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Gar nicht lustig: Offener Antisemitismus beim Karneval in Belgien

Gar nicht lustig: Offener Antisemitismus beim Karneval in Belgien
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Gar nicht lustig finden viele Belgier antisemitische Klischees, die bei einem Karnevalsumzug in der Stadt Aalst zu sehen waren. Ein Wagen sollte auf Geldsorgen der Karnevalstruppe aufmerksam machen und zeigte unter dem doppeldeutigen Titel "Sabbatjahr" extrem überzeichnete orthodoxe Juden, wie sie auch im berüchtigten NS-Hetzblatt "Stürmer" dargestellt worden waren. Einzige Aktualisierung: Die Geldsäcke zu ihren Füßen tragen ein Euro-Zeichen.

Margaritis Schinas, Sprecher der EU-Kommission, über den Vorfall in der flämischen Kleinstadt, gut 30 Kilometer westlich von Brüssel:

"Es ist undenkbar, dass solche Bilder auf den Straßen Europas gezeigt werden. Die Position der Kommission ist, ist und wird immer sehr klar sein: Wir stehen entschieden gegen alle Formen des Antisemitismus. Die EU-Mitgliedstaaten haben erst kürzlich ihr Engagement in einer Erklärung des Rates speziell zu diesem Thema bekräftigt."

"SCHOCKIEREND"

Binyomin Jacobs, der niederländische Oberrabbiner, nannte den Beitrag "schockierend". Er enthalte "typische, antisemitische Karikaturen von 1939", sagte er Medien (Nachrichtenagentur "Jewish Telegraphic Agency").

Laut "Jüdische Allgemeine", Berlin, ist beim Aalster Karneval schon 2013 ein Wagen im Umzug mitgefahren, der an Eisenbahnwaggons erinnerte, mit denen einst Juden deportiert wurden, begleitet von Karnevalisten in SS-Uniformen.

"Die Entwicklungen in ganz Europa sind schockierend - Antisemitismus kommt mit Wucht zurück", hatte Manfred Weber Anfang des Monats festgestellt. Der Vorsitzende der Europäischen Volkspartei (EVP) im Europarlament und Spitzenkandidat für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten: Jeder 20. Europäer habe keine Ahnung, dass der Holocaust überhaupt stattgefunden hat.

Aus Webers Sicht gibt es "zunächst einen stark anwachsenden Antisemitismus von rechts"; es gebe aber auch "linken Antisemitismus", etwa in der britischen Labour-Partei. Darüber hinaus komme eindeutig eine dritte Wurzel aus dem "muslimischen Bereich".

"DAS IST HASS"

Im vergangenen Monat hatten sich Tausende an einer Protestkundgebung im Zentrum von Paris beteiligt, Thema "Für Anti-Semitismus gibt es keine Entschuldigung, das ist Hass“.

su

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