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Menschen ohne Krankenversicherung: Ein wachsendes Problem

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Menschen ohne Krankenversicherung: Ein wachsendes Problem
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Die Medizin und Fachleute schlagen Alarm: Aufgrund der Pandemie steigt die Zahl der Menschen ohne Krankenversicherung in Europa. Besonders betroffen sind Migranten, aber auch immer mehr Einheimische aus der Mittelschicht. In Wien etwa ist die Zahl der nichtversicherten schwangeren Migrantinnen zuletzt um 30 Prozent gestiegen.

Elina Smuk, eine aus Rumänien stammende Englischlehrerin, sagt: „Ich habe gearbeitet, aber ich habe meinen Job wegen der Corona-Pandemie verloren. Damit habe ich auch mein Recht auf Krankenversicherung verloren, alles verloren.“

Ehrenamtliche Ambulanzen bieten medizinische Hilfe an

In Österreich ist die Krankenversicherung mit dem Dienstverhältnis verknüpft. Ohne Arbeit ist die schwangere Elina deshalb auf ehrenamtliche medizinische Hilfe angewiesen. Geleistet wird diese von Ambulanzen - diese brauchen Verstärkung.

Die einzige Bedingung ist sozusagen, keine Versicherung zu haben
Monika Matal
ehrenamtliche Chefärztin der Ambulanz AmberMed

„Ja, die Patienten sind froh, dass es uns gibt, dass es die Möglichkeit gibt, hier eine Ambulanz zu haben mit einem niederschwelligen Zugang, wo eigentlich jeder kommen kann. Die einzige Bedingung ist sozusagen, keine Versicherung zu haben. Ich denke, das ist eine Aufgabe, die ganz, ganz wichtig ist, und deswegen bin ich hier“, betont Monika Matal, ehrenamtliche Chefärztin der Ambulanz AmberMed.

Größter Anteil der Nichtversicherten in Polen, Ungarn und Estland

In vielen anderen Ländern Europas ist die Krankenversicherung an die Staatsbürgerschaft oder den Wohnsitz gekoppelt - offiziell sind dort somit alle versichert. In Österreich und Deutschland wurde der Versicherungsschutz in den vergangenen Jahren ausgeweitet, nur ein kleiner Prozentsatz bleibt hier unversichert. Am größten ist der Anteil der Nichtversicherten in Polen, Ungarn und Estland.

Die Pandemie verschlimmert diese Situation nun. Im letzten Jahr waren die Arbeitslosenquoten bei Ausländern in fast zwei Dritteln der OECD-Länder höher als bei Einheimischen.

„Zulauf-Zahlen dramatisch gestiegen"

Michael Fuchs vom „European Centre for Social Welfare Policy and Research“ erläutert: „Bei den Einrichtungen, die nicht-krankenversicherte Personen behandeln, sind die Zulauf-Zahlen dramatisch gestiegen. Und vor allem sind Personen mit Migrationshintergrund betroffen, die schon per se verstärkt von Nicht-Krankenversicherung betroffen sind - aber jetzt noch mehr, weil sie vielfach prekär beschäftigt sind und vielfach als erste von Arbeitslosigkeit im Rahmen der Pandemie betroffen sind."

euronews-Reporter Johannes Pleschberger kommentiert: „Die Corona-bedingte Arbeitslosigkeit von Elina zeigt die Lücken im europäischen Krankenversicherungssystem. Dabei wünscht sich Elina nichts weiter, als irgendeine Arbeit zu finden und dass ihr Kind gesund zur Welt kommt.“