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Wer ist schlimmer für den Klimawandel: Ihr Kind oder Ihr Haustier?

Kinder und Tiere - und die Frage des Klimawandels
Kinder und Tiere - und die Frage des Klimawandels   -   Copyright  Mali Desha
Von Tim Gallagher  & Euronews

Der Kampf gegen die Erderwärmung und den Klimawandel steht ganz oben auf der politischen Agenda - oder er sollte dort zumindest stehen - und die Sorge um die Zukunft des Planeten war noch nie so groß.

Während sich die Staats- und Regierungschefs der Welt zu immer neuen Zielen verpflichten, wie sie den ökologischen Fußabdruck ihres Landes reduzieren können, sucht jeder Einzelne nach Möglichkeiten, wie sie oder er im Alltag weniger umweltschädliich leben kann.

Vielleicht hilft es, ein Elektroauto zu kaufen, mehr zu recyclen oder den Wäschetrockner abzuschaffen und die Wäsche in der Sonne aufzuhängen.

Aber wie wäre es, auf ein geliebtes Haustier zu verzichten oder es zu ersetzen - oder sogar die Anzahl der Kinder zu begrenzen? Ist das etwas, das Sie in Betracht ziehen würden, um Ihren ökologischen Fußabdruck und ihre CO2-Bilanz zu reduzieren?

Sowohl ein Haustieres als auch ein Kind können Ihren Kohlenstoff-Fußabdruck auf unterschiedliche Weise vergrößern, aber was ist schlimmer?

Eine 2017 veröffentlichte Studie kam zu dem Ergebnis, dass ein Kind weniger einer Reduktion von 58 Tonnen CO2 für jedes Lebensjahr der Eltern entspricht.

Die durchschnittlichen Emissionen müssen auf zwei Tonnen pro Person sinken, um den globalen Temperaturanstieg bis 2050 auf 2 Grad Celsius zu begrenzen. Weltweit liegt der Durchschnitt bei vier Tonnen, wobei es große Unterschiede gibt - je nach dem Land, in dem man lebt.

Die Zahl wurde im Rahmen einer Studie unter der Leitung von Seth Wynes berechnet. Er und seine Mitarbeiterin Professor Kimberley Nicholas haben alle potenziellen Emissionen des Kindes und seiner Nachkommen addiert und durch die Lebenszeit der Eltern geteilt.

Professor Nicholas betont die Bedeutung der kurzfristigen Entscheidung, auf Auto, Flüge und Fleisch zu verzichten: "Wir wollten wissen, welche persönlichen Entscheidungen jemand in einem Land mit hohen Emissionen trifft, die den größten Unterschied für das Klima ausmachen.

"Langfristig haben wir herausgefunden, dass es einen großen Einfluss auf das Klima hat, wenn man eine neue Person schafft."
Professor Kimberly Nicholas
Universität Lund

"Langfristig haben wir herausgefunden, dass es einen großen Einfluss auf das Klima hat, wenn ein neuer Mensch geschaffen wird.

"Ich denke, es ist wichtig zu verstehen, dass das kein Werkzeug ist, um das Problem der Klimakrise zu lösen, weil wir nur noch ein paar Jahre des verbleibenden Kohlenstoffbudgets haben und das bedeutet, dass wir Systemänderungen vornehmen müssen. Unsere Studie wollte sich die Zahlen ansehen und Äpfel mit Äpfeln vergleichen. Die Entscheidung, ob und wie viele Kinder man haben will, ist ein Menschenrecht und muss geschützt und respektiert werden - die Entscheidung, in Flugzeugen zu fliegen und SUVs zu fahren, nicht."

Die Berechnung basiert auf den Emissionen von jemandem in einer "entwickelten" Nation, und angesichts des Gespensts vom "Ökofaschismus", das die Diskussion um den Klimawandel überschattet, ist Professor Kimberley sehr daran interessiert, auf die ethischen Dilemmata hinzuweisen.

"Was Sie aus unserer Studie mitnehmen können, ist, dass die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, eine wirklich große Lebensentscheidung ist und Sie brauchen keinen Wissenschaftler, der Ihnen das sagt", meint sie.

"Es geht darum, dass wir eine Welt haben können, die für alle funktioniert und in der Kinder, die jetzt leben, und Kinder, die bald geboren werden und in der Zukunft, die Möglichkeit für ein gutes Leben haben."

Zachary Kadolph
Der Hund und das Kind - welche Wirkung?Zachary Kadolph

Aber die andere Seite der Argumentation ist, dass Haustiere durch ihren Fleisch- und Fischkonsum, ihre Auswirkungen auf die Tierwelt und ihren Plastikmüll auch sehr schlecht für die Umwelt sind.

Der Besitz von Haustieren hat in den letzten Jahren enorm zugenommen, und in der Pandemie sogar noch mehr.

Die europäische Heimtierfutterindustrie schätzt, dass 85 Millionen europäische Haushalte mindestens ein Tier besitzen. Dies hat ernste Auswirkungen auf die heimische Tierwelt; in Großbritannien töten Katzen und Hunde nach Schätzungen bis zu 200 Millionen Wildtiere pro Jahr.

Der Schriftsteller und Umweltaktivist Donnachadh McCarthy sagt, dass der Besitz eines Haustiers erhebliche Umweltschäden verursachen kann.

"Wenn man negative Emissionen erreichen will, muss man die Emissionen von Haustieren angehen. Die Beträge, um die es dabei geht, sind wirklich ein bisschen schwindelerregend", erklärt er.

"Niemand möchte, dass seine Interessen beeinträchtigt werden, egal ob es sich um einen Ölarbeiter, einen Gasarbeiter oder um Menschen handelt, die ein Haustier besitzen."

Da die meiste Tiernahrung aus Fleisch und Fisch hergestellt wird, deren Umweltschäden gut dokumentiert sind, möchte Mccarthy, dass die Menschen ernsthaft über die Auswirkungen auf den Planeten nachdenken.

"Wir stehen vor zwei ökologischen Krisen, eine ist das Klima und die andere die Natur. Wenn man nicht beides löst, sind beides existenzielle Probleme für die Menschheit. Ich möchte, dass die Leute gründlich darüber nachdenken, ob sie ein Haustier haben müssen, wenn ihr Tier stirbt, auch wenn das bei psychischen Problemen oder bei einem Blinden Sinn macht."

Doch trotz dieser Erleichterungen glaubt Donnachadh immer noch, dass es ein Fehler ist, ein Haustier zu besitzen: "Es ist ein egoistischer und grausamer Akt gegenüber der Natur und dem Tier selbst."

Ohne Auto zu leben, reduziert den CO2-Fußabdruck um 2,4 Tonnen pro Jahr, Recycling um 0,21 und das Aufhängen von Wäsche zum Trocknen um genauso viel. Sollten wir also ernsthaft über eine Erde ohne Kinder oder Haustiere nachdenken?