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Belgien führt Arbeitsverträge für Prostituierte ein

In Belgien können SexarbeiterInnen bald reguläre Arbeitsverträge haben
In Belgien können SexarbeiterInnen bald reguläre Arbeitsverträge haben Copyright euronews
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Von Dimitri Korczak
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Sexarbeit ist in Belgien seit zwei Jahren nicht mehr strafbar. Jetzt hat das belgische Parlament ein Arbeitsgesetz für die Branche verabschiedet. Damit können SexarbeiterInnen in Anstellung arbeiten und sozialversichert werden.

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In Belgien werden Prostituierte bald die gleichen sozialen Rechte genießen wie andere Arbeitnehmer. Die neuen Regeln erlauben es ihnen, Arbeitsverträge mit lizenzierten Arbeitgebern abzuschließen. Es ist ein beispielloser Versuch, den Sektor zu regulieren, aber nicht jeder ist davon überzeugt, wie Euronews Witness berichtet.

Bislang bewegten sich Hostessen-Bars und erotische Massagesalons in Belgien in einer rechtlichen Grauzone: SexarbeiterInnen wurden bar bezahlt oder mit KellnerInnenverträgen beschäftigt.

Das öffnete dem Missbrauch Tür und Tor, so die Befürworter des Gesetzes.

"Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, was gesetzlich erlaubt ist, denn die Frage war immer, ob wir es richtig machen oder nicht", sagt Alexandra Moreels, Inhaberin eines Erotiksalons.

Klare Regeln für den Sektor

Mit der Entkriminalisierung bestimmter Formen der Zuhälterei will die Regierung den Sektor klar regeln, ein Statut schaffen, das an die spezifischen und einzigartigen Aspekte der Sexarbeit angepasst ist, und den Zugang zu Arbeitslosengeld, Krankenversicherung und Mutterschaftsurlaub gewährleisten.

Um legal einstellen zu können, müssen Arbeitgeber ihr Strafregister überprüfen lassen, eine Betriebsgenehmigung einholen und ihren Sitz in Belgien haben. Außerdem müssen sie das Recht ihrer Angestellten respektieren, einen Kunden abzulehnen und eine sexuelle Handlung jederzeit zu beenden.

"Wir haben damit kein Problem, bei uns ist alles legal. Es ist so, wie es in dem Gesetz steht, das jetzt kommt. Die Damen sollen sich aussuchen können, mit welchem Kunden sie es machen wollen. Das ist hier jetzt schon der Fall", sagt Kris, Alexandras Mann und Miteigentümer des Salons.

"Offensichtlich sind einige gezwungen, Freier anzunehmen. Für diese Menschen ist es sehr wichtig, dass dieses Gesetz verabschiedet wurde", erklärt Manon, die in Belgien als Sexarbeiterin arbeitet, seit sie 19 Jahre alt ist. "Es muss ein Job sein, bei dem wir die gleichen Rechte haben wie alle anderen auch", fügt sie hinzu.

Gesetz nicht unumstritten

Die Reform ist jedoch nicht unumstritten, insbesondere bei feministischen Vereinigungen, die eine Kommerzialisierung des weiblichen Körpers und einen Gesetzestext anprangern, der die Situation von Migrantenprostituierten und Opfern von Menschenhandel nicht berücksichtigt.

Ohne Arbeitserlaubnis können sie nach dem neuen Gesetz nicht beschäftigt werden.

"Das wird die Zuhälter und Menschenhändler begünstigen, die in Belgien bereits eine enorme Straffreiheit genießen", sagt Mireia Crespo, Direktorin von isala einem Verein zur Unterstützung von Prostituierten in prekären Situationen.

Lesen Sie die weiße Karte, die von einer isala-Freiwilligen geschrieben wurde, auf. @LeVif : Warum Prostituierte mehr verdienen als einen Arbeitsvertrag 👇Der Gesetzentwurf über den Lohnstatus in der Prostitution darf nicht verabschiedet werden.

Der angemessenste Ansatz

Viele Fachleute des Sektors halten diese Reform jedoch für den realistischsten Ansatz.

"Sexarbeit existiert. Und wenn sie nicht offen praktiziert wird, wird sie im Untergrund existieren", sagt Karin Van Der Elst, Besitzerin der Villa Tinto in Antwerpen, einem Gebäudekomplex, in dem Prostituierte tageweise Fenster mieten können.

Zum jetzigen Zeitpunkt wirft das neue Gesetz noch viele Fragen auf. Experten gehen davon aus, dass es mehrere Jahre dauern wird, bis die Auswirkungen des neuen Gesetzes auf die Lebensbedingungen von Sexarbeitern sowie auf Menschenhandel und Zuhälterei bewertet werden können.

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