Lava zerstört erste Häuser in Grindavík

Vulkanausbruch in Island, Grindavik
Vulkanausbruch in Island, Grindavik Copyright Marco Di Marco/AP
Von Julika HerzogEuronews Digital mit AP
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In Island ist wieder ein Vulkan ausgebrochen - zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen. Die Situation spitzt sich zu.

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Mehrere Häuser in dem Fischerörtchen Grindavík, etwa 40 Kilometer südwestlich von der Hauptstadt Islands Reykjavik, wurden bereits von einem Lavastrom erfasst und zerstört.Gefahr für Menschenleben besteht nicht, der Küstenort war nach mehreren kleineren Erdbeben bereits in der Nacht zum Sonntag von den zuständigen Behörden evakuiert worden.

Am Morgen kurz vor acht Uhr Ortszeit begann der Ausbrauch und erste Lava war aus einem 900 Meter langen Erdspalt nördlich des 4000-Einwohner-Orts ausgetreten, am Mittag öffnete sich die Erde an einem zweiten Ort unmittelbar am Stadtrand. Die Lava zog talabwärts und zerstörte mindestens drei Häuser. Livebilder zeigen wie weiterhin glutrote Lava aus den zwei länglichen Erdrissen sprudelt.

"Wir werden nicht aufgeben"

Ministerpräsidentin Katrín Jakobsdóttir sprach nach Angaben des isländischen Rundfunksenders RÚV von einem "Schwarzer Tag für ganz Island", Islands Präsident Gudni Th. Jóhannesson beschwört im Fernsehen den Zusammenhalt seines Landes und sagte in einer abendlichen Rede an die Nation: "Wir Isländer tun das gemeinsam. Wir werden nicht aufgeben".

Das flüssige Gestein hat nun bei der fünften Eruption im Südwesten der Nordatlantik-Insel seit 2021 erstmals auch den evakuierten Küstenort erreicht. 

Die Gemeinde war bereits im November evakuiert worden, nachdem eine Reihe von Erdbeben Schäden in der Stadt verursacht hatten und es am 18. Dezember zu einem Vulkanausbruch kam und Lava aus einer Erdspalte in dem Gebiet austrat. 

Diese Eruption nahm aber schnell ab und die Einwohner von Grindavík konnten am 22. Dezember in ihre Häuser zurückkehren und die Feiertage zu Hause verbringen, nur wenige kehrten tatsächlich zurück. Damals wurde auch die bekannte Touristenattraktion Blaue Lagune, ein natürlicher Thermalsee, aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Schutzbarrieren halten nicht - Flugbetrieb geht weiter

Seit dem Ausbruch im Dezember wurden Schutzbarrieren errichtet, aber laut dem Isländischen Meteorologischen Dienst (IMO) hätten die Schutzbauten nicht gehalten. Es gilt die höchste Warnstufe "Katastrophe" und die Lava hat nun erstmals den Ort direkt erreicht. Es ist noch völlig offen wann und ob die Einwohner überhaupt in den Ort zurückkehren können.

Der Flugbetrieb am nahe gelegenen internationalen Flughafen Keflavik bleibe aufrecht ehalten, da keine Asche in der Luft sei, betonte die staatliche Flugsicherung Isavia. 2010 hatten Eruptionen des Gletschervulkans Eyjafjallajökull mit seinen Aschewolken den transatlantischen Flugverkehr monatelang lahmlegte.

Island ist mit mehr als 30 aktiven Vulkansystemen die größte und aktivste Vulkanregion Europas. Der Inselstaat im Nordatlantik liegt auf dem sogenannten Mittelatlantischen Rücken, der die eurasische und die nordamerikanische Erdplatte trennt, es kommt durchschnittlich alle vier bis fünf Jahre zu einem Ausbruch.

Vor dem Ausbruch im letzten Monat war das Svartsengi-Vulkansystem nördlich von Grindavik etwa 780 Jahre lang inaktiv. Der Vulkan liegt nur wenige Kilometer westlich von Fagradalsfjall, der 6.000 Jahre lang inaktiv war, bevor er im März 2021 zum Leben erwachte.

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