Was stimmt und was nicht bei den Boykottaufrufen gegen Zara und Starbucks

DATEI - Eine Frau geht im Juli 2017 an einem Starbucks Coffee Shop in Kuala Lumpur, Malaysia, vorbei.
DATEI - Eine Frau geht im Juli 2017 an einem Starbucks Coffee Shop in Kuala Lumpur, Malaysia, vorbei. Copyright AP Photo/Daniel Chan
Von Sophia Khatsenkova
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Dieser Artikel wurde im Original veröffentlicht auf Englisch

Israel-Hamas-Krieg: Mehrere virale Videos führten zu Boykottaufrufen gegen Zara und Starbucks, doch was ist wirklich dran an den Vorwürfen? The Cube hat sich einige dieser Behauptungen genauer angesehen.

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In den sozialen Medien haben viele Menschen zum Boykott von Marken wie Zara und Starbucks aufgerufen.

Einigen Berichten zufolge unterstützen diese Marken offen Israel inmitten des Krieges des Landes mit der Hamas.

Es kursieren jedoch viele Fehlinformationen, insbesondere wenn es um die Auswirkungen dieser Boykottaufrufe geht.

Eine Protestaktion in New York?

Ein Video, das zeigt, wie Zara-Kleidung auf dem Times Square in New York City abgelegt wird, um gegen eine umstrittene Werbekampagne des Unternehmens zu protestieren, wurde auf der Social-Media-Plattform X, früher bekannt als Twitter, millionenfach angesehen.

"Nachdem Zara eine respektlose Werbung über den Gaza-Konflikt gemacht hat, werfen die Amerikaner alle ihre Zara-Kleider vor dem Unternehmen weg", behauptete eine X-Nutzerin, die für die Verbreitung von Desinformationen bekannt ist.

Eine Werbekampagne, die Palästinenser verhöhnt?

Mitte Dezember veröffentlichte Zara eine Kampagne, von der einige meinten, sie mache sich über das Leiden der Palästinenser lustig, da Trümmer und weiße Leichensäcke zu sehen waren.

Zara zog die Anzeige schnell zurück. Das Modeunternehmen stellte zudem klar, das Fotoshooting habe im Sommer stattgefunden, also vor dem beispiellosen Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober.

Keine Protestaktion sondern ein von KI erstelltes Video

Durch eine umgekehrte Bildersuche des viralen Videos vom Time Square konnte "The Cube" den Originalclip finden. Er wurde im November 2023 veröffentlicht und hat nichts mit dem Konflikt zu tun.

Das Video wurde auf der offiziellen Webseite der Secondhand-Modeplattform Vestiaire Collective veröffentlicht.

@vestiairecollective With 92 million tons of textiles sent to landfill every year, now’s the time to act. That’s why, from today, we’re banning another 30 fast fashion brands from Vestiaire Collective, including Zara, H&M, Gap, Abercrombie & Fitch, Mango, Urban Outfitters, and Uniqlo. Ready to join the movement? #thinkfirstbuysecond♬ original sound - Vestiaire Collective

Das Unternehmen kündigte an, 30 Fast-Fashion-Marken aus seinem Shop zu verbannen, darunter auch Zara.

Eine Sprecherin von Vestiaire Collective erklärte gegenüber AFP, dass eine auf künstliche Intelligenz spezialisierte französische Agentur das Video erstellt habe.

Sie sagte, der Clip sei "fast einen Monat" vor der Zara-Werbung als Teil einer Unternehmensinitiative gegen Fast Fashion veröffentlicht worden.

Hat Starbucks in Marokko dicht gemacht?

In einem Instagram-Video, das Anfang Dezember gepostet wurde, behauptet eine Frau, dass die Kaffee-Kette aufgrund von Protesten in Marokko schließen musste.

"Für diejenigen unter euch, die sagen, dass Boykott nicht funktioniert: Starbucks in Marokko verlässt buchstäblich das Land, wegen der Verluste, die sie aufgrund der Pro-Palästina-Proteste in ganz Marokko hatten", behauptete sie.

Als Quelle nennt sie einen Artikel aus dem New Arab, in dem behauptet wird, dass sowohl Starbucks als auch H&M Marokko "aufgrund der geringen Nachfrage im Zusammenhang mit der laufenden Boykottkampagne" verlassen.

Bei näherer Betrachtung stellte der Cube jedoch fest, dass dieser Artikel einen anderen Artikel aus einer marokkanischen Lokalzeitung, Maroc Hebdo, zitiert .

Beide Artikel enthalten jedoch keine Beweise für die Behauptung, dass der Boykott die Cafés im Lande geschlossen hat.

In der Zwischenzeit hat New Arab seinen Artikel aktualisiert und eine Stellungsnahme des Sprechers des Franchiseunternehmens, das Starbucks in Marokko betreibt, veröffnetlicht. Er dementierte die Behauptungen dementierte und bestätigte, dass alle 18 Starbucks-Filialen in dem Land weiter betrieben werden.

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Es stimmt, dass der Börsenkurs von Starbucks im letzten Monat um fast 11 Milliarden Dollar gesunken ist.

Stehen diese Verluste in irgendeinem Zusammenhang mit dem Boykott? Analysten sagen, es sei schwer zu sagen, welche Auswirkungen die Boykottaufrufe auf den Aktienkurs des Unternehmens haben, bezweifeln aber, dass die Proteste die Ursache für den Rückgang sind.

"Einige Daten deuten darauf hin, dass es Starbucks nicht so gut geht, oder zumindest nicht so gut wie erwartet. Es scheint, dass die Angebote und Specials nicht so gut ankommen wie erwartet", heißt es in einer Analyse von Vox.

In seiner letzten Finanzmitteilung vom November 2023 wies das Unternehmen jedoch nicht auf eine Verlangsamung der Erträge hin.

Ein klares Bild wird sich erst mit dem nächsten Finanzbericht im Februar 2024 ergeben.

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