahme durch Milliardär Elon Musk mit einer sogenannten „Giftpille“ zu vereiteln. Das geht so: Vorstände überschwemmen zur Abwehr den Finanzmarkt mit so vielen neu geschaffenen Aktien, dass eine Übernahme unerschwinglich wird.Die Verteidigung sieht vor, dass andere Aktionäre zusätzlich Anteile günstig kaufen können, wenn ein Aufkäufer die Marke von 15 Prozent überschreitet. Der Plan solle für ein Jahr gelten, so der Twitter-Verwaltungsrat. Eine Ausnahme wäre, wenn ein Deal vom Aufsichtsgremium abgesegnet wird.

Paul Harloff, Associated Press-Redakteur für globale Märkte:

„Das macht es einfach viel teurer für ihn, das Unternehmen zu kaufen. Das bedeutet nicht, dass Twitter am Ende keinen Deal mit ihm aushandelt, aber sie können etwas mehr mitreden und ihn zwingen, sein Gebot zu erhöhen - obwohl er ja gesagt hat, dass 54,20 Dollar je Aktie sein letztes Angebot sei. Aber er ist dafür bekannt, dass er auch mal seine Meinung ändert, also könnte er was drauflegen."

MEINUNGSFREIHEIT

Musk, unter anderem Vorstandschef (CEO) des Elektroautoherstellers Tesla, hält derzeit einen Anteil von rund 9 Prozent. Er hat öffentlich gesagt, dass sein Gebot von 43 Milliarden US-Dollar (40 Milliarden Euro) sein bestes und letztes Angebot sei. Er führt an: Nur abseits der Börse könne Twitter sein Potenzial als Plattform für Meinungsfreiheit entfalten. Seine Vorstellung von Redefreiheit umriss Musk so: «Wenn jemand, den man nicht mag, etwas sagen darf, was man nicht mag.» Im Rahmen der Gesetze sollten alle Meinungen erlaubt sein.

Dan Ives, Analyst der Vermögensverwaltung Wedbush (Los Angeles): 

„Dies ist sowas wie ein magischer Moment, um mitzukriegen, wie Geschichte passiert. Ich meine, einen Musk, der im Alleingang versucht, Twitter zu kaufen, hatte für 2022 niemand auf dem Schirm. Aber wegen des Themas Meinungsfreiheit ist das jetzt sehr umstritten und Musk wird selbst zum Thema: Warum versucht der reichste Mensch der Welt, sich Twitter einzuverleiben?“

Die Börse glaubt offenbar nicht an einen Erfolg Musks: Normalerweise steigt der Kurs bei Übernahmeplänen in Richtung des Gebots - doch am Donnerstag gab die Twitter-Aktie um 1,5 Prozent nach auf 45,18 Dollar. Am Freitag ging es weiter runter an die Marke von 45 Dollar.

Musk selbst räumte Zweifel ein. «Ich bin nicht sicher, dass ich tatsächlich in der Lage sein werde, es zu kaufen», sagte er am Donnerstag. Er habe aber «technisch gesehen» die nötigen Mittel, um den über 40 Milliarden Dollar (37 Milliarden Euro) schweren Deal durchzuziehen, betonte der 50-Jährige. In den vergangenen Wochen hat er bereits einen Anteil von 9,2 Prozent an Twitter zusammengekauft.

Musk ist zwar der mit Abstand reichste Mensch der Welt. Sein Vermögen wird vom Finanzdienst Bloomberg auf Basis jüngster Aktienkurse auf 251 Milliarden Dollar (232 Milliarden Euro) geschätzt. Den Reichtum machen hauptsächlich Beteiligungen am Elektroauto-Hersteller Tesla und der Raumfahrtfirma SpaceX aus. Für einen Twitter-Kauf müsste eralso entweder Aktien abstoßen oder Kredite mit den Beteiligungen als Sicherheit aufnehmen.

Musks Begründung für seinen Einstieg sorgte für Kritik bei Experten wie dem früheren Facebook-Sicherheitschef Alex Stamos. Man erhöhe den Wert einer Plattform nicht, indem man sie zu 99,9 Prozent mit Pornografie sowie Anzeigen für gefälschte Marken-Sonnenbrillen und Potenzmittel befüllen lasse.

NEUE CHANCE FÜR "GEBANNTEN" DONALD TRUMP?

In den vergangenen Jahren waren es in den USA vor allem die Konservativen und allen voran die Anhänger von **Ex-Präsident Donald **Trump, die Twitter und anderen Online-Plattformen wie Facebook «Zensur» vorwarfen. Dabei ging es meist um Maßnahmen gegen die Verbreitung falscher Informationen über das Coronavirus sowie Trumps falscher Behauptungen, ihm sei der Sieg bei der Präsidentenwahl 2020
gestohlen worden. Trump wurde bei Twitter gebannt. Das Management betonte bisher, dass es für den Ex-Präsidenten keinen Weg zurück auf die Plattform gebe. Musks Ansätze könnten Trump mit Blick auf eine

erneute Kandidatur bei der Präsidentenwahl 2024 nun aufhorchen lassen: Er finde vorläufige «Timeouts» besser als permanente Ausschlüsse, sagte Musk ganz allgemein. 

Musk hatte in der Anfangszeit die Gefahren durch das Corona-Virus selbst heruntergespielt undEinschränkungen in Kalifornien als «faschistisch» kritisiert. Der Tesla-Chef hat mehr als 80 Millionen Follower bei Twitter. In einem Tweet ließ er durchblicken, dass er das aktuelle Geschäftsmodell von Twitter mit Werbung als zentraler Einnahmequellegern durch Abo-Einnahmen ersetzen würde. Auf Anzeigenerlöseangewiesen zu sein, gebe großen Konzernen zu viel Macht.

su mit dpa, AP