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6000 Demonstranten bei politischem Gedenkmarsch für Boris Nemzow

6000 Demonstranten bei politischem Gedenkmarsch für Boris Nemzow
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"Russland wird frei sein", "Wir sind Nemzow" und "Russland ohne Putin". Tausende Menschen haben bei einem Marsch in Moskau und auch in anderen russischen Städten des Oppositionspolitikers Boris Nemzow gedacht und dabei regierungskritische Parolen skandiert. Nemzow war vor vier Jahren im Zentrum Moskaus erschossen worden. Nach Polizeiangaben beteiligten sich 6.000 Menschen am Marsch durch die Hauptstadt. Die Organisatoren sprachen von 8.000 Teilnehmern.

Euronews-Korrespondentin Galina Polonskaja mischte sich in Moskau unter die Demonstranten:

"Patriotismus ist die Liebe zum eigenen Volk, und nicht Hass gegen Andere. Stoppt Russland vor dem Gang in die Isolation. Diese und andere Zitate von Boris Nemzow werden hier von den Teilnehmern hochgehalten. Für sie war Boris Nemzow das Symbol für ein freies Russland."

Politik statt Trauer

Die Veranstalter wollten den Marsch als Kundgebung für politische Reformen verstanden wissen. Ko-Organisator und Oppositionspolitiker Ilja Jaschin sagte während des Marsches durch Moskau: "Wir sind nicht hierher gekommen , um zu weinen und zu trauern. Uns geht es um politische Anliegen. Wir fordern die Freilassung politischer Gefangener und eine Untersuchung des Mordfalls Boris Nemzow. Nicht nur die Täter, auch die Drahtzieher müssen zur Verantwortung gezogen werden. Wir wollen demokratische Reformen und einen Machtwechsel."

Ko-Organisator Mikhail Kasyanov, ebenfalls Oppositionspolitiker, ergänzte: "Wir fordern die Behörden auf, das Geheimnis um den Mord aufzudecken und die Ermittlungen nicht zu verfälschen. Bislang gibt es weder Täter noch Auftraggeber."

Heikle Ermittlungen und kein Nachfolger in Sicht

Die Familie Nemzows beklagte laut der Agentur Interfax, die Behörden würden den Angehörigen Informationen über den Stand der Ermittlungen vorenthalten. Die Hintermänner seien noch nicht gefasst.

Im Zusammenhang mit dem Fall wurden vier Männer wegen Beihilfe zum Mord zu langen Haftstrafen verurteilt. Der mutmaßliche Auftraggeber des Mordes, Ruslan Muchudinow, ist seit 2015 international zur Fahndung ausgeschrieben. Für sein Motiv gibt es keinen Anhaltspunkt. Muchudimow wurde in Abwesenheit zu 20 Jahren Haft verurteilt.

Ein älterer Demonstrationsteilnehmer in Moskau zeigte sich ernüchtert: "Die Leute fragen heute, wer Nemzow ersetzen kann. Natürlich ist da niemand, nur verbrannte Erde. Boris war der letzte seiner Art. Und sie haben ihn rausgenommen."