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Rechtspopulisten streben nach einem salonfähigen Rassismus

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Rechtspopulisten streben nach einem salonfähigen Rassismus

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Die Novemberprogrome 1938 in Deutschland markieren den Übergang von der Diskriminierung deutscher Juden seit 1933 zur systematischen Verfolgung, die knapp drei Jahre später im Holocaust mündet. Am 9. November, der sogenannten Kristallnacht, haben die Nationalsozialisten mehr als 1400 Synagogen und Friedhöfe sowie jüdische Geschäfte in Deutschland und Österreich geplündert und zerstört.

Es war der Beginn des systematischen Massenmordes der Nazis an Millionen von Juden. In einer Serie geht euronews den Wurzeln der Progrome nach, denn den Hass, der sich vor 80 Jahren entlud, gibt es noch heute in ganz Europa.

Rechtspopulistische Parteien sind in ganz Europa auf dem Vormarsch. In Deutschland ist die AfD jetzt in allen 16 Landtagen vertreten. Liz Fekete, Direktorin des Londoner "Institute of Race Relations" erklärt den Wandel in den europäischen Gesellschaften und die Methoden der rechtspopulistischen Parteien:

"Sie sind sehr geschickt darin, die Möglichkeit der freien Meinungsäußerung zu nutzen, sie überschreiten dabei die Grenzen der Meinungsfreiheit, um eine fremdenfeindliche und rassistische Agenda voranzutreiben. Und darin sind die rechtspopulistischen Parteien wirklich gut: Schauen Sie sich die AfD an, es gibt bestimmte Themen in Deutschland, die tabu sind, wie offen rassistisch zu sein oder den Holocaust zu leugnen. Die AfD treibt diese Themen voran, und dabei verwenden sie eine Art Nationalismus und die Vorstellung, dass die Nation, das Volk, das deutsche Volk, Märtyrer sind, Opfer einer Art politischen Korrektheit. Und sie tun das ganz bewusst. Das bringt uns in eine Zeit zurück, in der Dinge, die im Hinblick auf die Anstiftung zum Rassismus verboten wurden, erst salonfähig und dann zur Norm wurden. Hier müssen wir aufpassen, und auch die Medien müssen aufpassen. Sie müssen sich selbst hinterfragen: Wenn sie bestimmte Äußerungen übernehmen, wenn sie die Darstellung der Rechtspopulisten verharmlosen, dann fördern sie in gewisser Weise den Aufstieg der Rechtspopulisten."

Deutschland bekennt sich zu seiner Schuld, in Berlin gibt es viele Gedenkstätten für die Opfer der Nazis. Die Botschaft lautet klar und deutlich "nie wieder". Aber wird sie das auch in Zukunft sein? Liz Fekete:

"Vor Kurzem hat Angela Merkel etwas gesagt, was mich sehr beeindruckt hat. Sie meinte, wir werden sehen, wie stark Politiker in Bezug auf ihre Opposition gegen Faschismus und Autoritarismus sind, wenn die Generation stirbt, die den Holocaust erlebt hat. Wenn Politiker nicht mehr aufgrund eigener Erfahrung verstehen, was Faschismus auslöst, wenn sie nicht mit der Geschichte vertraut sind, wenn sie keine Strukturen und Bildungsmöglichkeiten schaffen, die junge Menschen über die Faktoren aufklären, die Faschismus und Autoritarismus verursachen, dann wird auch die Aussage "nie wieder" an Bedeutung verlieren."