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Müllbeutel als Schutzkleidung: Frankreich ist schlecht gewappnet

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Müllbeutel als Schutzkleidung: Frankreich ist schlecht gewappnet
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Frankreichs medizinische Armee im Kampf gegen das Coronavirus ist offenbar schlecht aufgestellt. Eine Notärztin prangerte gegenüber Euronews Missstände im Gesundheitswesen an

Dr. Sabrina Ali Benali beklagte vor allem die schlechte Ausstattung der Krankenhäuser und Versorgungsengpässe an:

"Wir haben einen Weg gefunden, Masken zu bekommen, aber das ist alles, was wir haben. Wir haben weder Schutzanzüge, noch einen Vorrat an Handdesinfektionsmitteln, oder Haarnetze, Schutzbrillen, Überschuhe."

Die Ärztin sagte, die Mehrheit des Gesundheitspersonals in Frankreich stehe unter der gleichen Belastung. Dies zeigten auch tausende Kommentare in Sozialen Medien, so Benali:

"Ich stelle fest, dass wir uns alle in der gleichen Situation befinden. Ich habe von Krankenschwestern, auch aus dem privaten Sektor, gehört, die sagen, dass sie ohne Waffen in den Krieg ziehen, die mit einem Kloß in der Magengegend zur Arbeit gehen.

Ich arbeite heute Abend wieder, und ich weiß, dass es unter den Pflegern diese Tendenz gibt, es so darzustellen, dass wir Helden sind. Aber nicht in meinem Fall. Ich bin keine Heldin. Ich habe Angst."

Die Krise war schon vorher da

Frankreichs Gesundheitssystem ist bereits seit Monaten im Krisenmodus.

Tausende Mitarbeiter des Gesundheitswesens haben wiederholt gestreikt, um Budgetkürzungen anzuprangern, die ihrer Meinung nach die öffentlichen Krankenhäuser an den Rand des Zusammenbruchs gebracht haben. Nun, sagt Doktor Benali, sei der Tag der Abrechnung gekommen.

Die Maßnahme von Präsident Emmanuel Macron, eine landesweite Ausgangssperre zu verhängen, könnte allerdings dazu beitragen, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, so Benali. Aber:

_"Die Entscheidung hätte früher getroffen werden müssen. Alle Maßnahmen werden zwei Wochen zu spät verabschiedet. Wir haben darauf gewartet. Wir wollten, dass die Schulen viel früher geschlossen werden...und jetzt gibt es die volle Sperre."
_

Müllbeutel als Schutzkleidung

Der Kampf gegen die Pandemie ist noch lange nicht vorbei, meint auch Doktor Benali, die zwangsläufig Kreativität an den Tag legt: "Ich werde meinen Mann bitten müssen, Müllbeutel zu kaufen, damit ich Einwegschutzkleidung improvisieren kann... also da haben Sie es... es ist ziemlich alarmierend, dass eine so große Nation in diesem Zustand ist."

Wenn die Kämpfe im von Macron so genannten Krieg nachlassen, hoffen die französischen Ärzte, dass sie den Sieg erringen können.

Dazu gehört auch, dass man die richtigen Waffen für das nächste Mal, wenn eine Krise eintritt, erhält.