Nach Silvester-Krawallen in Berlin: "Gewalt als Erlebnis"

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Von Euronews  mit dpa, ZDF via EBU
Nach der Silvesternacht in Berlin Neukölln
Nach der Silvesternacht in Berlin Neukölln   -   Copyright  Markus Schreiber/Copyright 2023 The AP. All rights reserved

Nach der Gewalt gegen Sicherheitskräfte und Feuerwehr in der Silvesternacht in Berlin machen Rechtspopulisten und Konservative der Landesregierung der deutschen Hauptstadt schwere Vorwürfe. Allerdings kam es nicht nur in Berlin zu Randalen.

Alles Wahlkampf?

CDU-Chef Friedrich Merz sagte im "Münchner Merkur": "Die Chaoten, viele davon mit „Migrationshintergrund“, fordern mit ihrer Randale den Staat heraus, den sie verachten."

CSU-Chef Marcus Söder schließt sich der Kritik an. Er meint: "Berlin entwickelt sich leider zu einer Chaos-Stadt - beginnend bei der Politik, die weder Wahlen organisieren noch die Sicherheit ihrer Bürger garantieren kann."

Einige halten die Kritik aus den Reihen der Unionsparteien für Teil des Wahlkampfes vor der Wiederholung der Bürgerschaftswahl am 12. Februar.

Giffey will Gipfel zur Jugendgewalt

Von den 145 vorläufig Festgenommenen sind laut Behörden 45 Deutsche, 27 aus Afghanistan und 21 aus Syrien.

Die Bürgermeisterin von Berlin Franzsika Giffey hat einen Gipfel zur Jugendgewalt angekündigt. Als Antwort auf die "massive Respektlosigkeit" plant die SPD-Politikerin eine konzertierte Aktion von Schulen, Jugendsozialarbeit, Polizei und Justiz.

In der Silvesternacht hatten vorwiegend junge Männer einen Bus in Brand gesteckt und mit einem Feuerlöscher Fenster eines Feuerwehrautos eingeschlagen. 

"Gewalt als Erlebnis"

Die Integrationsbeauftragte Reem Alabali-Radovan erklärt: "Bei vielen Tätern handelt es sich zu einem großen Teil um hier aufgewachsene Jugendliche. Was wir brauchen, ist eine ehrliche Debatte über Jugendgewalt. Es geht hauptsächlich um junge Männer, die in einer Gruppe Gewalt als Erlebnis empfinden."

SPD-Politikerin Sawsan Chebli schreibt auf Twitter: "Alle Migranten:innen, mit denen ich in über die #Silvesternacht spreche, sagen: der Staat muss hart durchgreifen. Alle sind wütend auf die Jungs. Andererseits fühlen sich alle durch den Rassismus in der Debatte in ihrem Urteil bestätigt: sie werden nie dazugehören."

"Dass Silvester so gewalthaltig war, reiht sich ein in einen Anstieg an Gewalt in der gesamten Gesellschaft", das sagt Sozialpsychologe Andreas Zick.

Viele erklären die Randale auch damit, dass junge Leute immer brutalere Videos auf Tiktok teilen.