Vor Nawalnys Beerdigung: Drohanrufe gegen Leichenbestatter

Ganze Bezirke wurden mit tragbaren Metallzäunen abgesperrt.
Ganze Bezirke wurden mit tragbaren Metallzäunen abgesperrt. Copyright AP/Copyright 2024 The AP. All rights reserved
Von Heilika Leinus
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Heute wird der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny beigesetzt. Davor sollen mehrere Bestattungsbüros Drohanrufe von „Unbekannten“ bekommen haben.

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Am heutigen Freitag wird Alexej Nawalny beigesetzt. Um 12 Uhr deutscher Zeit wird für die große Hoffnung von Russlands Opposition ein Gottesdienst in einer Kirche im Moskauer Stadtteil Marjino stattfinden. Dort wohnte Nawalny, als er sich noch in Freiheit befand.

Anschließend soll er auf dem Borisowski-Friedhof beigesetzt werden. Der Friedhof wird streng von der Polizei bewacht, ganze Bezirke wurden mit tragbaren Metallzäunen abgesperrt. Medienberichten zufolge prüften die Polizeibeamten bereits am Donnerstag die Ausweise und Taschen der Passanten, die auf den Friedhof gelangen wollten.

Nawalny soll auf dem Borisowski-Friedhof beigesetzt werden.
Nawalny soll auf dem Borisowski-Friedhof beigesetzt werden.AP/Copyright 2024 The AP. All rights reserved

Anrufe von „Unbekannten“

Mehrere Bestatter hatten sich geweigert, Nawalny Leiche zur Kirche zu fahren. Der Nawalny-Sprecherin Kira Jarmisch zufolge haben sie davor Drohanrufe von „Unbekannten“ erhalten. Diese hätten ihnen davor gewarnt, Nawalnys Leichnam zur Kirche zu bringen. Nawalnys Witwe Julia Nawalnaja hat bekanntgeben, dass sie Festnahmen von Trauergästen durch die Polizei befürchtet.

Deshalb haben viele Trauernde Angst, an der Beerdigung teilzunehmen. Auch der Moskauer Gennady ist bereits am Donnerstag zum Friedhof gegangen. „Ich weiß, dass ich kommen muss. Ich habe Angst, es morgen zu tun, aber heute bin ich gekommen“, sagte er.

Der Friedhof wird streng überwacht.
Der Friedhof wird streng überwacht.AP/Copyright 2024 The AP. All rights reserved.

Versammlungen in mehreren Städten erwartet

Diejenigen Menschen, die sich nicht trauen, zur Beerdigung zu kommen oder dies aus anderen Gründen nicht tun können, rief das Nawalny-Team auf, sich in ihren Heimatstädten an bestimmten Orten zu versammeln. Doch, auch das ist nicht ungefährlich: In Moskau und anderen Städten Russlands wurden bereits Hunderte Trauernde festgenommen. Sie hatten sich friedlich versammelt, um dem verstorbenen Nawalny zu gedenken und Blumen niederzulegen.

Laut angeben der russischen Menschenrechtsorganisation OVD-Info wurden allein in Sankt Petersburg in wenigen Tagen nach Nawalnys Tod über 200 Menschen festgenommen. So geht das Regime Wladimir Putins gegen die Freiheit in seinem Land vor.

Mit 47 Jahren starb Nawalny am 16. Februar in einer der härtesten russischen Strafkolonien in der Arktis. Dort saß der Kreml-Kritiker wegen seines politischen Engagements eine 19-jährige Haftstraße ab. Nicht nur Anhänger Nawalnys, sondern auch zah

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