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Ist COVID nie vorbei? Omikron-Subvariante 'Centaurus' verbreitet sich rasend

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Von Luke Hurst
Die neue Unterform der Subvariante Omikron hat spezifische Veränderungen auf dem Spike-Protein.
Die neue Unterform der Subvariante Omikron hat spezifische Veränderungen auf dem Spike-Protein.   -   Copyright  Fusion Medical Animation/Unsplash

Eine neue Subvariante des Omicron-Virus sorgt weltweit für Schlagzeilen denn Gesundheitsexpert:innen glauben, dass sie sich zum vorherrschenden Stamm der aktuellen Coronavirus-Pandemie entwickeln könnte.

BA.2.75 dominiert bereits in Indien, wo der Stamm im Mai erstmals entdeckt wurde. Inzwischen wurde er aber auch in Dutzenden anderen Ländern nachgewiesen, darunter Großbritannien, Deutschland und die Niederlande.

Weil die Variante BA.5 in Indien verdrängt wurde, gehen Virolog:innen davon aus, dass sie leichter übertragbar ist und sich daher wahrscheinlich auch in anderen Ländern durchsetzen wird. Allerdings stehen bisher wohl nicht genügend Daten zu diesem Stamm zur Verfügung, um endgültige Aussagen zu machen.

Das niederländische Institut für öffentliche Gesundheit gab diese Woche bekannt, dass BA.2.75 in den Niederlanden gefunden wurde. Man wisse nur wenig über diesen Stamm, obwohl "er in der Lage zu sein scheint, die gegen das SARS-CoV-2-Coronavirus aufgebaute Abwehr durch kleine, spezifische Veränderungen leichter zu überwinden".

Dies gibt Anlass zu der Befürchtung, dass BA.2.75 möglicherweise in der Lage ist, die durch Impfung oder vorherige COVID-19-Infektion aufgebaute Immunität zu umgehen.

"Wir beobachten, dass diese neue Variante alle Varianten verdrängt, die wir bisher als extrem übertragbar angesehen haben, aber wir wissen noch nicht genau, warum diese Variante so dominant wird", sagte Dr. Eleanor Gaunt, Virologin an der Universität Edinburgh, gegenüber Euronews.

BA.2.75 "könnte in der Lage sein, eine bestehende Immunität zu umgehen, oder es könnte sein, dass es besser in der Lage ist, das Virus zu übertragen", aber angesichts des Mangels an Daten "wird es nur die Zeit zeigen".

Warum "Centaurus" (Zentaur)?

BA.2.75 hat inoffziell den Namen "Centaurus" (Zentaur) bekommen - einen griechischen Buchstaben von der Weltgesundheitsorganisation gibt es nicht, da die WHO sie als eine Untervariante von Omikron behandelt.

Der Name Centaurus scheint auf einen Tweet des Nutzers @xabitron1 zurückzuführen zu sein, der am 1. Juli schrieb: "Ich habe gerade die Variante BA.2.75 nach einer Galaxie benannt. Der neue Name ist Centaurus Stamm. Gewöhnt euch daran. Heute habe ich das Kommando über eine Pandemie."

Diese Herkunftsgeschichte wurde von der Website Snopes, die Fakten überprüft, bestätigt.

Was ist anders an "Centaurus"?

BA.2.75 ist wie BA.5 eine Untervariante von Omicron, der hochgradig übertragbaren Form des Coronavirus, die in diesem Jahr weltweit schnell die Oberhand gewann.

Die Tatsache, dass es in Indien BA.5 überholt hat, deutet nach Ansicht von Experten darauf hin, dass es sich auch anderswo durchsetzen könnte.

"Was wir bei diesem neuen BA.2.75 sehen, ist, dass es sich in Ländern ausbreitet, in denen es eine hohe Impfquote gab. Es scheint also, dass dieses Virus in der Lage ist, einen Teil der bestehenden Immunität zu umgehen", sagte Gaunt.

Der klinische Schweregrad von Krankenhausaufenthalten im Zusammenhang mit dem Coronavirus nimmt im Allgemeinen ab.

