Überlebende in Antakya geborgen - 296 Stunden nach dem Beben

Retter in Kahramanmaras
Retter in Kahramanmaras Copyright AP Photo/Bernat Armangue
Von Euronews mit DPA/AFP
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Ein Ehepaar und ihr Kind waren 296 Stunden unter den Trümmern ihres Wohnhauses begraben. Der zwölf Jahre alte Sohn verstarb jedoch auf dem Weg ins Krankenhaus.

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Mehr als 12 Tage nach dem schweren Erdbeben in Syrien und der Türkei geschehen immer noch Wunder. In der türkischen Stadt Antakya gelang Rettungkräften, drei Verschüttete zu bergen, ein Ehepaar und ihr Kind. 296 Stunden waren sie unter den Trümmern ihres Wohnhauses begraben. Der zwölf Jahre alte Sohn verstarb jedoch auf dem Weg ins Krankenhaus.

Menschen können in der Regel etwa 72 Stunden ohne Wasser überleben. Verschüttete, die nun noch gerettet werden, müssen Medizinern zufolge irgendeine Art von Wasserversorgung in den Trümmern gefunden haben.

Schule in Zelten - und bald neue Häuser

In den schwer betroffenen Gebieten versuchen die Überlebenden, so gut es geht, zu so etwas wie Normalität zurückzukehren. Weil viele Schulen zerstört wurden, findet der Unterricht nun in Zelten statt. Sozialdienste und Freiwillige Helfer organisieren Aktivitäten für Kinder.

Medienberichten zufolge soll der Bau neuer Häuser auf türkischer Seite im März beginnen. Der türkische Minister für Stadtplanung, Murat Kurum, kündigte an, es sollten unter anderem erdbebensichere Wohnhäuser gebaut werden, nicht höher als drei bis vier Stockwerke. 

Kurum sprach von einem "Masterplan", der gemeinsam mit Experten entwickelt werden soll. Unter anderem soll darin die Besiedelung von ungeeigneten Gebieten ausgeschlossen werden.

Laut "Hürriyet" sollen die Planungen für die Bauarbeiten in der vom Erdbeben betroffenen Region in den nächsten zwei bis drei Monaten abgeschlossen sein. Die ersten Bauarbeiten sollen Kurum zufolge jedoch schon im kommenden Monat starten.

Unermeßliches Leid in Nordsyrien

Schier aussichtslos scheint die Lage in der vom Beben vetroffenen Region in Nordsyrien. Mitglieder eines UN-Konvois mit Hilfsgütern erreichten am Samstaf die Kleinstadt Dschindires, südlich von Afrin. 

Und zeigten sich entsetzt über das Ausmaß der Zerstörung. In den Ruinen der zusammengestürzten Häuser werden noch Menschen vermisst. Tausende Obdachlose harren in Lagern aus und warten auf Hilfe.

Die Erdbebenkatastrophe hat den Betroffenen in Syrien aus Sicht des Roten Kreuzes die letzten Kräfte geraubt. "Sie hat der syrischen Bevölkerung wirklich den Rücken gebrochen", sagte der Generalsekretär der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC), Jagan Chapagain. Es sei nach Jahren des Bürgerkriegs eine "Krise nach einer Krise".

Die derzeit geleistete Hilfe kann den enormen Bedarf der Bevölkerung nach Einschätzung der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen nicht decken. Die Erdbeben hätten in Syrien mehr als 1700 Gebäude komplett sowie mehr als 5700 teilweise zerstört. Die Organisation rechnet auch mit einem deutlich erhöhten Bedarf an psychosozialer Beratung nach der Erdbebenkatastrophe. Die Suizidrate sei bereits "in den vergangenen Jahren aufgrund der prekären Lebensbedingungen und der Perspektivlosigkeit gestiegen". Die Organisation warnte wegen des Mangels an sauberem Wasser zudem vor Cholera-Ausbrüchen.

Exodus in die Türkei

Arabische Medien berichteten derweil, dass nach den Erdbeben immer mehr Syrer die Türkei verlassen. Fast 1800 Menschen seien in ihre Heimat zurückgekehrt. Insgesamt waren in den vergangenen Jahren rund 3,6 Millionen Menschen vor Bomben und Gewalt ins Nachbarland geflüchtet. Nach den Beben wollen aber viele wieder bei ihren Familien sein, obwohl die Kriegsgefahr längst noch nicht gebannt ist.

Auch in Deutschland ist die Betroffenheit nach der Katastrophe groß. Die Bundesregierung plant Visa-Erleichterungen für Erdbeben-Opfer aus der Türkei. Kritiker bemängeln jedoch, dass für die Drei-Monats-Visa zur Aufnahme bei Verwandten in Deutschland zum Beispiel ein gültiger Pass und ein biometrisches Foto benötigt werde. 

Dies sei angesichts der Zerstörung in den betroffenen Gebieten oft nicht zu beschaffen. Bundesinnenministerin Nancy Faeser wies die Kritik zurück. "Mehr können wir an dieser Stelle an Erleichterung kaum machen", sagte sie der "hessenschau extra im Hessischen Rundfunk. Man werde aber gegebenenfalls nachbessern, etwa beim Personal der Ausländerämter.

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