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Dritte Welle überstanden? Spahn und Wieler mahnen zur Vorsicht

Schlange stehen für Impfungen im Kölner Stadtteil Chorweiler
Schlange stehen für Impfungen im Kölner Stadtteil Chorweiler   -   Copyright  Martin Meissner/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.
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Die dritte Welle flacht langsam aber sicher ab. Neuinfektionen und Sieben-Tage-Inzidenz liegen deutlich unter dem Wert der Vorwoche.

Spahn: "Erreichtes nicht verspielen"

Bei der wöchentlichen Bundespressekonferenz in Berlin sagte der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU): "Die dritte Welle scheint gebrochen" und warnte gleichzeitig davor, das "Erreichte nicht zu verspielen". Das Niveau bei den Neuinfektionszahlen sei weiterhin hoch. Als Grund für die sinkenden Inzidenzen nannte Spahn das Verhalten der Bürger:innen, die die Warnungen sehr ernst genommen- und Kontakte reduziert-, und ihre Mobilität eingeschränkt hätten.

Auch RKI-Präsident Lothar Wieler zeigte sich zuversichtlich mit Bezug auf die jüngste Entwicklung. Es gebe die Hoffnung, die Pandemie bald kontrollieren zu können. Allerdings dürfe man nicht vergessen, dass das Virus weiterhin große Teile der Welt im Griff habe. In Deutschland gingen die Inzidenzwerte fast überall und in allen Altersgruppen zurück und auch die Impfkampagne schreitet immer weiter voran. Auf den Intensivstationen sei davon aber bislang wenig zu spüren, so Wieler. Ärzte und Pflegepersonal arbeiteten weiter an ihrer Belastungsgrenze. Auch die Zahl der Todesfälle sei mit mehreren Hundert pro Tag weiterhin viel zu hoch.

An diesem Freitag Morgen hat nach dem Bundestag nun auch der Bundesrat für die Lockerungen für Geimpfte und Genesene gestimmt. Die neue Verordnung kann bereits an diesem Wochenende in Kraft treten. So könnten die Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen für Geimpfte und Genesene deutlich erleichtert werden. Bei Treffen mit anderen Personen würden sie nicht mehr mitgezählt und müssten in Läden oder beim Friseur keinen Test mehr machen. Damit die Verordnung wirksam werden kann, muss nun noch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seine Zustimmung per Unterschrift geben. Dieser Schritt gilt als Formsache.

RKI meldet 18.485 Neuinfektionen

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat am Morgen 18.485 Neuinfektionen und 284 neue Todesfälle gemeldet. Zum Vergleich: Vor genau einer Woche hatte es 24.329 neue Corona-Fälle gegeben und 306 Tote.

Auch die Sieben-Tage-Inzidenz, die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, geht weiter deutlich zurück. Sie lag am Morgen bundesweit bei 125,7. Gestern hatte der Wert noch bei 129,1 gelegen, vor einer Woche bei 153,4.

Sechs Bundesländer unter Schwelle von 100

In sechs Bundesländern liegt die Sieben-Tage-Inzidenz inzwischen unter 100: In Berlin, Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Am wenigsten Neuinfektionen binnen einer Woche gab es mit 53,8 in Schleswig-Holstein auf, am meisten in Thüringen mit 198,0.

Beim Impfen geht es voran in Deutschland: Fast ein Drittel der Bevölkerung hat zumindest eine Spritze gegen Corona bekommen. Und das Tempo dürfte noch weiter anziehen: Nach dem gestrigen Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Ländern kann sich künftig jeder Mensch hierzulande ohne Rücksicht auf die gültige Priorisierungsliste mit AstraZeneca impfen lassen.

AstraZeneca für alle: Weiter Bedenken

Ganz unumstritten ist dieser Schritt allerdings nicht: Die Ständige Impfkommission etwa plädiert dafür, vorerst weiter an der Bevorzugung besonders gefährdeter Gruppen festzuhalten. Denn noch immer hätten viele impfwillige Menschen mit hohem Risiko keine Möglichkeit zur Impfung gehabt. Und dies beziehe sich "auch auf AstraZeneca".

Trotzdem: Das Impftempo nimmt immer weiter an Fahrt auf und damit auch die Debatte um Lockerungen für Geimpfte. Nach dem Bundestag stimmt heute auch der Bundesrat über die Rücknahme vieler Corona-Beschränkungen für vollständig geimpfte und genesene Menschen ab.

Die entsprechende Verordnung könnte nach Zustimmung der Länderkammer bereits ab dem Wochenende in die Tat umgesetzt werden. In Bayern trat die Regelung schon in der Nacht in Kraft: Heißt: Genesene und Geimpfte durften auch nach Beginn der Ausgangssperre um 22 Uhr vor die Tür.

Mecklenburg-Vorpommern: Kinder müssen draußen bleiben

Die Corona-Lage entspannt sich, die Impfungen gehen voran. Auch das Wetter wird in den kommenden Wochen wieder besser und somit die Kurve nach Meinung der Experten weiter fallen. Was bedeutet das für den Pfingst- und Sommerurlaub?

Virologen gehen von einem coronaruhigen Sommer aus und glauben, dass Reisen im Sommer möglich sein wird, sowohl innerhalb Deutschlands als auch innerhalb Europas. Und wie sieht es mit dem Kurzurlaub über Himmelfahrt und den Pfingstferien aus? In Deutschland herrscht derzeit noch vielerorts ein Beherbergungsverbot.

In einige Regionen dürfen vollständig Geimpfte und Genesene aber wieder einreisen. Zum Beispiel nach Mecklenburg-Vorpommern, das seit Mittwoch geimpfte Tagestouristen und auch Zweitwohnungsbesitzer empfängt. Das Problem: Kinder sind nicht erlaubt, denn für die gibt es momentan noch keine Impfung.