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Tausende Rechtsfälle auf Eis: Britische Strafverteidiger streiken

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Von Euronews  mit dpa
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Barrister in London beim ersten Austand im Juni
Barrister in London beim ersten Austand im Juni   -   Copyright  Matt Dunham/AP

Die Streikwelle in Großbritannien geht weiter. Nach den Beschäftigten der Bahn und des größten Containerhafens legen jetzt auch Strafrechtsanwälte und -anwältinnen die Arbeit nieder. Tausende Prozesse dürften sich dadurch verzögern. 

Höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen

Mit einem unbefristeten Streik wollen Anwälte in Großbritannien ihren Forderungen nach höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen Nachdruck verleihen. Wie der Verband The Criminal Bar Association (CBA) am Montag mitteilte, stimmten die Mitglieder dafür, vom 5. September an die Arbeit niederzulegen. 

Damit dürften sich Tausende Rechtsfälle weiter verzögern. Die sogenannten Barrister hatten bereits seit Ende Juni immer wieder gestreikt. Weder akzeptierten sie währenddessen neue Fälle noch übernahmen sie Mandanten von überlasteten Kolleginnen und Kollegen.

Tausende Fälle bleiben liegen

Der Verband fordert 25 Prozent mehr Lohn für Pflichtverteidiger. Das Justizministerium hatte für Ende September eine Erhöhung um 15 Prozent angekündigt. Doch der CBA lehnt dies ab, weil das Angebot nicht für bestehende Fälle gelte und es daher noch Jahre dauern werde, bis die Erhöhung tatsächlich bei den Anwälten ankommt. Mit Stand Ende April betrug der Rückstau insgesamt 58.271 Fälle.

Barrister hätten seit Jahren einen deutlichen Reallohnverlust erlitten, Neueinsteiger würden wegen der geringen Verdienste abgeschreckt, argumentiert der Verband. Das Ministerium kritisiert, dass wegen des Streiks zahlreiche Opfer noch länger auf Gerechtigkeit warten müssten.

Barrister sind im britischen Rechtssystem Anwälte oder Ankläger, die Fälle vor Gericht verhandeln. Zusätzlich gibt es noch die sogenannten Solicitors, die ihre Mandanten nur außerhalb des Gerichts beraten.