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Kattowitz: Warum Polen gegen den Kohleausstieg ist

Kattowitz: Warum Polen gegen den Kohleausstieg ist
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Unweit der südpolnischen Ortschaft Kattowitz befindet sich das größte Kohlebergwerk Europas. Rund 3.500 Kumpel arbeiten hier: Die Grube gilt als Symbol einer Region, die nicht ohne Grund "Polens Königreich der Kohle" genannt wird.

Bergarbeiter mit Leib und Seele

Kohlebergwerke bilden das Herz der schlesischen Identität. Die Arbeit in den Stollen ist schwer und gefährlich, sagt Radek Wojnar. Dennoch ist er mit Leib und Seele Bergarbeiter. Etwas anderes zu tun kann er sich kaum vorstellen:

"Ich habe dieses Bergwerk von meinem Fenster aus mein Leben lang gesehen. Mein Vater war Bergarbeiter, auch mein Großvater hat dort gearbeitet. Es ist eine Familientradition. Es ist schwer zu erklären, aber irgendetwas zieht mich an, und ich arbeite weiter dort."

Ehrgeizige Energie- und Klimaziele der EU kommen in Polen nicht gut an

In einem Land, in dem 80 Prozent des Stroms aus Kohle generiert werden, kommen die ehrgeizigen Energie- und Klimaziele der Europäischen Union - die auch den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen vorsehen - nicht gut an. 85.000 Beschäftigte arbeiten allein im Kohle-Sektor, hinzu kommen zahlreiche Beschäftigte in der Stahl- und Metallindustrie. Insgesamt hängen eine halbe Million Arbeitsplätze von der Kohleindustrie ab, sagt Dominik Kolorz, Leiter der regionalen "Solidarnośc"-Gewerkschaft:

"Wenn der Prozess der Reduzierung der CO2-Emissionen so schnell voranschreiten soll, wie die EU es will, werden wir das ökonomisch und sozial nicht überleben."

Der polnische Kohlesektor ist in den vergangenen Jahrzehnten tiefgreifend umstrukturiert worden. Die Stadt Wałbrzych in Niederschlesien hat sich noch immer nicht von der Schließung der Bergwerke in der Umgebung erholt.

Leben unter der Armutsgrenze: Bergarbeiter in 'Armuts-Zechen'

Nachdem Roman vor gut 20 Jahren seinen Posten als Kumpel verloren hatte, war er in ganz Europa auf Arbeitssuche und ist letztendlich nach Polen zurückgekehrt. Er lebt von Gelegenheitsarbeiten und von den sogenannten "Armuts-Gruben"- illegale Zechen, die am Stadtrand gegraben wurden. Die Polizeikontrollen werden mehr, aber das hält Menschen wie Roman, der für sich keine andere Möglichkeit des Geldverdienens sieht, nicht davon ab, weiter zu machen:

"Die Behörden kommen vorbei und füllen die Löcher auf. Aber die Menschen, die von den 'Armuts-Zechen' leben, werden einfach weitermachen. Denn Kohle war, ist und wird immer gebraucht werden."

Euronews-Reporterin Valérie Gauriat schlussfolgert: "Weit weg von den Gesprächen in Kattowitz auf hochrangiger Ebene bleiben die Erwägungen zum Klimawandel ein ferner Luxus für Menschen wie Roman, für den der Rückgang des Kohlabbaus nichts als Kummer gebracht hat."