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Zeit, nach Russland zu ziehen? Moskau lockt mit "schönen Frauen" und "billigem Gas"

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Von Alexandra Leistner
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Die russische Botschaft in Spanien hat ein Video bei Twitter veröffentlicht, in dem für einen Umzug nach Russland geworben wird.
Die russische Botschaft in Spanien hat ein Video bei Twitter veröffentlicht, in dem für einen Umzug nach Russland geworben wird.   -   Copyright  Twitter @EmbajadaRusaEs

"Wenn die Russen dieses Video nicht verbreiteten, dann würde ich denken, es ist Satire" - mit diesem und ähnlichen Kommentare haben Nutzerinnen und Nutzer in den sozialen Medien auf ein Video aus Moskau reagiert, das den Titel "Move to Russia" (übersetzt: Zieht nach Russland) trägt.

Die russischen Botschaften in Spanien und Bangladesch hatten das Video, in denen Europäern ein Umzug nach Russland vor dem Winter schmackhaft gemacht werden soll, am 28 Juli veröffentlicht. Auf Telegram wurde es von offiziellen Kanälen russischer Vertretungen verbreitet. Die Reaktionen reichen von Lob und Kritik über Spott hin zu einer gewissen Fassungslosigkeit.

In dem Video sind Aufnahmen aus Russland mit einer Stimme hinterlegt, die das Land in den höchsten Tönen und mit zahlreichen Adjektiven bewirbt. Der Text geht so: "Das ist Russland: Leckere Küche, schöne Frauen, billiges Gas, reiche Geschichte, weltberühmte Literatur, einzigartige Architektur, fruchtbare Böden, günstige Elektrizität und Wasser, Ballett, günstige Taxis und Lieferservice, traditionelle Werte, Christentum, keine Cancel Culture, Gastfreundschaft, Wodka, eine Wirtschaft, die Tausende Sanktionen überlebt. Zeit, nach Russland zu ziehen! Jetzt keine Zeit verlieren, der Winter naht."

"Der Winter naht" (Winter is coming) ist eine Anspielung auf die US-Serie Game of Thrones, in der die Phrase etwa gleichzusetzen ist mit, 'etwas Schlimmes wird passieren'.

Mit Cancel Culture ist eine Art Entzug von einer großen Unterstützung  - auch ein sozialer Ausschluss - etwa für eine öffentliche Person gemeint, die Dinge getan hat, die als gesellschaftlich inakzeptabel angesehen werden. Meist kommt es zum "Canceln" in sozialen Medien.

In Russland gab es zuletzt mehrere Berichte über Prozesse und Geldstrafen gegen Personen, die sich in sozialen Netzwerken gegen den Krieg in der Ukraine aussprachen - und so das russische Militär "diskreditiert" hätten. 

Die russische Wirtschaft hat entgegen dem, was in dem Video suggeriert wird, extrem unter denen von Westen verhängten Sanktionen gelitten, wie eine Studie der Yale-Universität in der vergangenen Woche ergab.

Ob die Produktion des Videos von der russischen Regierung beauftragt wurde, ist nicht bekannt. Auf den Social-Media-Kanälen der russischen Botschaft in Deutschland ist das Video nicht aufgetaucht.

@EmbajadaRusaES
"Keine Cancel Culture" damit wirbt die russische Botschaft. Russland belegt auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen Platz 150 von 180.@EmbajadaRusaES

Besonders skurril ist die Bewerbung von "billigem Gas": Russland wird im Zuge des Ukraine-Kriegs vorgeworfen, Energie als Waffe einzusetzen.  Die Gaspreise in Europa sind explodiert und die Abhängigkeit der europäischen Staaten von russischem Erdgas zum Problem geworden. Russland hat Gaslieferungen in den Westen gedrosselt, die Angst vor einem Lieferstopp vor oder im Winter ist groß.

Die Europäische Union bereitet sich auf ein Worst-Case-Szenario für den kommenden Winter vor. Bis März wollen die EU-Mitgliedsländer den Gasverbrauch um 15 Prozent senken.

Die Gasspeicher in Deutschland sind offiziellen Angaben zufolge derzeit im Durchschnitt um etwa 67 Prozent gefüllt.

"Die staatlich kontrollierten Telegram-Kanäle prahlen mit diesem Video", schreibt Journalistin Fatima Tils.

Ein Video, in dem hinter dem gleichen Audio-Text andere Bilder aus Russland auftauchen - darunter ein verschimmelter Kuchen wenn es um Kulinarisches geht oder Demonstranten, die von Polizisten weggetragen werden wenn "traditionelle Werte" angepriesen werden - ging ebenfalls viral.