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Tote bei Angriff auf Odessa - Selenskyj droht mit Verhandlungsabbruch

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Von Euronews  mit AP, AFP, DPA
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Zerstörtes Wohnhaus in Odessa
Zerstörtes Wohnhaus in Odessa   -   Copyright  AP / Max Pshybyshevsky

Jetzt scheint im Süden Odessa verstärkt ins Visier des russischen Angriffs zu rücken, dort sind mehrere Menschen getötet worden. Auch im Osten gehen die Kämpfe weiter. Eine Evakuierung von Zivilisten aus Mariupol sollen russische Truppen verhindert haben.

Bei einem russischen Raketenangriff sind nach ukrainischen Behördenangaben in der südlichen Hafenstadt Odessa mindestens acht Menschen getötet worden. Neben anderen Gebäuden seien zwei Wohnhäuser getroffen worden.

Mindestens 18 Menschen seien verletzt worden. Unter den Todesopfern sei ein dreimonatiger Säugling, schrieb der Leiter der ukrainischen Präsidialverwaltung, Andrij Jermak, im Onlinedienst Telegram.

Russland bestätigte den Beschuss. Laut russichem Verteidigungsministerium habe man ein Logistikterminal auf dem Militärflugplatz bombadiert, in dem Waffen aus den USA und Europa gelagert hätten.

Der ukrainische Außenminister sieht das anders. Das einzige Ziel der russischen Raketenangriffe auf Odesa sei Terror, schrieb er auf Twitter und forderte, keine Geschäfte, keine Kontakte und keine kulturellen Projekte mit Russland einzugehen. Russland müsse als staatlicher Sponsor des Terrorismus bezeichnet und entsprechend behandelt werden, so Dmytro Kuleba.

Evakuierung von Zivilisten aus Mariupol verhindert?

Ein Video, das vom Asow-Regiment der ukrainischen Nationalgarde stammen soll und das sich nicht unabhängig prüfen lässt, soll Frauen und Kinder in dem belagerten Stahlwerk Azovstal zeigen, die sagen, dass ihnen "die Kräfte ausgehen" und sie dringend evakuiert werden müssen. In den unterirdischen Tunneln werden noch bis zu 2.000 ukrainische Kämpfer und Zivilisten vermutet.

Inzwischen sollen die russischen Streitkräfte ihre Luftangriffe auf das Stahlwerk - entgegen zuvor verlauteter Ankündigungen - wieder aufgenommen haben, den letzten Teil Mariupols, der noch nicht eingenommen ist.

Ein erneuter Versuch einer Evakuierung soll am Samstag von russischen Truppen verhindert worden sein. Nach Angaben von Pjotr Andrjuschtschenko, einem Berater des Bürgermeisters der Stadt, auf Telegram sollen russische Militärangehörige rund 200 Zivilisten auseinandergetrieben haben, sie sich in Erwartung von Evakuierungsbussen vor einem ehemaligen Einkaufszentrum versammelt hatten. Sie sollen gesagt haben "es wird jetzt bombardiert". Frühere Evakuierungsversuche sind wiederholt an den schweren Kämpfen gescheitert.

Selenskyj: US-Delegation besucht Kiew

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hielt am Samstag eine Pressekonferenz in der Kiewer U-Bahn-Station ab. Dort verkündete er überraschend den Besuch einer hochrangigen US-Delegation an diesem Sonntag.

"Ich denke nicht, dass es ein großes Geheimnis ist. Morgen werde ich ein Treffen mit dem US-Verteidigungsminister Lloyd Austin und mit Außenminister Antony Blinken haben" sagte Selenskyj. Austin wird am Dienstag auch auf dem US-Stützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz erwartet.

Selenskyj leitete die Pressekonferenz mit den Nachrichten aus Odessa ein und beklagte den Tod des Säuglings bei den Angriffen. "Der Krieg begann, als dieses Baby einen Monat alt war. Können Sie sich vorstellen, was hier passiert? Das sind einfach Bastarde. Ich habe keine anderen Worte dafür, einfach Bastarde", sagte er.

Auf die Frage nach den eingeschlossen Menschen in dem Stahlwerk erklärte Selenskyj: "Wir haben gesagt, dass wir zu jeder möglichen Form des Austauschs für unsere Leute bereit sind, die in dieser schrecklichen Situation gefangen sind, in einer so blutigen Umgebung. Aber als der russische Präsident vor kurzem sagte - mir wurde seine Botschaft gezeigt -, dass 'dort eine Zitadelle verbleibt, die nicht angegriffen wird, fingen sie nur zwei Stunden später an, sie doch zu bombardieren. Die Frage des Vertrauens steht nicht mehr zur Debatte, lassen Sie uns wenigstens einen pragmatischen Dialog führen".

Weitere Massengräber Nahe Mariupol

Nachdem per Satellitenaufnahmen ein mögliches Massengrab in Manhush bei Mariupol identifiziert worden war, sollen nun neue Gräber entdeckt worden sein, ebenfalls in einem Dorf in der Nähe der Hafenstadt, in Vynohradne, zwölf Kilometer östlich.

Die von der US-amerikanischen Firma Maxar Technologies aufgenommenen Satellitenbilder zeigen die Erweiterung eines zweiten Friedhofs in der Nähe der belagerten ukrainischen Stadt Mariupol im vergangenen Monat, wobei mehrere lange Gräben vorbereitet werden, die wahrscheinlich zu neuen Massengräbern werden.

Auch an anderen Orten des Landes seien durch russische Attacken Menschen getötet oder verletzt worden, hieß es. Im ostukrainischen Gebiet Luhansk wurden in der Siedlung Solote am Samstag 2 Menschen getötet und 2 verletzt, wie Gouverneur Serhij Hajdaj per Telegram mitteilte. Im benachbarten Gebiet Donezk wurden der Gebietsverwaltung zufolge am Freitag 3 Menschen getötet und 7 verletzt. Im Charkiwer Gebiet hat Gouverneur Oleh Synjehubow am Morgen über 2 Tote und 19 Verletzte innerhalb der vergangenen 24 Stunden informiert.

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