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Sommerurlaub absagen? Merkel will alle 2 bis 3 Wochen Bilanz ziehen

Sommerurlaub absagen? Merkel will alle 2 bis 3 Wochen Bilanz ziehen
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Ostern steht vor der Tür und Deutschland befindet sich im Ausnahmezustand. Täglich informieren Regierungsmitglieder zum Stand der Lage, heute unter anderem Gesundheitsminister Spahn: "Wir dürfen jetzt nicht nachlässig werden", sagte Jens Spahn, zu Ostern falle es ihm selbst auch schwer dass er weder seine Familie sehen noch in den Gottesdienst gehen könne. Die Einschnitt in den Alltag aber zeigten Wirkung. Bei fast 110.000 Infizierten gibt es über 50.000 Gesundete.

Angela Merkel sagte wenig später auf Nachfrage eine Journalisten, ob Deutsche ihren Sommerurlaub absagen sollten, dass es zu früh sei, diese Empfehlungen auszusprechen. Man müsse beurteilen, inwiefern die Maßnahmen Effekt zeigen und alle zwei bis drei Wochen nachjustieren.

Jens Spahn sprach von einem "gesamtgesellschaftlichen Experiment", sich an an einem Feiertag, an dem die Temperaturen sommerlich sind, an Restriktionen zu halten.

Die Infektionsrate verlaufe linear und nicht weiter exponentiell. Er dankte allen Deutschen für ihre Kooperation. Das müsse jetzt auch so bleiben, damit die Erfolge der gemeinsamen Anstrengung nicht rückgängig gemacht würden, so Spahn.

Normalität: ja, langsam - aber kein Alltag

40 Prozent der Intensivbetten, ungefähr 10.000 Betten seien in Deutschland noch frei. Daher könne man solidarisch sein und Patienten von Nachbarländern aufnehmen und behandeln.

100.000 Tests am Tag werden in Deutschland durchgeführt, mittlerweile auch viele in Pflegeheimen. 6 von 7 Covid-19-Patienten würden ambulant behandelt.

Auch viele Reha-Kliniken helfen wohl dabei die Kliniken zu entlasten und Patienten aufzunehmen.

"Bis hierhin sind wir vergleichsweise gut durchgekommen", so Spahn.

Zwar gehen wir langsam Schritt Richtung Normalität aber Alltag nach Corona wird es so schnell nicht geben. Über Wochen und Monate wird man weiter verzichten: Festivals, Clubs, etc. würden eine Weile geschlossen bleiben aber es sie notwenig.

Auch diese Zeit wird vorbeigehen
Dr. Franziska Giffey
Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Auch Familienministerin Giffey lobte die Kooperationsbereitschaft der Deutschen, die auch in ihren Familien diese Krise gut meistern. Aber alle Anstrengungen und Verzicht dürften nicht umsonst gewesen sein und daher müsse man die Empfehlungen weiter respektieren und nicht nachlassen.

"Auch diese Zeit wird vorbeigehen", so Giffey. In der kommenden Woche werde über Schul- und Kitaschließungen beraten. Die Sicherheit aller stehe hier an oberster Stelle, eine Rückkehr zur Normalität schloss Giffey zwar nicht aus, lies aber durchblicken, dass "andere Lösungen" gefunden werden müssten. Vor allem auch mit Blick auf die Kinder und Jugendlichen, die in schwierigen Haushalten leben.

Die Ministerin stellte den sogenannte "Notfall-Kinderzuschlag" (KIZ) vor, der an Alleinerziehende und Eltern mit geringem Einkommen profitieren können. 80.000 Anträge seien in der ersten Woche eingegangen.

Zahlreiche freiwillige Helfer in Deutschland werden derzeit vermittelt, falls sie in Einrichtungen tätig waren, die jetzt geschlossen sind. Diejenigen, die im Ausland im Einsatz waren, werden zurückgeholt, insofern sie das wollen.

Bezüglich der Senioren und der Ideen, einige eventuell isolieren, damit sie gesund bleibe, sagte Giffey sie wolle keine Zweiklassengesellschaft, es müssten andere Strategien gefunden werden, um ältere Menschen zu schützen.

Coronavirus-Zahlen in Deutschland

Deutschland zählt heute (Stand 9. April 0 Uhr) 2.107 Todesfälle und 108.202 gemeldete Infektionen.

Die Zahl der neuübermittelten Fälle seien immer noch auf einem sehr hohen Niveau, so RKI-Chef.

"Von einer Entspannung kann man noch nicht ausgehen". Immer mehr ältere Menschen würden erkranken, so Wieler. Viele Covid-Fälle befänden sich in stationärer Behandlung.

Von einer Entspannung kann man noch nicht ausgehen.
Prof. Lothar Wieler
RKI-Chef

Laborbestätigte Fälle und die Dunkelziffer entscheiden sich, so Wieler. Ziel sei es über sie so viel wie möglich zu erfahren. Sogenannte Antikörpertests gegen Sars-CoV-2-Viren sollen dabei helfen. Sie seien seit Kurzem verfügbar.

Serologische Studien: Blutspender aus ganz Deutschland, Menschen, die in Covid-Ausbruchsgebieten leben und von einer Stichprobe aus ganz Deutschland. Diese drei Gruppen sollen Aufschluss über die Lage der Infektion und der Immunität in Deutschland geben. Wie lange Personen mit Antikörpern gegen das Virus immun sind, ist allerdings nach wie vor nicht bekannt.

Wie viele Menschen sind immun, wie viele Asymptomatiker gibt es in Deutschland und wie hoch die Sterberate wirklich ist, sind die Ziele dieser Studien.

Die Situation macht Stress - eine Herausforderung für viele

"Es ist völlig normal, dass es uns traurig macht" sagte Prof. Dr. med. Mazda Adli, Psychater und Stressforscher. Menschliche Nähe fehle vielen Menschen, über Telefon und digitale Medien könne das in gewisser Weise ausgeglichen werden.

Man solle sich zuhause in Kompromissbereitschaft üben und warten bis die Anspannung abflacht, um kritische Themen und Streits auszudiskutieren.

Stress sei gefährlich wenn er chronisch wird und als unbeeinflussbar erlebt wird, so Prof. Adli. Man müsse sich klarmachen, dass die Situation nicht ewig andauert und dass es langsam besser wird. Es sei nicht verkehrt, sich Gedanken über das Leben nach der Corona-Krise nachzudenken, vorsichtig Pläne zu schmieden.

Wenn die Ängste, Kummer oder Konflikte überhand nehmen, solle man zudem nicht zögern sich Hilfen zu suchen. Sei es in Kliniken oder bei Hilfetelefonen.

Exit aus dem Lockdown?

Wenn das gehe es um eine schrittweise Lockerung der Einschränkungen, so Jens Spahn. Es werde nicht von einem auf den nächsten Tag alles wieder normal werden, daher sei die Bezeichnung "Exit" schwierig.

Das RKI sammelt hier Studienergebnisse, wissenschaftliche Ergebnisse würden schnell der Gemeinheit bereitgestellt, Wieler lobte die Transparenz der Forschung in dieser Zeit.

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