Zweites Dürrejahr in Folge: Wie Italien sich vorbereitet

Eine Drohnenaufnahme aus diesem Februar zeigt die Insel San Biagio, die im Gardasee ungewohnt frei liegt.
Eine Drohnenaufnahme aus diesem Februar zeigt die Insel San Biagio, die im Gardasee ungewohnt frei liegt. Copyright Reuters
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Von Charlotte Elton mit Reuters, AP
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Italien steht vor dem zweiten Dürrejahr in Folge und rechnet mit verheerenden Konsequenzen. Wie das Land sich vorbereitet und wieso die Regierung zu wenig handelt:

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Die Wasserspeicherstände sind in Teilen Italiens weniger als halb so hoch wie normal, warnen Expert:innen.

In Folge von wenigem Regen und magerem Schneefall in den Alpen während des Winters steht Italien das zweite Jahr in Folge vor einer schweren Dürre.

Die Pegelstände der Seen sind extrem niedrig und bedrohen die landwirtschaftliche Produktion.

"Die Folgen einer so langen Dürre sind für alle sichtbar", warnt Ramona Magno, Forscherin am Institut für Bioökonomie des Nationalen Forschungsrats.

"Die großen Seen liegen weit unter ihren saisonalen Durchschnittswerten, vor allem der Pegel des Gardasees hat mit etwa 38 Prozent seines Fassungsvermögens seinen Tiefpunkt erreicht", fügt sie hinzu.

"Entlang des gesamten Flusslaufs des Po ist der Wasserdurchfluss geringer als im letzten Jahr im gleichen Zeitraum", so die Forscherin.

Die Wasserspeicher in Teilen der Lombardei seien weniger als halb so hoch wie normalerweise zu dieser Jahreszeit, gibt der Präsident der Region Attilio Fontana an.

Wie schlimm war die Dürre in Italien im Jahr 2022?

Italien hatte im vergangenen Jahr mit der schlimmsten Dürre seit 70 Jahren zu kämpfen. Der Po - der längste Fluss des Landes - verwandelte sich in eine lange Sandfläche.

Ein ungewöhnlich trockener Winter brachte den Landwirt:innen nur wenig Erleichterung. Der Gardasee erreichte im Winter den niedrigsten Wasserstand seit über 30 Jahren und legte einen sandigen Weg zur isolierten Insel San Biago frei.

Im Februar lag der Wasserstand des Sees etwa 65 Zentimeter unter dem Durchschnitt für diese Jahreszeit.

Die anhaltende Trockenheit hat verheerende Folgen für die Ernten des Landes. Coldiretti, der wichtigste italienische Bauernverband, erklärte, der Sektor habe im vergangenen Jahr rund 6 Milliarden Euro verloren, und sagte voraus, dass 300.000 Betriebe noch mehr verlieren würden, wenn die Dürre nicht aufhöre.

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Bei der Dürre im vergangenen Jahr waren Steinformationen zu sehen, die normalerweise unter dem Wasser versteckt bleiben.Reuters

Auch die Bootsführer:innen sind betroffen, da die Fließgeschwindigkeit des Flusses abnimmt und das Wasser seicht wird. Die Durchfahrt für größere Schiffe wird unmöglich, wenn es nicht bald regnet.

Wie schlimm wird die Dürre in Italien in diesem Jahr?

In der Lombardei und im Piemont sind bereits 6 Prozent der Städte von der extremen Trockenheit betroffen, 19 davon erleben den größten Wassermangel, gibt Utilitalia an, ein Verband von Versorgungsunternehmen.

Einige Städte seien bereits dazu übergegangen, Trinkwasser in Tankwagen anzuliefern.

Anfang April erreichte der Pegel des Flusses Po ein 30-jähriges Rekordtief mit einer Durchflussmenge von einem Drittel des Durchschnittswerts, so die Po-Beckenbehörde.

Die umliegenden Alpen erlebten einen ungewöhnlich trockenen und warmen Winter, sodass die Schneereserven, die den Fluss normalerweise im späten Frühjahr und Sommer füllen würden, nicht vorhanden sind.

Nach Angaben des Klima- und Umweltamtes der Provinz Bozen liegt die Schneedecke derzeit 75 Prozent unter dem Durchschnitt der letzten zehn Saisons. Die Alpenseen der Provinz speichern normalerweise durchschnittlich 100 Millionen Liter Wasser, derzeit sind es jedoch nur 42 Millionen Liter.

Solch ungewöhnlich trockenes Wetter wird immer häufiger vorkommen. Der jüngste Bericht des Weltklimarates sagt voraus, dass die Niederschläge in der Poebene in den kommenden Jahren stärker schwanken werden und extreme Wetterereignisse zunehmen.

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"Die Häufigkeit und Intensität extremer Wetterereignisse legt die Messlatte immer höher", so Magno.

"Die dadurch verursachten Kosten werden untragbar und hinterlassen immer tiefere Wunden, die nur schwer zu heilen sind", führt er fort.

An den Ufern der Etsch im Norden von Trient fließt das Wasser nur halb so schnell wie im saisonalen Durchschnitt.

Die geringen Wassermengen lassen die Adria über Dutzende von Kilometern den Po und die Etsch hinaufsickern und gefährden so die Ernten, die Muschelzucht, die Grundwasserspeicher und sogar das Trinkwasser einiger Dörfer.

Wie bereitet sich Italien auf die Dürre vor?

Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni richtete im vergangenen Monat einen Kontrollraum ein, um die Wasserkapazität im ganzen Land zu überwachen. Im Februar ernannte sie einen "außerordentlichen Kommissar mit Exekutivbefugnissen", der den Plan der Regierung zur Bekämpfung der Dürre umsetzen soll.

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Manche kritisieren jedoch, dass die Regierung nicht weit genug vorausschaue.

"Italien ist sehr gut im Umgang mit Notfällen, aber ziemlich schlecht in der Planung", sagt Alessandro Bratti, Generalsekretär der Po-Flussbehörde. "Im jüngsten Dürre-Dekret der Regierung steht nichts, es gibt keine Mehrjahresplanung, es gibt keine Infrastrukturprojekte."

Das Eindringen von Salzwasser könnte durch Antisalzbarrieren eingedämmt werden, aber die Po-Behörde hat erst kürzlich die Mittel für ein Projekt erhalten, und es wird Jahre oder sogar Jahrzehnte dauern, bis der Grundstein dafür gelegt wird.

Auf lokaler Ebene hat die Regierung der Lombardei Wasserunternehmen und Wasserkraftbetreiber aufgefordert, ihren Verbrauch einzuschränken.

Viele Landwirt:innen investieren außerdem in Präzisionsbewässerung, um in den heißesten Monaten des Jahres Wasser zu sparen.

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