Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Thailand heißt Sie (wieder) willkommen. Aber nur, wenn Sie reich genug sind

Touristen auf der Insel Phuket, Thailand, 01.11.2021
Touristen auf der Insel Phuket, Thailand, 01.11.2021   -   Copyright  MLADEN ANTONOV/AFP
Von Euronews Travel  mit AFP

Thailands strenge Anti-Covid-Maßnahmen haben den internationalen Reiseverkehr während der Pandemie zum Erliegen gebracht. Doch jetzt, da der Tourismus langsam wieder in Gang kommt, will das Land eine andere Klientel an seine Küsten locken.

Bisher hat das Land eine Vielzahl von Tourist:innen angezogen, Rucksack-Tourist:innen genauso wie große Reisegruppen, mit wenig Rücksicht auf die Umwelt.

Das soll sich jetzt ändern: Thailand will seine "hedonistische" Geschichte des Massentourismus hinter sich lassen. Tourismus-Minister Phiphat Ratchakitprakarn hat angekündigt, den Schwerpunkt zukünftig auf "Highend-Reisende und nicht auf eine große Anzahl von Besuchern" zu legen.

Die Phi Phi-Inseln, bekannt für ihre weißen Strände und kristallklares Wasser, würden sich über einen Wandel in dieser Richtung freuen. Denn während die Lockdowns internationale Reisende fernhielten, erholte sich die Region in aller Stille von den Jahren des Massentourismus.

Vor der Pandemie verzeichnete der Phi-Phi-Nationalpark jedes Jahr mehr als zwei Millionen Besucherinnen und Besucher, von denen 6.000 täglich die weltberühmte Maya-Bucht bestaunten. Dieser unkontrollierte Massentourismus brachte das empfindliche Ökosystem der Region aus dem Gleichgewicht.

AFP/Mladen Antonov
Touristin posiert auf einem Boot in der Maya-Bucht, ThailandAFP/Mladen Antonov

"Die Korallenbestände sind in etwas mehr als zehn Jahren um mehr als 60 Prozent zurückgegangen", sagt Thon Thamrongnawasawat von der Kasetsart-Universität in Bangkok gegenüber AFP.

Das Problem wurde so schlimm, dass Thon die Behörden im Jahr 2018 dazu drängte, einen Teil der weltberühmten Bucht für Besucher:innen unzugänglich zu machen. Seitdem ist die Bucht geschlossen, und da die Besucherzahlen in der Region aufgrund strenger Reisebeschränkungen auf fast null gesunken sind, hat die Natur begonnen, sich zu erholen.

Vom Aussterben bedrohte Walhaie wurden wieder vor der Küste gesichtet, Schildkrötenarten sind zurückgekehrt und mehr als 40 Prozent der in der Maya-Bucht neu angepflanzten Korallenfragmente haben überlebt. Thon nennt dies "eine sehr zufriedenstellende Zahl, die dank der Abwesenheit von Besucher:innen erreicht wurde".

Um sich jedoch vollständig zu erholen, müssten die Korallenriffe noch zwei Jahrzehnte ohne Besucher auskommen.

AFP/Mladen Antonov
Tourist:innen beim Schnorcheln auf Phi Phi Leh in der Andamanensee, ThailandAFP/Mladen Antonov

Reisen nach Thailand "neu denken"

Allerdings sind viele Menschen in Thailand auf den Tourismus als Einkommensquelle angewiesen. Daher hofft die thailändische Regierung, die Branche mit einem Schwerpunkt auf einer nachhaltigeren Art von Tourismus wieder zu beleben.

Im Zuge der Pandemie bereitet sie ein Programm für Langzeitaufenthalte vor, das auf vier Arten von Menschen abzielt. Freiberufler:innen sollen durch erleichterte Visa, steuerliche Anreize und gelockerte Regeln für Immobilienbesitz angelockt werden, aber auch hochqualifizierte Menschen, wohlhabende Weltbürger:innen und Rentner:innen sollen sich länger im Land aufhalten.

Um "Qualitäts"-Besucher:innen anzuziehen, lockert die Regierung auch die Vorschriften für den Jachtsport und will die Steuern auf Besitz und Luxusgüter überdenken.

Der Gouverneur der thailändischen Fremdenverkehrsbehörde, Yuthasak Supasorn, sagte, dass der Tourismussektor des Landes nur dann nachhaltig sein könne, wenn er "Highend"-Reisende anziehe.

Phi Phi hofft auch, seinen touristischen Ruf zu ändern. Der Leiter des Nationalparks, Pramote Kaewnam, will vermeiden, dass die gleichen Fehler noch einmal gemacht werden.

Boote dürfen nicht mehr in die Maya-Bucht einfahren. Stattdessen werden sie zu einer Anlegestelle auf der anderen Seite der Insel umgeleitet, die von der berühmten Bucht weit entfernt liegt. Nur acht Wasserfahrzeuge können dort anlegen, und die Besucherzahl ist auf 300 Personen beschränkt. Tourist:innen dürfen die Insel nur eine Stunde lang besuchen.

Zudem werden ausgewiesene Bereiche für Wassersportaktivitäten eingerichtet, um die Auswirkungen auf das empfindliche Ökosystem zu begrenzen.