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In EU nicht zugelassen: Ungarn ordert 2 Mio. Dosen "Sputnik V" von Russland

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Von Rita Palfi  & Cornelia Trefflich mit dpa
Sputnik V-Impfstoff
Sputnik V-Impfstoff   -   Copyright  Pavel Golovkin/AP
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Ungarn wird den russischen Corona-Impfstoff Sputnik V kaufen. Ungarns Außenminister Péter Szijjártó kündigte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow in Moskau an, dass sein Land zwei Millionen Impfdosen aus Russland kaufen wolle. Der russische Impfstoff ist in der EU bislang nicht zugelassen.

Der Impfstoff soll Szijjártó zufolge in drei Etappen nach Ungarn geliefert werden. Wann die Lieferung beginnen soll, war zunächst unklar.

Russischer Impfstoff bekommt Notzulassung in Ungarn

Am Donnerstag hatte die ungarische Arzneimittelbehörde (OGyEI) dem russischen Anti-Corona-Impfstoff Sputnik V eine Notzulassung für den Gebrauch in Ungarn erteilt. Sie ist für sechs Monate gültig und kann noch einmal um weitere sechs Monate verlängert werden. Nun fehlt noch die Zustimmung des Zentrums für Nationale Volksgesundheit (NNK) zur Zulassung des Impfstoffs.

Ungarn hatte zuvor schon dem Impfstoff des britisch-schwedischen Unternehmens AstraZeneca eine vorläufige Zulassung erteilt. Allerdings ist auch dieser Impfstoff noch nicht von der europäischen Arzneimittelbehörde EMA zugelassen. Die Zulassungsentscheidung der EMA soll vor Ende Januar fallen. Allerdings können nationale Behörden in Dringlichkeitssituationen Impfstoffe freigeben.

Zuvor hatte sich Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban darüber beklagt, dass sein Land von der EU zu wenig Impfstoff erhalte. Mit Stand von 21.01.2021 hatte das Land 140.000 Menschen geimpft, bei einer Bevölkerungsgröße von knapp 10 Millionen.

Merkel lotet Optionen mit Putin aus

Erst Anfang des Jahres hatte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zur Bekämpfung der Corona-Pandemie telefoniert. Dabei sei es um mögliche Perspektiven für die gemeinsame Herstellung von Impfstoffen gegangen, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet hatte. Die Gesundheitsministerien beider Länder wollten demnach miteinander in Kontakt treten und sich austauschen.

Bei dem Gespräch sei es nicht darum gegangen, Engpässe bei der Impfstofflieferung durch den Ankauf von Sputnik V auszugleichen. Vielmehr sei Russland auf der Suche nach zusätzlichen Produktionskapazitäten in Europa, so die Süddeutsche Zeitung. Dafür ist allerdings eine Zulassung des russischen Impfstoffs durch die europäische Arzneimittelbehörde EMA nötig. Bislang hat Russland noch keinen Zulassungsantrag dort gestellt.

Westliche Skepsis gegenüber Sputnik V

Sputnik V ist ein Vektorimpfstoff, der auf Basis eines modifizierten Adenovirus entwickelt wurde. Er wird bereits in mehreren Ländern eingesetzt, darunter Serbien, Argentinien und Algerien. Auch in Russland sind bereits 1,5 Millionen Menschen damit geimpft.

Russland war das erste Land weltweit, das seinen Corona-Impfstoff "Sputnik V" noch vor dem Abschluss der Testphase III, in der der Impfstoffkandidat in einer großangelegten Studie an zahlreichen Probanden getestet wird, zugelassen hatte. Im Westen war die rasche Zulassung noch vor Abschluss der letzten Testphase kritisch beäugt worden.

Bislang hat Russland auch keine Ergebnisse zu klinischen Studien der Phase III seines Impfstoffs in einem renommierten Fachblatt veröffentlicht. In Westeuropa bleibt man daher gegenüber dem russischen Impfstoff skeptisch.

Weitere Quellen • Süddeutsche Zeitung