Dies könnte auf eine Reihe von Veränderungen in seinem Spike-Protein zurückzuführen sein - dem Protein auf der Oberfläche des Virus, das ihm hilft, in Zellen einzudringen.

"Das ist der Teil des Virus, den das Immunsystem erkennt", so Gaunt.

"Wenn sich also sein Aussehen verändert, kann das Immunsystem es weniger gut erkennen. Das ist mit Sicherheit etwas, was hier passiert".

Obwohl es möglich ist, dass BA.2.75 sich weltweit ausbreitet, ist es laut Gaunt nicht unbedingt besorgniserregend.

"Dies ist eine Entwicklung, die wir bei dieser Pandemie schon mehrfach gesehen haben. Wir bekommen eine neue Variante, die besser übertragbar ist und eine ältere Variante verdrängt, aber die Menschen in der Bevölkerung werden durch den Kontakt mit dem Virus und durch Impfungen immuner", sagte sie.

"Und wir stellen fest, dass der klinische Schweregrad von Krankenhausaufenthalten im Zusammenhang mit dem Coronavirus im Allgemeinen abnimmt. Es besteht also nicht unbedingt Grund zur Besorgnis".

Risiko von Reinfektionen

Gaunt zufolge gibt es bei den meisten Omikron-Subvarianten Hinweise darauf, dass sich Menschen kurz nach einer Infektion erneut mit dem Coronavirus infizieren können.

Sie weist jedoch darauf hin, dass wir uns derzeit in einer Phase der Pandemie befinden, in der COVID-19 relativ frei in der Bevölkerung zirkuliert.

Das Virus wird nicht verschwinden. Die Menschen werden sich wieder infizieren.

"Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Virus ausbreitet, ist größer als etwa vor einem oder zwei Jahren", sagte sie. In vielen Ländern sind Maskenpflicht und weitere Einschränkungen langsam weggefallen. "Auch hier besteht also nicht unbedingt Grund zur Beunruhigung", so die Virologin.

"Wenn es zu Reinfektionen kommt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass diese klinisch weniger schwerwiegend sind. Das Virus wird nicht verschwinden. Die Menschen werden sich wieder infizieren".

Wird die COVID-Pandemie jemals enden?

Wie fast alle Gesundheitsexpert:innen, die sich mit COVID-19 befassen, rät auch Gaunt zur Impfung.

Neue Impfstoffe, die speziell auf Omicron angepasst sind, werden wahrscheinlich bald auf den Markt kommen. Dieser Impfstoff werde die Risiken im Zusammenhang mit COVID verringern.

Was die längerfristige Entwicklung der Pandemie betrifft, so sagt Gaunt, dass sie wahrscheinlich in ein ähnliches Muster wie die Erkältung fallen wird, bei der sie "eine Art Gleichgewicht mit dem Menschen" erreicht.

"Wir werden also infiziert, bekommen eine leichte Infektion und werden im Laufe des Lebens immer wieder angesteckt. Und das ist die Langzeitprognose für SARS-CoV-2".

Andere Experten sind sich einig, dass Impfstoffe und Auffrischungsimpfungen immer noch der beste Schutz gegen schweres COVID-19 sind - auch wenn sie Reinfektionen nicht verhindern können.

"Die aktuellen Subvarianten sind in Bezug auf die Immunität, die sie auslösen, etwas weiter von den ursprünglichen Stämmen entfernt, so dass Impfstoffe eine Infektion mit diesen neueren Stämmen nicht mehr ganz so gut verhindern können", sagte Dr. Mike Ryan, der WHO-Direktor für Notfälle, auf einer Pressekonferenz.

Dr. Maria Van Kerkhove, die bei der WHO für COVID-19 zuständig ist, fügte hinzu, dass BA.5 "die übertragbarste Variante ist, die wir bisher gesehen haben", und warnte davor, dass sie "noch übertragbarer sein wird als die letzte".

Das Auftauchen von BA.2.75, sagte sie, "zeigt uns, dass wir weiterhin wiederholte Infektionswellen erleben werden". Gleichzeitig sind sich beide Expertinnen darüber im Klaren, wie man steigende Raten von Krankenhausaufenthalten und Todesfällen bei der Ausbreitung von COVID vermeiden kann: Durch Impfung.