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Nichts geht mehr ohne Social Media: Französische Präsidentschaftwahlen

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Von Cyril Fourneris
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Der französische Präsidentschaftswahlkampf findet mehr denn je in den sozialen Netzwerken statt - ein perfektes Medium, um die Aufmerksamkeit der Wähler:Innen zu geringen Kosten und ohne Zeitlimit für sich zu gewinnen. Denn gerade junge Leute sehen nicht mehr fern, und Radio wird noch weniger gehört, alles kommt über das Internet.

Favikon ist ein Unternehmen, das Wahltrends in den sozialen Netzwerken analysiert, es erstellt Ranglisten der französischen Politiker in den sozialen Netzwerken. Drei Kandidaten stechen heraus: Emmanuel Macron, Eric Zemmour und Jean-Luc Mélenchon, der an der Spitze liegt.

Jérémy Boissinot, CEO Favikon

"Zemmour und Mélenchon sind seit sechs Monaten in unserem Ranking und waren beide nacheinander an der Spitze. Über die sozialen Medien erreichen Sie alle Bevölkerungsgruppen. Wollen sie eine bestimmte Berufsgruppe erreichen, gehen wir zu Linkedin. Junge Leute erreicht man über Tiktok, und für die breite Öffentlichkeit ist es Facebook. Es gibt also eine ganze Reihe von Instrumenten, mit denen die Bewerber ihre Botschaften platzieren können."

Andere Kandidaten haben ihren Platz auf diesen Plattformen noch nicht gefunden. Zugleich kämpfen sie mit niedrigen Umfragewerten.

Eher konsensorientierte Kandidaten haben es nicht geschafft, sich zu profilieren, weil ihre Inhalte in den sozialen Netzwerken kein Interesse geweckt haben.
Jérémy Boissinot
CEO Favikon

Die digitalen Teams der Kandidaten arbeiten in den sozialen Netzwerken mit einem "Radikalitätsbonus", wie Philippe Moreau-Chevrolet es nennt. Aber Vorsicht, diese Trends sind manchmal irreführend.

Philippe Moreau-Chevrolet, Professor für Kommunikation, Science Po

"Würden wir die sozialen Netzwerke zur Vorhersage des Wahlergebnisses nehmen, dann würde Eric Zemmour Präsident werden. Das könnte man Stand heute sagen, aber es stimmt nicht, denn in den sozialen Netzwerken äußern sich nur die Radikalsten, deshalb ist die Aussage nicht repräsentativ. Joe Biden hat das während des amerikanischen Wahlkampfes klar erkannt. Er sagte seinen Teams: Macht keinen Wahlkampf auf Twitter, schaut euch an, was im wirklichen Leben passiert. Das ist es, was Marine Le Pen getan hat, und das kommt ihr heute sehr zugute".

Im Zeitalter der sozialen Netzwerke ist eines sicher: Die strengen Regeln im Fernsehen oder Radio, also gleiche Redezeiten für alle Kandidaten wirken altbacken, und zwar so sehr, dass einige in Frankreich eine Reform des Wahlgesetzes fordern.