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"Noch nie so sehr geschämt": Russlands UN-Diplomat in Genf schmeisst hin

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Von Euronews  mit AP
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Proteste vor der Vertretung Russlands bei der UNO in Genf in der Schweiz
Proteste vor der Vertretung Russlands bei der UNO in Genf in der Schweiz   -   Copyright  Martial Trezzini/' KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI

Russlands Botschafter bei der UNO in der Schweiz ist von seinem Posten zurückgetreten. Und der Diplomat fällt in seinem Rücktrittsschreiben - das Boris Bondarew auch auf Facebook und in anderen sozialen Medien veröffentlicht hat - ein hartes Urteil über die Regierung und das Außenministerium seines Heimatlandes.

Diejenigen, die sich diesen Krieg ausgedacht hätten, wollten nur in geschmacklosen pompösen Palästen leben und von Straffreiheit profitieren,

In der auf Englisch verfassten Erklärung schreibt Bondarew: "In den zwanzig Jahren meiner diplomatischen Laufbahn habe ich verschiedene Entwicklungen unserer Außenpolitik erlebt, aber noch nie habe ich mich so für mein Land geschämt wie am 24. Februar dieses Jahres. Der aggressive Krieg, den Putin gegen die Ukraine, ja gegen die gesamte westliche Welt entfesselt hat, ist nicht nur ein Verbrechen gegen das ukrainische Volk, sondern vielleicht auch das schwerste Verbrechen gegen das russische Volk, das mit dem großen Buchstaben Z alle Hoffnungen und Aussichten auf eine blühende freie Gesellschaft in unserem Land zunichte macht."

Auch mit dem russischen Außenminister Sergei Lawrow geht Boris Bondarew hart ins Gericht. Das Niveau der Lügen sei in den vergangenen 20 Jahren immer weiter gestiegen.

"Heute geht es im Außenministerium nicht um Diplomatie. Es geht nur um Kriegstreiberei, Lügen und Hass. Es dient den Interessen einiger weniger, der allerwenigsten Menschen und trägt damit zur weiteren Isolierung und Degradierung meines Landes bei. Russland hat keine Verbündeten mehr, und niemand hat Schuld daran, außer seiner rücksichtslosen und schlecht durchdachten Politik."

Und Bondarew beendet sein Statement mit den Worten: "Ich habe Diplomatie gelernt und bin seit zwanzig Jahren Diplomat. Das Ministerium ist meine Heimat und meine Familie geworden. Aber ich kann diese blutige, witzlose und absolut unnötige Schmach einfach nicht mehr mitmachen."

Im Internet wird der Ex-Botschafter als "Held" gefeiert, er ist der hochrangigste russische Diplomat, der bisher seinen Dienst quittiert hat.

In einem Interview mit CNN hatte ein russischer Offizier erst vor wenigen Tagen erklärt, warum er nicht mehr der russischen Armee dienen will - und wie sich der Krieg in der Ukraine für ihn angefühlt hat. Auch er schämt sich für sein Heimatland Russland.