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Geschäftspartner Taliban: Usbekistan handelt mit den Hardlinern

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Von Euronews  mit AFP
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Sicherheitskräfte der Taliban an der Grenzbrücke in Hairatan
Sicherheitskräfte der Taliban an der Grenzbrücke in Hairatan   -   Copyright  WAKIL KOHSAR/AFP or licensors

Mehr als zwei Monate nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan verfolgen Geschäftsleute in Usbekistans südlichster Stadt Termez - an der Grenze zu Afghanistan - einen pragmatischen Kurs.

Der Handel mit den religiösen Hardlinern auf der anderen Seite ist schwierig, aber nicht unmöglich. Und die Fortsetzung des seit Jahren existierenden Warenverkehrs eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Das zentralasiatische Binnenland sucht den Zugang zu Häfen im Arabischen Meer.

Afghanistan braucht Mehl, Zucker und einen guten Nachbarn

Eine zentrale Rolle im grenzübergreifenden Handel, vor allem mit der 60 Kilometer entfernten Stadt Mazar-i-Scharif in Nordafghanistan, spielt das "Termez Cargo Center", eine vor fünf Jahren eingerichtete Logistikplattform.

"Unser Zentrum hat eine große Zukunft im Hinblick auf den Transithandel mit Häfen in Pakistan wie Gwadar und dem Hafen von Karatschi", sagt der Leiter Nodir Jalilov. "Wir arbeiten bereits in diese Richtung, wir nehmen Lieferungen an. Aber wir waren es gewohnt, mit dem alten Regime zu arbeiten, jetzt hat sich das Regime geändert, und wir müssen Vereinbarungen mit neuen Leuten treffen."

Amrullo Sadullah ist ein afghanischer Partner des Zentrums. Er sagt, dass es auch für die Taliban wichtig ist, den Handel mit Usbekistan aufzubauen. "Sie sind an Handel und Warenverkehr interessiert, weil Afghanistan einen großen Bedarf an Mehl und Zucker hat und vor allem einen guten Nachbarn braucht."

Die neuen Behörden kontrollieren und überprüfen sich gegenseitig

Der Handel mit Afghanistan war schon immer schwierig, aber die Übernahme durch die Taliban hat nach Angaben von Geschäftsleuten in Termez eine Reihe neuer Herausforderungen mit sich gebracht.

Ein Firmeninhaber erklärte gegenüber AFP, die Kosten seien gestiegen, weil seine Fahrer - allesamt afghanische Staatsangehörige mit Visa für Usbekistan - sich weigerten, über den afghanischen Grenzübergang Hairatan hinauszufahren, weil sie befürchten, nicht mehr zurückkehren zu können.

Das bedeutet, dass sein Unternehmen für die Weiterfahrt andere Fahrer auf der anderen Seite bezahlen muss. Ein finanzielles und logistisches Problem.

Hinzu kommen lange und unvorhersehbare Wartezeiten im grenzüberschreitenden Verkehr, erklärt der LKW-Fahrer Rafik Khujakov. "Früher dauerte die Hin- und Rückreise drei Tage, jetzt ist es eine Woche. Sie kontrollieren und wiegen. Ihre Leute wissen nicht, wie man mit den Computern umgeht. Die neuen Behörden kontrollieren und überprüfen sich gegenseitig. Es ist sehr schwierig für uns geworden. "

Alle Bedrohungen einschließlich Raub und Entführung beseitigt

Auf der afghanischen Seite der Freundschaftsbrücke über den Fluss Amu Darya in der Grenzstadt Hairatan bezeichnet der Leiter der Zollstelle, Abdul Sattar Rashid, Berichte über Verzögerungen als Propaganda.

Im Gegenteil. Man habe für mehr Sicherheit gesorgt. Alle seien zufrieden, die Arbeiter, die Fahrer und das Nachbarland Usbekistan. Alle Bedrohungen, einschließlich Raub und Entführung seien beseitigt worden. Das sei deutlich zu spüren.

2020 belief sich das bilaterale Handelsvolumen auf 776 Millionen Dollar. Kabul und Taschkent wollten dieses bis 2023 auf 2 Milliarden Dollar erhöhen. Sogar die Verlängerung der Eisenbahnlinie bis nach Peschawar war geplant. Wie es mit dem Geschäftspartner Taliban weitergeht, muss sich zeigen.