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Das Jahr 2021 im Nahen Osten: Kein Ende der Konflikte in Sicht

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Von Manuela Scarpellini
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Das Jahr 2021 im Nahen Osten: Kein Ende der Konflikte in Sicht
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Euronews blickt zurück auf Ereignisse im Nahen Osten 2021: Eine umstrittene Zwangsräumung palästinensischer Familien durch jüdische Siedlerorganisationen im Ostjerusalemer Stadtteil Sheikh Jarrah haben im Mai elf Tage lang Gewalt ausgelöst. Im Vorfeld des Marsches zum Jerusalem-Tag kam es zu den schwersten Ausschreitungen seit 2017: Laut palästinensischen Angaben wurden 4200 Raketen abgefeuert, es gab über 232 palästinensische Opfer, darunter 65 Minderjährige, 1900 Verletzte. Auf israelischer Seite: mindestens 12 Tote und 343 Verletzte.

Kurz nach der Verabschiedung des Ultimatums an Israel, seine Sicherheitskräfte aus dem Jerusalemer Gelände der al-Aqsa Moschee und aus dem Viertel Sheikh Jarrah im Osten der Stadt abzuziehen, feuerte die Hamas Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel ab. Israel antwortete auf die Raketen der Hamas mit einem tödlichen Luftangriff auf Gaza.

Spannungen, die durch das Abraham-Abkommen unter der Schirmherrschaft der damaligen amerikanischen Regierung im Jahr 2020 verschärft wurden, das die Beziehungen zwischen Israel und vier arabischen Ländern - den Emiraten, Bahrain, Marokko und dem Sudan normalisierte, aber die Palästinenser isolierte, was die Instabilität der Region verschärfte.

Dank ägyptischer Vermittlung kam am 21. Mai ein brüchiger, bilateraler Waffenstillstand zustande. Die Netanjahu-Regierung stimmte einstimmig zu, Hamas und Islamischer Dschihad erklärten, sie würden ihn respektieren. Beide Seiten feierten das als ihren eigenen Sieg.

Agonie im Libanon

In Beirut kam es am 14. Oktober zu schweren Zusammenstößen. Ein weiteres Zeichen für die lange Agonie des Libanon: Ein Land, das einst als die Schweiz des Nahen Ostens galt und heute am Rande des Bankrotts ist. Am Tayyoune-Kreisel, etwa einen Kilometer vom Gerichtsgebäude entfernt, gab es eine Sitzblockade. Sie war von den Schiiten der Amal und der Hisbollah organisiert worden, um gegen die Ermittlungen zur Hafen-Explosion am 4. August 2020 zu demonstrieren. Scharfschützen schossen plötzlich auf die Demonstranten, töteten 6 Menschen und verletzten mindestens 30 weitere.

Die Hisbollah- und die Amal-Bewegung beschuldigten die christlich-maronitische Partei der libanesischen Streitkräfte. Die libanesischen Streitkräfte hingegen wiesen die Anschuldigungen zurück und beschuldigten die Schiiten, von der "Invasion der Hisbollah" in der Region ablenken zu wollen. Die Armee setzte Panzer und Truppen ein, um die Straßenkämpfe zu beenden, die Erinnerungen an den Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 weckten.

Die Spannungen belasten die Regierung von Najib Mikati, die nach 13 Monaten des politischen Stillstands gerade erst ihre Arbeit aufgenommen hatte. Der Milliardär soll den Libanon aus seiner existenziellen Finanz- und Wirtschaftskrise führen. Die Explosion im Hafen verursachte laut der Weltbank Schäden an Gebäuden und anderer Infrastruktur im Wert von bis zu 4,6 Milliarden US-Dollar (rund 3,9 Milliarden Euro). Die Krise wird verschärft durch Covid, den wirtschaftlichen Zusammenbruch mit zunehmender Armut, hoher Arbeitslosigkeit und Inflationsrate sowie der hohen Zahl syrischer Flüchtlinge im Land. Im Libanon leben im Vergleich zur Einwohnerzahl die meisten Flüchtlinge weltweit.

Papst-Besuch im Irak

Der erste Besuch eines Papstes im Irak brachte Hoffnung in die Region. In seiner ersten Reise nach 15 Monaten Quarantäne legte Franziskus in drei Tagen 1650 km zurück. Er traf sich mit religiösen Autoritäten und besuchte Orte, die zuvor Teil des sogenannten Islamischen Staates waren und wo Christen verfolgt wurden. Der wichtigste Moment der historischen war das Treffen mit Ayahtollah Ali al-Sistani in Nadschaf, der höchsten schiitischen religiösen Autorität des Landes. Ein in der Geschichte noch nie dagewesener Privatbesuch.

Al-Sistani, 90 Jahre alt und gebürtiger Iraner, ist nicht nur eine von den Irakern und den schiitischen Gläubigen anerkannte religiöse Autorität, er hat auch politischen Einfluss. Bessere Beziehungen zwischen den beiden Gemeinschaften dürften auch zu einer größeren Sicherheit für die christliche Minderheit führen.

In Mossul betete der Papst in den Ruinen einer Kirche für die Opfer des Krieges in der verwüsteten nordirakischen Stadt. Die christliche Gemeinde im Irak schrumpfte seit 2003 infolge des Krieges von 1,5 Millionen auf etwa 300.000 Mitglieder.

Vor seiner Abreise feierte Franziskus eine Messe für den Frieden in einem Stadion in Erbil, der Hauptstadt der nördlichen Kurdenregion. Die Stadt ist eine der ältesten der Welt, sie wurde 2014 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.