Die Woche in Europa - Brüssel macht ernst mit grünen Technologien

Ein Windpark im Ärmelkanal, November 2019
Ein Windpark im Ärmelkanal, November 2019 Copyright Frank Augstein/Copyright 2019 The AP. All rights reserved
Von Stefan Grobe
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Diese Woche brachte einigen Aktienbesitzern Schweißausbrüche: Die Probleme von Silicon Vallez Bank und Credit Suisse ließen böse Erinnerungen an die Finanzkrise von 2008 aufkommen. Diese verdrängte großangelegte Pläne Brüssels aus den Schlagzeilen, Europas grüne Wirtschaft aufzupäppeln.

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Für Besitzer von Bankaktien war diese Woche eine ziemliche Achterbahnfahrt.

Zunächst löste der Zusammenbruch der regionalen Silicon Valley Bank in Kalifornien Schockwellen in Europa aus.

Dies wurde noch verstärkt, als ein paar Tage später der Branchenriese Credit Suisse in ernste Schwierigkeiten geriet.

In beiden Fällen ergriff die Finanzaufsicht in den USA und in der Schweiz rasch Maßnahmen, die die Banken stabilisierten und die Märkte beruhigten - vorerst.

Auch die EU-Behörden wurden aktiv und verwiesen auf die strengeren Bankenvorschriften in der EU. Dennoch wurden die jüngsten Entwicklungen als Weckruf für den Sektor gesehen, da er gegen den starken Anstieg der Zinssätze nicht immun sein wird.

Mairead McGuinness, EU-Kommissarin für Finanzdienstleistungen: "Diese Situation zeigt, wie sich die wirtschaftliche und finanzielle Lage weltweit und in Europa verändert. Die Verschiebung der Zinssätze hat ein neues Umfeld geschaffen. (...) Wir müssen in diesem neuen Umfeld wachsam bleiben. Höhere Inflation und steigende Zinssätze stellen andere Herausforderungen für die Finanzstabilität dar als lang anhaltende niedrige Zinsen."

Die plötzlichen Turbulenzen im Bankensektor verdrängten diese Woche die Präsentation wichtiger politischer Vorschläge der EU-Kommission aus den Schlagzeilen.

Mit diesen Maßnahmen soll die heimische grüne Industrie gestärkt werden, so wie es China und die USA bereits getan haben: durch mehr Subventionen, Steuererleichterungen und weniger Bürokratie.

Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin: "Wir Europäer müssen unsere eigene Clean-Tech-Industrie besser fördern. Wir müssen schneller werden. Wir müssen Genehmigungsverfahren vereinfachen. Wir müssen besseren Zugang zu öffentlichen und privaten Finanzmitteln schaffen. (...) Wenn wir unabhängig sein wollen, müssen wir dringend unsere Lieferketten mit gleichgesinnten Partnern stärken und diversifizieren."

Der russische Überfall auf die Ukraine hat Europa eindringlich vor Augen geführt, dass man sich nicht zu sehr von einer einzigen Quelle abhängig machen und stattdessen Energieunabhängigkeit anstreben sollte.

Ein Schlüsselelement dieser Energiesicherheit ist die Windtechnologie, ein Sektor, der in Europa von Jahr zu Jahr an Bedeutung gewinnt.

Ist diese Branche mit der Art und Weise, wie Brüssel den Kurs für die Zukunft vorgibt, zufrieden?

Dazu ein Interview mit Giles Dickson, Vorstandschef von WindEurope, dem Fachverband, der mehr als 400 Unternehmen im Windenergiesektor vertritt.

Euronews: Die Vorschläge der EU-Kommission in dieser Woche, insbesondere der Net Zero Industry Act, ist das ein Wendepunkt für Ihre Branche?

Dickson: Umbruch ist vielleicht zu viel gesagt. Die Unterstützung wird weniger großzügig ausfallen als die, die die USA mit ihrem Inflation Reduction Act gewähren. Aber das war per Definition schon klar, weil die EU keine Steuern erhebt. Man ist also darauf angewiesen, dass die nationalen Regierungen zum Beispiel Steuergutschriften für Investitionen gewähren. Wird das die Situation verändern? Es ist Teil eines länger andauernden Prozesses. 

Noch in diesem Jahr wird die EU- Kommission einen neuen Souveränitätsfonds vorschlagen. Dieser wird eine wichtige Finanzierungsquelle für neue Investitionen in die Windenergieversorgungskette in Europa sein. Europa ist auf jeden Fall aufgewacht und hat erkannt, dass es mehr tun muss, um seine Lieferketten für saubere Energie zu fördern.

Euronews: Ein Drittel der bestehenden Windparks in Europa wird bis zum Jahr 2030 das Ende ihrer normalen Laufzeit erreichen. Stellt das EU-Paket sicher, dass neue Windparks in Europa und von europäischen Unternehmen gebaut werden?

Dickson: Wir befinden uns derzeit in einer merkwürdigen Situation, denn dort, wo wir die allerersten Windparks gebaut haben, waren die besten Standorte, und dort haben wir natürlich heute auch die ältesten und am wenigsten effizienten Turbinen. 

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Wir haben begonnen, viele von ihnen zu repowern, und wenn man einen dieser älteren Windparks repowert, kann man seine Leistung verdreifachen, und das mit einem Viertel weniger Turbinen. Das ist also eine Win-Win-Situation. Aber die meisten der neuen Windparks, die wir in Europa bauen werden, werden an neuen Standorten errichtet. Das Repowering ist nur ein Teil des Ausbaus der Windenergie.

Euronews: Die Windenergie ist ein weltweit umkämpfter Markt, und die europäischen Turbinenhersteller gehören zu den besten der Welt - wo sehen Sie die Branche in Europa in zehn Jahren?

Dickson: Nun, wir hoffen, dass sie dann immer noch floriert und wir immer noch fast alle Windturbinen bauen, die heute in Europa installiert werden. Die europäische Lieferkette dominiert den europäischen Markt. Früher dominierte sie auch den chinesischen Markt, und dann bauten die Chinesen ihre eigene Industrie auf. 

Wenn wir den europäischen Markt betrachten, ist es wichtig, dass die Regierungen in Europa den Wert honorieren, den die europäische Industrie bietet - nicht nur die Turbinen selbst, sondern auch die Tatsache, dass die Turbinen zunehmend nachhaltig sind. Wir beginnen jetzt damit, vollständig recycelbare Rotorblätter in unseren Windparks einzusetzen. Es ist wichtig, dass die Regierungen den Beitrag honorieren, den wir zur Integration der von uns erzeugten variablen Energie in das allgemeine Energiesystem leisten.

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